Faktencheck zu "Missbrauch in der katholischen Kirche"

Sendung vom 26.09.2018

Faktencheck

Die Gäste (v.l.n.r.): Matthias Katsch, Wolfgang Niedecken, Claudia Mönius, Christiane Florin, Stephan Ackermann
Die Gäste (v.l.n.r.): Matthias Katsch, Wolfgang Niedecken, Claudia Mönius, Christiane Florin, Stephan Ackermann | Bild: WDR / Melanie Grande

Bei Maischberger wird engagiert diskutiert, Argumente werden ausgetauscht, es wird auch schon mal emotional und manchmal bleibt am Ende keine Zeit, um alles zu klären. Wenn Fragen offen bleiben, Aussagen nicht eindeutig waren oder einfach weitere Informationen hilfreich sein könnten, schauen wir nach der Sendung noch einmal drauf – hier in unserem Faktencheck.

Und das schauen wir uns an:

  • Wie unabhängig ist die aktuelle Missbrauchsstudie?
  • Gibt es eine kirchliche Paralleljustiz?
  • Ist die Zahl der Missbrauchsopfer in Wahrheit viel höher?

Wie unabhängig ist die aktuelle Missbrauchsstudie?

Zentrales Thema unserer Sendung war die aktuelle Studie zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche, die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben wurde. Die Journalistin Christiane Florin bemängelte die Bedingungen, unter denen die Studie durchgeführt wurde. Nicht nur habe die Kirche den beauftragten Wissenschaftlern den Zutritt in die Archive verwehrt, sondern gezielt Informationen zurückgehalten, so Florins Vorwurf. Stephan Ackermann, Bischof von Trier und Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, verteidigte die Studie. Sie erfülle die üblichen wissenschaftlichen Standards, wenngleich aus Gründen des Datenschutzes gewisse Informationen unveröffentlicht bleiben mussten.

Florin vs. Ackermann: Wie unabhängig ist die aktuelle Missbrauchsstudie? | Video verfügbar bis 26.09.2019

Florin: "Die Kirche hat einfach gemauert. Und sie mauert ja bis heute. Dass Akten vernichtet worden sind, dass Akten manipuliert worden sind, dass Akten auch nicht herausgegeben worden sind – das war doch klar. Und das ist ja auch bei dieser Studie so, das sagen die Wissenschaftler ja auch. Sie hatten einen ganz begrenzten Auftrag, sie haben die Akten nicht selber in den Händen gehalten, sie dürfen keine Namen nennen, sie dürfen keine Namen von Bistümern nennen. Man kann nicht mal rekonstruieren, wo was geschehen ist, keine Ortsnamen. Und das ist ja auch Teil des Programms."

(…)

Maischberger: "Akten wurden manipuliert und zerstört und nicht herausgegeben. Warum ist das denn so, dass tatsächlich die Forscher – und das sagen die ja auch selber – die durften nicht in die Archive, sondern die durften Fragebögen weitergeben und die Beantwortung obliegt dann dem Bistum. Haben Sie was zu verbergen? Oder warum haben Sie die nicht in die Archive gelassen?"

Ackermann: "Nein, wir haben versucht, das Maximum dessen herauszuholen für die Forscher, was möglich war. (…) Es wurden ja auch Personalakten von Nichtbeschuldigten, wo es also überhaupt keinen Hinweis gibt, keinen Tatverdacht oder so – wir mussten ja die Möglichkeit schaffen, das sage ich als Bischof und Dienstgeber, dass eben Personalakten von, ich sage mal, unbescholtenen Personen durchgescannt werden in dieser Größenordnung. Und da haben wir versucht, den Raum zu schaffen, auch natürlich mit den datenschutzrechtlichen Bestimmungen: wie schaffen wir das so, dass wir wirklich das durchsehen, dass die das Material zur Verfügung bekommen, aber dass wir natürlich auch Persönlichkeitsrechte wahren und eben nicht in andere Probleme hineinkommen. Und die Wissenschaftler – der Herr Professor Dreßing hat es gestern noch mal deutlich gesagt – die haben das abgewogen als Wissenschaftler. Die haben gesagt, es gibt Limitationen, aber wenn wir es nicht wissenschaftlich verantworten können, hätten wir das Projekt nie gemacht."

