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Rabiat: Mieten? Kaufen? Wahnsinn!

Folge 5

Rabiat: Mieten? Kaufen? Wahnsinn! | Bild: Radio Bremen

In Deutschlands Städten wird Wohnraum knapp und immer teurer. Die Rabiat-Reporter Denise Jacobs und Alexander Tieg treffen in "Rabiat: Mieten? Kaufen? Wahnsinn!" Menschen, denen Verdrängung oder Kündigung droht, die auf Grundstücks- und Wohnungssuche sind. Auf der anderen Seite wird Wohnraum dort zur Ware, wo Immobilienkonzerne auf maximalen Profit setzen. Ein Interessenkonflikt mit Sprengkraft für die Gesellschaft.

Allein in Berlin sind die Quadratmeterpreise für Mieterinnen und Mieter in den vergangenen zehn Jahren drastisch gestiegen. Der rot-rot-grüne Mietdeckel, der die Entwicklung in der Hauptstadt bremsen sollte, ist vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. Bei der Protest-Oper "Lauratibor" in Berlin-Kreuzberg trifft "Rabiat"-Reporterin Denise Jacobs Menschen, die gegen den Ausverkauf der Stadt ihre Stimmen erheben. Die Geschichte handelt von Verdrängung und Investoren, die mit Immobilien Rendite machen: ein Zuhause für die einen, Betongold für die anderen. Yagner Anderson ist Teil des kreativen Kiez-Ensembles. Und die Oper könnte kaum näher an der Realität sein: Noch während der Proben wird Yagners Haus von einem großen schwedischen Immobilienkonzern gekauft.

Rabiat‐Reporter Alexander Tieg spricht in Düsseldorf mit Claude Luven, einem der zahlreichen privaten Vermieterinnen und Vermieter, die etwas für die Altersvorsorge tun wollen.
Rabiat‐Reporter Alexander Tieg spricht in Düsseldorf mit Claude Luven, einem der zahlreichen privaten Vermieterinnen und Vermieter, die etwas für die Altersvorsorge tun wollen.

Mietendeckel, Mietpreisbremse, Enteignung: In der aufgeheizten Debatte um bezahlbares Wohnen geraten manche auch zwischen die Fronten. Denn für private Vermieterinnen und Vermieter, die ihr Wohneigentum vor allem auch als Altersvorsorge verstehen, können die Gesetzesänderungen oder neuen Vorgaben schnell zum finanziellen Fiasko werden. Etwa zwei Drittel aller Mietwohnungen in Deutschland gehören Personen, die nur nebenbei Immobilien vermieten. Einer von ihnen ist Claude Luven. "Rabiat"-Reporter Alexander Tieg trifft den Küchenverkäufer in Düsseldorf. Die aktuelle Situation sei eine große Herausforderung gerade für die kleinen Vermieterinnen und Vermieter, sagt er.

Wenn die Wohnungssuche zur Belastungsprobe wird

Für Sibel und ihren Mann Sezer in München wird die Zeit knapp, ehe sie aus ihrer Wohnung müssen: gekündigt wegen Eigenbedarfs. Seit mehr als anderthalb Jahren ist das Paar nun schon auf der Suche nach einer passenden Wohnung – egal, ob zur Miete oder zum Kauf. Ihr Budget haben sie immer wieder erhöht, gefunden haben sie bislang dennoch nichts. Wie sehr die Wohnungssuche die Familie auch psychisch an ihre Belastungsgrenze bringt, erzählen sie "Rabiat"-Reporter Alexander Tieg.

Heute reichen die Gehälter von Polizistinnen, Polizisten, Lehrerinnen, Lehrern und einfachen Angestellten oft nicht mehr zum Immobilienkauf in den Metropolen und ihren Randbezirken. Dass Wohneigentum gerade für jüngere Menschen immer unrealistischer wird, zeigen die Erfahrungen eines Paares in Norddeutschland. Am Stadtrand von Bremen suchen Kyra und Kai nach einem Baugrundstück, um sich ihren Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Dort werden Quadratmeterpreise von 600 Euro und mehr verlangt. "Da fragt man sich, wer das denn überhaupt noch zahlen kann", sagt Kai. Das Paar sucht dennoch geduldig weiter und nimmt Rabiat-Reporter Alexander Tieg mit auf ihre Grundstückssuche.

Rabiat‐Reporterin Denise Jacobs und Yagner Anderson vor der ehemaligen Kiez‐Kneipe "Meuterei" in Berlin.
Rabiat‐Reporterin Denise Jacobs und Yagner Anderson vor der ehemaligen Kiez‐Kneipe "Meuterei" in Berlin.

Ein möglicher Ausweg ist, dass Leben auf dem Land wieder attraktiver zu machen. "Rabiat"-Reporterin Denise Jacobs reist nach Homberg – eine Kleinstadt, die seit vielen Jahren unter Landflucht leidet. Nach der Schule packen viele junge Menschen ihre Sachen – und die Wenigsten kommen wieder. Das soll sich ändern: Beim "Summer of Pioneers" tauschen 20 Menschen ihre urbane Heimat für sechs Monate gegen ein Leben in der nordhessischen Provinz. Mit dabei sind Christina und Julian aus Frankfurt. 60-Stunden-Wochen, nur um die steigenden Mieten im Rhein-Main-Gebiet auf Dauer bezahlen zu können, wollte sich das Ehepaar nicht länger aussetzen. Für Hombergs parteilosen Bürgermeister Nico Ritz verlieren die Unterschiede zwischen Stadt und Land im Zeitalter der Digitalisierung ohnehin an Bedeutung: "Man kann hier sehr gut leben für vergleichsweise geringes Geld. Die Entscheidung, die man dafür treffen muss, ist letzten Endes aufs Land zu ziehen. Und dass das gar nicht weh tut, wollen wir eben auch zeigen mit dem Projekt."

Fest steht: Viele stadtferne Gegenden bekommen derzeit Zulauf, auch verstärkt durch sich ändernde Bedürfnisse in der Pandemie. Einst vernachlässigte Wohngegenden wie etwa die Prignitz in Brandenburg werden plötzlich wieder attraktiv. Sind solche Projekte wie der "Summer of Pioneers" Zukunftsmodelle, die für eine Entspannung in den Ballungszentren sorgen können – oder wird auf dem Land demnächst auch alles unbezahlbar?

Ein Film von Denise Jacobs und Alexander Tieg

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