Fünf-B-Wetterlage

Fünf-B-Wetterlage
 | Bild: Das Erste

Als der deutsche Meteorologe Wilhelm Jacob von Bebber 1891 seine Systematik der Großwetterlagen vorstellte, war darunter auch eine Zugbahn, bei der ein Tief nicht – wie üblich – über Frankreich und Deutschland zieht, sondern nach Süden abgedrängt wird und dann südlich der Alpen im Golf von Genua hängen bleibt. Vb ("fünf-B")-Wetterlage nannte er diese Variante.

Die Animation macht deutlich, dass sich das Tief über dem warmen Mittelmeer oft tagelang mit Feuchtigkeit vollsaugt, dann durch nachdrängende Luft über die flachste Stelle der Alpen gedrückt wird und seine gewaltige Wasserlast über Bayern, Tschechien, Polen und Ostdeutschland ablädt.

Durch die Drehung der Tiefdruckgebiete auf der Nordhalbkugel entgegen dem Uhrzeigersinn werden die Regenwolken nun gnadenlos von Norden gegen die Gebirgskämme des Erzgebirges und der Alpen gedrückt und so regelrecht ausgequetscht. Auf diese Weise entstehen regional manchmal über Tage anhaltende Starkniederschläge mit unglaublichen Regensummen.

Beispiel Hochwasserkatastrophen 2002

Auf der Website der Wetterzentrale lässt sich Tag für Tag nachverfolgen, wie sich das Tief "Ilse" von Spanien in den Golf von Genua und dann weiter nach Norden bewegt – man muss in die Maske nur nacheinander die Daten 10., 11. ,12. und 13. August 2002 eingeben.

Die eingestürzte Eissporthalle in Bad Reichenhall.
Die eingestürzte Eissporthalle in Bad Reichenhall. | Bild: picture alliance / dpa / Armin Weigel

Vb-Wetterlagen gibt's nicht nur im Sommer. So ging zum Beispiel der Einsturz der Eissporthalle von Bad Reichenhall 2006 auf das Konto von "Ann-Kathrin". Dieses Genuatief hatte starke Schneefälle nach Bayern gebracht, am 2. Januar um 15:54 konnte das Hallendach die Schneelast nicht mehr tragen: Es gab nach und begrub viele Eisläufer unter sich, 15 Tote und 34 Verletzte fordert die Katastrophe.