Stimmt das? Wie unabhängig ist die aktuelle Missbrauchsstudie?

Die Studie, die am 25.9.18 in Fulda vorgestellt wurde, gibt Aufschluss über die Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker im Verantwortungsbereich der Deutschen Bischofskonferenz. Demnach wurden von 1946 bis 2014 in Deutschland 3 677 Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch. Beschuldigt werden 1 670 Geistliche. Das Forschungsprojekt, das im Jahr 2014 im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz begonnen und nun abgeschlossen wurde, verfolgte einen interdisziplinären Ansatz: Experten aus den Fachbereichen Kriminologie, Psychologie, Soziologie, Psychiatrie und Forensik arbeiteten zusammen, um das Ausmaß sowie die Formen des Missbrauchs innerhalb der katholischen Kirche zu untersuchen. Alle 27 Diözesen Deutschlands hätten sich zur Teilnahme am Forschungsprojekt vertraglich verpflichtet, so die Urheber der Studie.

Harald Dreßing, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim
Harald Dreßing, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim | Bild: ZI Mannheim

Harald Dreßing leitet die Forensische Psychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. Er koordinierte die vorliegende Studie. Den Vorwurf unseres Studiogastes Christiane Florin, die Kirche hätte gravierenden Einfluss auf die Forschung genommen, die Resultate sogar verfälscht, verneint Dreßing:

"Wir sind in der Analyse und Interpretation unserer Ergebnisse völlig unabhängig. Wir haben volles Publikationsrecht mit der Kirche vereinbart und werden die Ergebnisse sukzessive in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlichen. Wir haben bei dieser Studie dieselben ethischen und wissenschaftlichen Standards angelegt, wie wir sie auch bei anderen Drittmittelstudien anwenden."

Dreßing bestätigt jedoch, dass der Zugang zu gewissen Dokumenten versagt blieb:

"Wir hatten aus datenschutzrechtlichen Gründen keinen direkten Zugang zu den Personalakten der Kleriker. Die Strafakten wurden uns von der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt. Wir haben insgesamt 243 Strafakten beschuldigter Kleriker ausgewertet und 77 Strafakten von Beschuldigten in anderen Institutionen."

Bereits vor Beginn der Studie hatte es öffentliche Zweifel an ihrer Unabhängigkeit gegeben. Der renommierte Kriminologe Christian Pfeiffer war ursprünglich mit der Forschung beauftragt gewesen, brach die Arbeit im Jahr 2013 aber vorzeitig ab. Grund war der aus seiner Sicht zu schwere Einfluss der Kirche. Pfeiffer kritisierte unlängst gravierende Schwachpunkte der abgeschlossenen Studie, insbesondere die Tatsache, dass den beauftragten Wissenschaftlern die Möglichkeit genommen wurde, sämtliche Akten eigenhändig durchzuarbeiten. Pfeiffer fordert nun eine Folgestudie unter freieren Forschungsbedingungen.

Fazit: Die Journalistin Christiane Florin bemängelte in unserer Sendung die Bedingungen, unter denen die jüngst veröffentlichte Studie zu Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche durchgeführt wurde. Die Kirche habe zu großen Einfluss genommen, den Zutritt in ihre Archive verwehrt und wesentliche Informationen gezielt zurückgehalten. Stephan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, entgegnete, der begrenzten Akteneinsicht lagen vor allem datenschutzrechtliche Bedenken zugrunde. Studienkoordinator Harald Dreßing bestätigt auf unsere Nachfrage, dass sowohl Analyse als auch Interpretation des gesichteten Materials völlig unabhängig von der Kirche vollzogen werden konnten. Tatsächlich aber konnten aufgrund des Datenschutzes keine Personalakten eingesehen werden. Die knapp 300 Strafakten, die in der Studie ausgewertet wurden, seien von der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt worden. Um Zweifel an der Unabhängigkeit endgültig auszuräumen, fordern Experten weitere Folgestudien. 

