Faktencheck zu "maischberger. die woche"

Sendung vom 19.06.2019

Faktencheck

Die Gäste (v.l.n.r.): Nikolaus Blome, Markus Feldenkirchen, Kristina Dunz
Die Gäste (v.l.n.r.): Nikolaus Blome, Markus Feldenkirchen, Kristina Dunz | Bild: WDR / Max Kohr

Bei Maischberger wird engagiert diskutiert, Argumente werden ausgetauscht, es wird auch schon mal emotional und manchmal bleibt am Ende keine Zeit, um alles zu klären. Wenn Fragen offen bleiben, Aussagen nicht eindeutig waren oder einfach weitere Informationen hilfreich sein könnten, schauen wir nach der Sendung noch einmal drauf – hier in unserem Faktencheck.

Und das schauen wir uns an:

  • Will Friedrich Merz eine konservativere CDU?
  • Wodurch wird die Klimaerwärmung verursacht?

Will Friedrich Merz eine konservativere CDU?

Ein Thema im Einzelgespräch mit CDU-Politiker Friedrich Merz war die Frage, in welche Richtung sich seine Partei in Zukunft verändern müsste, um aus dem aktuellen Umfragetief herauszukommen. Sandra Maischberger zitierte hier eine Aussage Merz’, die CDU müsse sich wieder konservativer ausrichten. Friedrich Merz bestand jedoch darauf, dass es ein solches Zitat von ihm nicht gebe. 

Will Friedrich Merz eine konservativere CDU? | Video verfügbar bis 19.06.2020

Maischberger: "Sie haben gesagt, die CDU muss konservativer werden."

Merz: "Da korrigiere ich Sie jetzt zum zweiten Mal ungern, aber ich habe das nicht gesagt. Nein, es gibt ein solches Zitat von mir nicht."

Maischberger: "Die CDU wird wieder 40 Prozent machen, wenn die Partei konservativer wird und liberaler. Wetten, dass es das gibt?"

Merz: "Nein, das Zitat gibt es überhaupt nicht. Ich habe immer gesagt, die CDU muss auch in der Lage sein, die konservativen Wählerinnen und Wähler zu erreichen, genauso wie die, die liberal denken, und sie muss ihr Spektrum wieder vergrößern. So, ich habe nie gesagt – das wird jetzt teilweise so interpretiert, als ob ich gesagt hätte, die Union muss nach rechts rücken. Auch den Ausdruck gibt es von mir nicht."

Maischberger: "Nein, das habe ich nicht gesagt. 40 Prozent sind machbar, wenn die Partei konservativer und liberaler wird."

Merz: "Wenn die Partei ihr Spektrum wieder so vergrößert, dass auch konservative Wähler sich in der CDU zu Hause fühlen."

Stimmt das? Hat Friedrich Merz nie eine konservativere CDU gefordert?

Sandra Maischberger bezog sich an dieser Stelle auf ein Interview, das Friedrich Merz der Stuttgarter Zeitung am 31.5.19 gab. Darin sagte Merz, die CDU könne wieder auf 40 Prozent kommen. Er sei der Meinung, so Merz weiter, dass "wir die AfD halbieren können, wenn wir wertkonservativ und liberal denkende Wähler wieder besser ansprechen." Genau genommen forderte Merz hier also keine konservativere CDU, sondern ein offeneres Zugehen auf konservative Wähler

Bereits im April betonte Merz auf einer Podiumsveranstaltung in Hamburg, er sei "nicht der Meinung, dass wir jetzt einen Rechtsruck machen sollen". Und auch bei diesem Auftritt richtete Merz das Hauptaugenmerk auf die konservativen Wähler: "Aber ich möchte, dass diejenigen, die sich wertkonservativ nennen, in der CDU eine politische Heimat haben und nicht irgendwo anders hin abdriften."

