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Rabiat: Der ganz private Horror

Play"Rabiat" – Der ganz private Horror | Gewalttaten in den eigenen vier Wänden
Der ganz private Horror | Bild: Radio Bremen

Auf seiner Reportagereise durch Deutschland für "Rabiat: Der ganz private Horror" lernt "Rabiat"-Reporter Manuel Möglich ein Land kennen, dessen Familienglück zerbröselt. Gewalttaten in den eigenen vier Wänden sind schon lange ein Problem in Deutschland. Aus der Kriminalstatistik vom November 2019 geht hervor: 140.755 Menschen in Deutschland haben den eigenen Mann/die eigene Frau als brutales Monster kennengelernt. Tendenz: steigend. Die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Fälle findet keine Beachtung in dieser Statistik.

Als sicher gilt: Während der Corona-Krise hat sich dies zugespitzt. Auch während der Pandemie wird weiter geschlagen, sexuell genötigt, vergewaltigt und psychischer Druck im privaten Umfeld ausgeübt. Frauen und Kinder sind die Hauptleidtragenden, aber auch die Zahl der Männer nimmt zu, die von ihren Frauen physisch und psychisch gequält werden.

Wenn die Ehe zum Martyrium wird

Steffi aus Brandenburg ist Anfang 30. Auf Instagram folgen ihr rund 60.000 Menschen. Sie erzählt dort harmlose private Geschichten, redet aber auch immer wieder über die häusliche Gewalt, die sie erleiden musste. Ihre Ehe wird zum Martyrium. Ihr Mann sperrt sie ein, sie wird getreten, erniedrigt, vergewaltigt. Zwei Jahre geht das so. Steffi braucht fünf Jahre Therapie, um wieder klar zu kommen und überhaupt Vertrauen entwickeln zu können.

"Rabiat"-Reporter Manuel Möglich trifft in Erfurt eine junge Frau, die schon als Kind Opfer von Häuslicher Gewalt wurde.
"Rabiat"-Reporter Manuel Möglich trifft in Erfurt eine junge Frau, die schon als Kind Opfer von Häuslicher Gewalt wurde. | Bild: Radio Bremen / Matthias Bähr

Im Jahr 2018 waren über 80 Prozent der Opfer in Deutschland weiblich. Jede vierte Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Partnerschaftsgewalt erlebt, jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Das Gewaltschutzgesetz von 2002 hat daran nur wenig geändert. Bei einer Telefonhotline für Frauen in Not erfährt der Reporter, dass es immer noch zu wenige Frauenhausplätze gibt. Dabei wollte die Istanbul Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt genau das ändern. Eine ernüchternde Bilanz nach sechs Jahren.

95 Prozent aller Täterinnen und Täter haben in der Kindheit selbst Gewalterfahrungen durchgemacht. Zwei Täter in Therapie erinnern sich, wie sie in ihrer Kindheit geschlagen wurden – bis sie selbst zu Schlägern wurden. Typisch, sagt die Therapeutin Julia Reinhardt. Zuweilen reicht ein heftiges Streitgespräch zwischen Papa und Mama, um ein Kind nachhaltig zu traumatisieren.

Auch nach der Trennung geht der Horror oft weiter

Wie sehr vor allem Kinder der Gewalt ausgeliefert sind, erzählt eine 28-jährige Frau aus Erfurt. Mit 18 entflieht sie der terroristischen Mutter in eine eigene Wohnung, wird aber den häuslichen Horror nie ganz los. Ihre Zeichnungen aus Jahren der Therapie bebildern das Martyrium ihrer Kindheit. Und dennoch: Kontakt zur Peinigerin hält sie weiter, weil es doch die Mutter ist.

Dass der Horror auch nach dem Ende einer missglückten Beziehung weitergehen kann, weiß ein 60-Jähriger, der in der Radio-Bremen-Reportage anonym spricht. Durch ein gemeinsames Kind ist er an seine Ex gekettet. Gutachten belegen die Übergriffe der Frau. Trotzdem bekommt die Frau das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter.  

"Rabiat"-Reporter Manuel Möglich begibt sich für "Rabiat: Der ganz private Horror" auf eine unbequeme Deutschlandreise, die einiges abverlangt. Am Ende bleiben quälende Fragen und eine große: Wie lässt sich solch ein massives Problem überhaupt in den Griff bekommen, welches ausschließlich im Privaten auftritt und für Außenstehende nicht wirklich sichtbar wird?

Ein Film von Manuel Möglich

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