Gibt es eine kirchliche Paralleljustiz?

Als wesentlichen Grund für die Schwierigkeiten bei der Aufklärung sexueller Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche nannte Christiane Florin das innerhalb der Institution geltende Kirchenrecht. Die Journalistin sprach in unserer Sendung von einer Form der Paralleljustiz, die die Täter in einem Großteil der Fälle mit milden Strafen davonkommen lasse.

Christiane Florin: Gibt es eine kirchliche Paralleljustiz? | Video verfügbar bis 26.09.2019

Maischberger: "Ich habe nicht gewusst, dass es so eine innerkirchliche Justiz gibt."

Florin: "Ja, natürlich. Es gibt ein eigenes Kirchenrecht, es gibt auch ein kirchliches Strafrecht."

Maischberger: "Das habe ich schon gewusst. Aber dass es sozusagen dann auch so – ich weiß es nicht, was. Wie kann man sich das vorstellen? Gibt es dann sozusagen ein Gremium, das ermittelt?"

Florin: "Ja, es gibt ein Gremium, das ermittelt, und das sagt die Studie ja auch: in etwa einem Drittel der Fälle gab es ein innerkirchliches Verfahren, das aber dann mit sehr milden Strafen zu Ende gegangen ist."

Maischberger: "Ist das eine Art Paralleljustiz?"

Florin: "Naja, das ist de facto eine Paralleljustiz. Aber eine, die vom Grundgesetz sozusagen bewilligt ist."

Stimmt das? Gibt es eine kirchliche Paralleljustiz?

Tatsächlich sieht das Grundgesetz vor, dass alle Religionsgemeinschaften und somit zuvorderst auch die katholische Kirche ihre Angelegenheiten zunächst autonom und ohne staatliches Eingreifen regeln. In Artikel 140 GG heißt es:

"Jede Religionsgesellschaft ordnet und verwaltet ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes. Sie verleiht ihre Ämter ohne Mitwirkung des Staates oder der bürgerlichen Gemeinde."

Thomas Schüller, Professor für Kirchenrecht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
Thomas Schüller, Professor für Kirchenrecht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster | Bild: privat

Thomas Schüller, Professor für Kirchenrecht an der Westfälischen Wilhelms-Universität, erklärt uns die lange Tradition und den Zuständigkeitsbereich der innerkirchlichen Justiz:

"Die katholische Kirche kennt seit dem Mittelalter eine eigene, auf eigenem Recht gründende Gerichtsbarkeit. Im geltenden Gesetzbuch, dem Codex Iuris Canonici von 1983 (CIC), gibt es ein eigenes Kapitel zum Prozessrecht. Gegenstand von kirchlichen Gerichtsverfahren ist der Schutz von Rechten natürlicher und juristischer Personen in der Kirche, die Feststellung rechtserheblicher Tatsachen, Straftaten nach kirchlichem Strafrecht, die zur Verhängung oder Feststellung einer Strafe führen und Streitigkeiten, die sich aus der der Verwaltung ergeben können."

So müsse es in jedem Bistum verpflichtend ein diözesanes Gericht geben, dem neben einem Priester immer auch ein Gerichtsvikar vorsteht, der unabhängig mit seinen Richterinnen und Richtern entscheidet. Auf Ebene der Weltkirche gebe es in Rom zwei weitere Gerichte, die Sacra Romana Rota und die Apostolische Signatur. Zur Verhandlung sexueller Missbrauchsfälle haben sich darüber hinaus Sondergerichte etabliert, erklärt Schüller.