Fazit: Wie schafft es die CDU aus dem Umfragetief? Im Einzelgespräch mit Friedrich Merz zitierte Sandra Maischberger den CDU-Politiker mit der Forderung, seine Partei müsse künftig konservativer werden. Merz widersprach, ein solches Zitat gebe es von ihm nicht. Tatsächlich sagte Merz der Stuttgarter Zeitung Ende Mai, man könne einen Großteil der AfD-Wähler für sich gewinnen, wenn man wertkonservative und liberal denkende Wähler wieder besser anspreche. Auf diese Weise sei ein Wahlergebnis von 40 Prozent wieder möglich. Sandra Maischberger hat Merz’ Aussage aus dem Interview also verkürzt dargestellt. Auch an anderer Stelle betonte Merz bereits, es gehe darum, konservativen Menschen mit der CDU wieder eine politische Heimat zu bieten. Ein konservativeres Profil forderte er von seiner Partei nicht ausdrücklich. Einen Rechtsruck schloss er aus.

Wodurch wird die Klimaerwärmung verursacht?

In unserer Sendung wurde kontrovers über die Klimaerwärmung und ihre Ursachen diskutiert. Einer unserer Zuschauer nannte eine Studie, wonach CO2-Emissionen nicht ursächlich seien für den Temperaturanstieg. ARD-Wettermoderator Karsten Schwanke widersprach. Außerdem erklärte er, die wirkungsvollste Maßnahme zum Schutz des Klimas sei nach aktuellen Erkenntnissen der Zugang zu Bildung und die Stärkung der Frauenrechte.

Treibhauseffekt und Überbevölkerung: Wodurch wird die Klimaerwärmung verursacht? | Video verfügbar bis 19.06.2020

Zuschauer: "Ich möchte einmal fragen, ob Sie eigentlich die Arbeit kennen von namhaften Physikern, z.B. Tscheuschner, der sagt – oder die haben berechnet, dass das CO2 thermodynamisch überhaupt nicht in der Lage ist, einen Klimaeffekt auszulösen. Und es gibt jede Menge Arbeiten darüber, die klarlegen, dass der Zusammenhang zwischen der Erwärmung und dem CO2 nicht stimmt. Eine Erwärmung ist nicht abzustreiten, das ist klar. Aber wir Menschen machen das nicht. Wir müssen uns aber darauf einstellen."

(…)

Schwanke: "Es gibt einen Thinktank in Amerika, wo etliche Wissenschaftler mal zusammengetragen haben, welche Hebel sind die Wirksamsten. An Nummer eins weltweit ist der freie Zugang zu Bildung für Mädchen und Frauen und Rechte für Frauen bei der Familienplanung."

Maischberger: "Wegen der Überbevölkerung?"

Schwanke: "Weil in all den Ländern, wo Frauen Rechte, starke Rechte haben und an der Bildung teilhaben können, gibt es keine Geburtenexplosionen, unabhängig davon, wie reich ein Land ist."

Stimmt das? Wodurch wird die Klimaerwärmung verursacht?

Unser Zuschauer bezog sich in der Sendung auf eine Studie der beiden deutschen Physiker Ralf Tscheuschner und Gerhard Gerlich aus dem Jahr 2009. Dieser Arbeit nach sei der atmosphärische Treibhauseffekt, der in der Globalklimatologie als allgemein anerkannt gilt und auch dem Weltklimarat als grundlegendes Modell dient, nicht existent. Die Autoren sprechen von einem "fiktiven Mechanismus". 

Vereinfacht ausgedrückt beschreibt der Treibhauseffekt, dass die von der Erdoberfläche reflektierte Wärmestrahlung auf ihrem Rückweg in den Weltraum durch sogenannte Treibhausgase, wie z.B. Kohlendioxid (CO2) oder Wasserdampf, absorbiert wird, was eine Erwärmung der Atmosphäre zur Folge hat. Bei der Mehrheit der Wissenschaftler besteht Einigkeit darüber, dass sich dieser Treibhauseffekt durch zunehmende CO2-Emissionen verschärft und die Klimaerwärmung vorantreibt. 

