SENDETERMIN Mo, 07.05.18 | 22:45 Uhr | Das Erste

Netzwerk Pervers

Folge 2

Netzwerk Pervers | Video verfügbar bis 07.05.2019 | Bild: Radio Bremen / Andy Lehmann

Auf dem Fußboden ihres Schlafzimmers liegt eine junge Frau, ihr Spitzname ist Pumuckl. Über ihr steht ihr Freund Niko. Er trägt eine NVA-Uniform, schwere Stiefel und schwarze Lederhandschuhe. "Zu faul?", fragt er sie ernst. Dann greift Niko mit seiner Hand feste ihren Hals und verpasst der Akademikerin und selbsternannten Feministin mit seiner anderen eine heftige Ohrfeige, noch bevor sie hätte antworten können. Dann noch eine. Und eine weitere.

Das Unwohlsein alleine beim Zuschauen sieht man dem "Rabiat"-Reporter Manuel Möglich deutlich an. Obwohl er weiß, dass das Paar einvernehmlich handelt und bei diesem Spiel nicht nur Spaß hat, sondern auch Lust empfindet, ändert es wenig an der bedrückenden Situation. Am Ende vergewissern beide sich gegenseitig ihrer Liebe, sitzen innig beisammen, streicheln sich zärtlich. Die junge Frau aus der hessischen Provinz strahlt jetzt vor Glück.

Facebook für Perverse

Kennengelernt hat Möglich das Paar und nahezu alle anderen Protagonisten der "Rabiat"-Reportage "Netzwerk Pervers" über FetLife – ein soziales Netzwerk aus Kanada, das wie Facebook funktioniert. Dabei sind die Inhalte maximal explizit. Die Betreiber sehen ihre Seite als das Facebook für Perverse.

Bei einer SM-Party im Catonium in Hamburg wird der Rabiat-Reporter Manuel Möglich von einer dominanten Besucherin erzogen.
Bei einer SM-Party im Catonium in Hamburg wird der Rabiat-Reporter Manuel Möglich von einer dominanten Besucherin erzogen. | Bild: Radio Bremen / Matthias Bähr

FetLife hat in Deutschland mehr als 90.000 Mitglieder, Tendenz steigend. Es versteht sich als Plattform für die BDSM-Szene, eine sexy Gemeinschaft und Menschen, die ihren Fetisch oder ihre Sado-Maso-Neigung leben. Dem "Rabiat"-Reporter dient FetLife wie ein Kompass, es lotst ihn nach Berlin, dort erfährt er von einer 21 Jahre alten Studentin am eigenen Leib, wie sich Bondage anfühlt. In Hamburg besucht Manuel Möglich seine erste SM-Party, in der Stadt hat er außerdem eine Verabredung mit einem reflektierten Softwareprogrammierer - als Pet-Player liebt es Klaus, sich als Zebra zu verkleiden und die Kontrolle abzugeben. Wenn eine Fantasy real wird, kann das so aussehen: Klaus zieht als Zebra den "Rabiat"-Reporter auf einer Kutsche durch Altona, die Umwelt staunt, lacht oder ignoriert das Treiben.

Was ist eigentlich normal beim Sex?

"Netzwerk Pervers" von Manuel Möglich ist eine "Rabiat"-Reportage, die mit den gängigen Klischees bricht und den Zuschauer fordert. Wie tolerant sind wir? Was heißt eigentlich normal? Wie fühlen sich diejenigen, die offen zu ihrem von der Mainstream-Norm abweichendem Sexualleben stehen? Wenn laut Studien fast jeder Zweite Fantasien hat, die BDSM-Praktiken entsprechen, und jeder Dritte solche bereits ausprobierte, dürften die ehrlichen Antworten spannend sein.

Das Zebra (Klaus, Informatiker) zieht den Rabiat-Reporter Manuel Möglich auf einem Sulky durch Hamburg Altona.
Das Zebra (Klaus, Informatiker) zieht den Rabiat-Reporter Manuel Möglich auf einem Sulky durch Hamburg Altona. | Bild: Radio Bremen / Matthias Bähr

Ob es verwerflich ist, wenn eine junge Frau wie Pumuckl auf Verhörspiele mit Angst und Schrecken steht und Uniformen extrem stimulierend findet? Die Mutter der Master-Studentin, die Manuel Möglich auch kennenlernt, hat ihr Urteil gefällt: "Wenn du damit glücklich wirst, Kind, dann mach das."

Ein Film von Manuel Möglich

Eine Produktion der Sendefähig GmbH im Auftrag von Radio Bremen 2018

Was ist eigentlich normal beim Sex?

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