Er betont aber, dass auch das Kirchenrecht nicht losgelöst vom Grundgesetz ist:

"Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland garantiert in seiner Verfassung, dass die Religionsgesellschaften ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranken des für alle geltenden Gesetzes ordnen und verwalten. Damit wird allen Religionsgemeinschaften, nicht nur den beiden großen christlichen Kirchen, in der Verwaltung und Ordnung ihrer eigenen Angelegenheiten eine weit reichende Autonomie zugewiesen, zu der auch die eigene Gerichtsbarkeit gehört, die sich aber nur auf eigenes Recht und eigene Angelegenheiten beziehen kann. In Deutschland gelten dabei die für jedermann, d.h. alle Bürgerinnen und Bürger, geltenden Gesetze als Schranke und Begrenzung der kirchlichen Gerichtsbarkeit."

Das bedeutet, dass Straftaten, die innerhalb der Kirche geschehen, wie z.B. sexueller Missbrauch, umgehend der Staatsanwaltschaft zu melden sind. Grundsätzlich kann sich das Kirchenrecht also nicht gegen geltende weltliche Strafgesetze sperren. Gleichwohl kennt das Kirchenrecht eigene Strafen für Sexualstraftäter, wie uns Experte Thomas Schüller erklärt:

"Das katholische Strafrecht kennt einen kryptisch formulierten Straftatbestand, der mit einer Sünde gegen das sechste Gebot umschrieben ist, und mit dem angezeigte Sexualstraftaten von Klerikern zu verfolgen sind. Bis 2001 gab es Spezialnormen für diese Verfahren, die nicht veröffentlicht waren, und nur in den seltensten Fällen angewendet wurden. Seit 2001 müssen alle katholischen Bischöfe nach einer Voruntersuchung von angezeigten Sexualstraftaten von Klerikern, den entsprechenden Bericht an die Glaubenskongregation schicken, die entscheidet, wie weiter zu verfahren ist. In der Regel wartet man den staatlichen Strafprozess ab, um anschließend entweder einen eigenen Strafprozess durchzuführen, an dessen Ende ein Urteil steht, mit dem eine Strafe nach Kirchenrecht dem Kleriker auferlegt wird. Die härteste Strafe ist dabei die Entlassung aus dem Klerikerstand, bei der der Kleriker sämtliche Versorgungsansprüche unwiderruflich verliert (Pension, Krankenversicherung, Pflegeversicherung). In der Regel werden aber auf dem Verwaltungsweg Sanktionen gegen den Kleriker ausgesprochen."

Seit 2001 sei sowohl in den päpstlichen Normen als auch in den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz verankert, dass bei begründetem Anfangsverdacht die staatlichen Strafverfolgungsbehörden einzuschalten sind. Den generellen Vorwurf an die Kirche, eine Paralleljustiz errichtet zu haben, sieht Schüller daher nicht mehr als gerechtfertigt an. Jedoch:

"Obwohl die katholische Kirche auch lange vor 2001 die Möglichkeit nach eigenem Recht gehabt hätte, Kleriker wegen Sexualstraftaten zu verurteilen, gab es nur wenige solcher Strafprozesse. Der Regelfall war die Behandlung solcher Fälle auf dem Verwaltungsweg und die hierbei flächendeckend vorgenommene Vertuschung dieser Straftaten."

Fazit: Die Journalistin Christiane Florin erklärte in unserer Sendung, ein gravierendes Problem bei der Aufklärung sexueller Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche liege im Kirchenrecht, das eine Form der Paralleljustiz darstelle und vom Grundgesetz gedeckt sei. Tatsächlich wird in Artikel 140 des Grundgesetzes allen Religionsgemeinschaften eine autonome Ordnung und Verwaltung zugesichert, was auch eine eigenständige Gerichtsbarkeit einschließt. Angesichts einer Straftat, wie etwa sexuellem Missbrauch, stößt diese Autonomie aber an eine Grenze. In diesen Fällen muss laut Gesetz umgehend die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden. Vor allem in der Vergangenheit geschah dies jedoch zu selten. Ein Großteil der Missbrauchsfälle wurde durch Kirchenvertreter vertuscht, die Täter kamen mit milden, innerkirchlich vollstreckten Strafen davon.