Prof. Dr. Stephan Pfahl, Professor für Geowissenschaften an der FU Berlin
Prof. Dr. Stephan Pfahl, Professor für Geowissenschaften an der FU Berlin | Bild: privat

Wie seriös also ist die Studie von Tscheuschner und Gerlich? Wir fragen nach bei Prof. Dr. Stephan Pfahl, Professor für Geowissenschaften an der Freien Universität Berlin. Er widerspricht der Studie deutlich:

"Versuche, den Effekt der Treibhausgase auf das Klima mit Hilfe von theoretischen Überlegungen unter Einbeziehung der Thermodynamik zu widerlegen (zum Beispiel in der Studie von Gerlich und Tscheuschner), sind wissenschaftlich nicht haltbar. Ganz im Gegenteil gibt es eine Vielzahl von ganz klaren Belegen für diesen Treibhauseffekt, basierend auf theoretischen Argumenten, Studien mit Klimamodellen sowie direkten Messungen des Strahlungseffekts von CO2. Wir können mit sehr großer Sicherheit sagen, dass der Ausstoß von Treibhausgasen durch den Menschen für einen Großteil der beobachteten weltweiten Klimaerwärmung verantwortlich ist."

Und wie kann der Ausstoß von Treibhausgasen durch den Menschen verringert werden? ARD-Wettermoderator Karsten Schwanke erklärte in unserer Sendung, zwei der bedeutendsten Faktoren im Kampf gegen die Klimaerwärmung seien der Zugang zu Bildung sowie die Stärkung der Frauenrechte. Diese Faktoren nämlich, so Schwanke, nehmen Einfluss auf die Weltbevölkerungszahl und damit in zweiter Linie auf die CO2-Emissionen. Auch hier bitten wir den Geowissenschaftler Stephan Pfahl um seine Einschätzung:

"Bei der Frage zu den wirksamsten Maßnahmen gegen den Klimawandel, insbesondere auch im Kontext der globalen Bevölkerungszunahme, spielen neben naturwissenschaftlichen auch politische und ethische Aspekte eine Rolle. Basierend auf Szenarienrechnungen für die zukünftige Klimaentwicklung mit Computermodellen wissen wir aber, dass zur Vermeidung von einschneidenden Konsequenzen einer fortschreitenden globalen Erwärmung die Treibhausgasemissionen sehr schnell stark herabgesetzt und in nicht allzu ferner Zukunft auf nahezu null reduziert werden müssen. In diesem Fall würde die Bevölkerungszunahme nicht mehr so stark ins Gewicht fallen, da auch pro Kopf keine Emissionen mehr entstehen dürften. Eine solche vollständige Vermeidung von Emissionen, verbunden zum Beispiel mit der kompletten Ablösung von fossilen Brennstoffen durch andere Technologien, lässt sich nicht durch eine einzelne Maßnahme erreichen, sondern erfordert Anpassungen in allen relevanten Bereichen."

Sobald also die Treibhausgasemissionen durch die entsprechenden Maßnahmen erst einmal minimiert sind, fällt die globale Überbevölkerung bei Klimafragen kaum noch ins Gewicht. Kohlendioxid (CO2), das Menschen oder Tiere ausatmen, trägt übrigens nicht zum Klimawandel bei, da es Teil des natürlichen Kohlenstoff-Kreislaufes ist.

Fazit: In unserer Sendung wurde kontrovers über die Klimaerwärmung und ihre Ursachen diskutiert. Einer unserer Zuschauer nannte eine Studie, wonach CO2-Emissionen nicht ursächlich seien für den Temperaturanstieg. ARD-Wettermoderator Karsten Schwanke widersprach. Außerdem erklärte er, die wirkungsvollste Maßnahme zum Schutz des Klimas sei nach aktuellen Erkenntnissen der Zugang zu Bildung und die Stärkung der Frauenrechte. Tatsächlich gibt es Studien, die den von Klimatologen allgemein anerkannten Treibhauseffekt negieren. Diese basieren jedoch auf dem Ansatz der Thermodynamik, der nach allgemeinem Konsens in der Frage des Treibhauseffektes nicht anwendbar ist. Die Bevölkerungszahl der Erde hingegen spielt bei der Klimaerwärmung tatsächlich eine Rolle. Aktuelle Erkenntnisse zeigen aber, dass Treibhausgasemissionen ohnehin durch schnelle Maßnahmen minimiert werden müssen, um gravierendere Klimaentwicklungen noch aufzuhalten. Wenn die Treibhausgasemissionen erst einmal deutlich zurückgegangen sind, spielt die Überbevölkerung in Klimafragen kaum noch eine Rolle.

Autoren: Tim Berressem, Carol Pfeffer, Aaron Pommerening

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