SENDETERMIN Mo, 27.05.19 | 22:45 Uhr | Das Erste

Rabiat: Scheißjob Bulle?

Folge 3

PlayAn der Polizeiakademie Nienburg (Weser) schießt ein junger Polizist in Ausbildung zum ersten Mal mit der Maschinenpistole MP5.
Rabiat: Scheißjob Bulle? | Video verfügbar bis 27.05.2020 | Bild: Radio Bremen / Andy Lehmann

Freund und Helfer oder wütige Ordnungskraft – das Bild von Polizistinnen und Polizisten in Deutschland ist so gespalten wie lange nicht mehr oder vielleicht noch nie. Es muss und soll sich etwas ändern, sind sich die Verantwortlichen sicher, aber wie und vor allem mit welchem Personal, scheint offen.

Die Menschen im Fokus

Wie steht es um den Job im Dienst der Gesellschaft vorm Fußballstadion und beim Weltkongress, aber auch beim täglichen Einsatz? "Rabiat"-Reporter Manuel Möglich ist auf Spurensuche in einer Großorganisation im Wandel. Ihn interessieren die Menschen, die Polizisten sind oder es noch werden wollen.

Manuel Möglich harrt während einer Übung der Bereitschaftspolizei Bremen in einer Sitzblockade aus und wird nach mehreren Aufforderungen mit Nachdruck entfernt.
Manuel Möglich harrt während einer Übung der Bereitschaftspolizei Bremen in einer Sitzblockade aus und wird nach mehreren Aufforderungen mit Nachdruck entfernt. | Bild: Radio Bremen / Ilhan Coskun

Wachwechsel bei der Polizei. Nach 20 Jahren Sparkurs, nach Revierschließungen, überfüllten Überstunden-Konten und Beförderungsstau investieren Bund und Länder wieder. Vielmehr sie müssen investieren: Die Babyboomer gehen in Pension, die Lage im Land verändert sich, besonders an den Rändern. Der Respekt zerbröselt, Clankriminalität, Wirtschaftsverbrechen, Terror, Radikalismus, Cybercrime. Innere Sicherheit ist "das Thema".

Erneuern und verstärken, das sind die Chancen. Innerhalb nur eines Jahres (2017) kam es zu einem Personalanstieg um ca. 6.100 Beschäftigte. Das ist der größte Zuwachs seit über 20 Jahren. Mehr Frauen, mehr Beamte mit Migrationshintergrund, mehr bunte Republik.

Abwehrtechniken am eigenen Leib erlebt

Gleichzeitig ist die Polizei unter Druck. Das Gebot der Zukunft: Transparenz und Verhältnismäßigkeit auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Leichter gesagt als getan. G20, Hambacher Forst, NSU 2.0 werfen lange Schatten. Immerhin: Laut Forsa-Umfrage (2019) haben 78 Prozent der Deutschen Vertrauen in die Polizei.

Unterwegs mit einer Hundertschaft beim einem Heimspiel von Werder Bremen. Der stellvertretende Zugleiter wartet mit Rabiat-Reporter Manuel Möglich vor dem Weserstadion auf das Ende des Spiels.
Unterwegs mit einer Hundertschaft beim einem Heimspiel von Werder Bremen. Der stellvertretende Zugleiter wartet mit Rabiat-Reporter Manuel Möglich vor dem Weserstadion auf das Ende des Spiels. | Bild: Radio Bremen / Ilhan Coskun

In Bremen begleitet die "Rabiat"-Reportage "Scheißjob Bulle?" eine Hundertschaft zu einem Bundesligaspiel. Tags drauf trainiert "Rabiat"-Reporter Manuel Möglich mit einem anderen Zug, lernt den MES (im Volksmund Gummiknüppel) und Abwehrtechniken am eigenen Leib kennen. Trainingspartner Jesper macht keinen Hehl daraus, dass manche Einsätze der Bereitschaftspolizei einiges von ihm und seinen Kollegen abverlangen: "Man wünscht sich manchmal, dass das Gegenüber auch den Menschen unter der Uniform sieht, der Familie hat und nach dem Dienst einfach nach Hause gehen will. Und das am besten gesund. Wenn man bespuckt wird oder von Clownsarmen mit Urin bespritzt wird, da fragt man sich schon: Ist das der richtige Job?"

Verdecktes Interview, irgendwo in Deutschland: Der Mann arbeitet als Polizeitrainer und geht seine Behörde in der "Rabiat"-Reportage deutlich an: "Entgegen der landläufigen Meinung sind Polizisten kein Querschnitt der Gesellschaft. Schon auf der Suche wird sehr deutlich nach einem bestimmten Persönlichkeitsprofil gefiltert. Deswegen findet man bei der Polizei tendenziell eher konservative Menschen mit einer ‘Law & Order‘-Mentalität und eben deutlich mehr Mitte-rechts-lastig politisch Eingestellte als Mitte-links."

Rabiat-Reporter Manuel Möglich darf am Training der Polizei teilnehmen und lernt Abwehrtechniken am eigenen Leib kennen.
Rabiat-Reporter Manuel Möglich darf am Training der Polizei teilnehmen und lernt Abwehrtechniken am eigenen Leib kennen. | Bild: Radio Bremen / Ilhan Coskun

Die, die noch ganz am Anfang ihrer Polizeilaufbahn stehen, besucht Möglich auf seiner Reise zur Polizeiakademie Nienburg (Weser): Jasmina, Jonas und Jan sind Anfang 20, seit wenigen Monaten erst in der Ausbildung und noch Beamte auf Widerruf. Sie schießen an diesem Tag zum ersten Mal im Training mit der Maschinenpistole MP5. Einige Wochen später werden sie mit 1.600 anderen Anwärtern in Hannover bei der bis dato größten Vereidigung Niedersachsens von Boris Pistorius, Minister für Inneres und Sport, vereidigt.

Was tun, wenn die Polizei versagt?

Wie sollte die Polizei in der Zukunft aussehen? Sind die Reformen der Polizeigesetze der richtige Weg? Welche Chancen liegen in der nächsten Generation, welche Risiken birgt der Umbruch? Und was tun, wenn die Polizei versagt? Braucht es vielleicht eine unabhängige Behörde, die fehlerhafte Polizeiarbeit aufklärt? Die "Rabiat"-Reportage "Scheißjob Bulle?" geht diesen und anderen Fragen auf den Grund.

Ein Film von Manuel Möglich

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