Ist die Zahl der Missbrauchsopfer in Wahrheit viel höher?

Matthias Katsch, Sprecher des Betroffenenverbandes "Eckiger Tisch", erklärte in unserer Sendung, er gehe davon aus, dass die Zahl der Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche deutlich höher liege als in der Studie der Deutschen Bischofskonferenz erhoben. Katsch verwies hierbei auf Untersuchungen, die an der Universität Ulm durchgeführt worden seien.

Matthias Katsch: Gibt es in Wahrheit viel mehr Missbrauchsopfer? | Video verfügbar bis 26.09.2019

Maischberger: "Was glauben Sie denn, Herr Katsch? Sie sind erstens selbst betroffen. (…) Sie haben den Fall auch mit ins Rollen gebracht durch den ersten Brief, den Sie geschrieben haben. Was glauben Sie, über wie viele Betroffene reden wir hier in Deutschland?"

Katsch: "Ich glaube, wir reden von einer ganz anderen Dimension als das, was sich in diesem Bericht zeigt. Es gibt Untersuchungen hier zum Beispiel von der Uni Ulm vom Professor Fegert, der kalkuliert über 100 000 Betroffene im Bereich der katholischen Kirche, was sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angeht."

Maischberger: "Seit 1946, das ist ja dieser Zeitraum dieser Studie."

Katsch: "Seit Ende des zweiten Weltkrieges, ja."
 

Maischberger: "Halten Sie das für realistischer?"

Katsch: "Ich halte das für sehr realistisch."

Stimmt das? Ist die Zahl der Missbrauchsopfer in Wahrheit viel höher?

Tatsächlich haben Wissenschaftler des Kompetenzzentrums Kinderschutz in Ulm zuletzt Erhebungen zu Fällen sexuellen Missbrauchs sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche durchgeführt. Demnach seien in beiden Kirchen jeweils etwa 100 000 Personen betroffen. Diese Zahlen, die Ergebnis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage sein sollen, wurden erstmals am 23.9.18 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) veröffentlicht. Die gesamte wissenschaftliche Studie wurde bislang jedoch nicht offiziell publiziert. Jörg Fegert, Direktor der Ulmer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, erklärte gegenüber der FAZ, diese ungleich höheren Zahlen spiegelten die gesamtgesellschaftliche Dimension sexueller Gewalt wider. Man gehe zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. 

Harald Dreßing, der als Verbundkoordinator die jüngst veröffentlichte Studie der Deutschen Bischofskonferenz leitete, möchte auf Nachfrage noch kein abschließendes Urteil zur Ulmer Studie abgeben:

"Ich kenne die Studie nur aus einem Bericht der FAZ. Eine wissenschaftliche Originalpublikation der Ergebnisse liegt nach meinem Kenntnisstand noch nicht vor. Sie kann eigentlich auch noch nicht vorliegen, wenn die Befragung im Juni und Juli dieses Jahres durchgeführt wurde, wie es in dem Pressebericht heißt. Insoweit kann ich aus wissenschaftlicher Sicht zu dieser Untersuchung noch keine Stellungnahme abgeben. Ich kenne Herrn Professor Fegert aber als einen ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet."

Fazit: Matthias Katsch, Sprecher des Betroffenenverbandes "Eckiger Tisch", verwies in unserer Sendung auf eine Studie der Universität Ulm, wonach die Zahl der Betroffenen, die sexuelle Gewalt in der Kirche erlebt haben, deutlich höher liege als in der Studie, die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben wurde. Presseberichten zufolge gehen die Ulmer Wissenschaftler tatsächlich von jeweils 100 000 Betroffenen aus, sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche. Die Studie wurde jedoch noch nicht in Gänze publiziert, sodass ein wissenschaftliches Urteil über diese Erhebung noch nicht gefällt werden kann.

Autoren: Tim Berressem, Paulina Fried

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