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Attacke auf die Reichen: Beschimpfen, besteuern, enteignen?

PlayHausfassade mit Protestbändern
Attacke auf die Reichen: Beschimpfen, besteuern, enteignen? | Video verfügbar bis 07.03.2020 | Bild: dpa / Christoph Soeder

Egoistisch, rücksichtslos und gierig – so sehen laut einer aktuellen Umfrage mehr als die Hälfte der Deutschen ihre reichen Mitbürger. Ist es also kein Zufall, dass viele Politiker und Aktivisten die Zeit gekommen sehen für eine größere Umverteilung von oben nach unten? Die SPD will zur Finanzierung ihre Sozialstaatsreformen hohe Einkommen und Vermögen stärker besteuern. Noch radikaler klingt die Forderung nach der Enteignung großer Wohnungskonzerne, die eine Berliner Initiative in einem Volksbegehren anstrebt. Warum haben Reiche einen so schlechten Ruf? Muss Reichtum umverteilt werden, um den sozialen Frieden zu sichern? Könnte es wirklich zu Enteignungen kommen?

Kevin Kühnert, SPD (Juso-Vorsitzender)

Kevin Kühnert
Kevin Kühnert | Bild: WDR / Max Kohr

Einen höheren Spitzensteuersatz, höhere Erbschaftssteuer und eine spezielle Reichensteuer – mit diesen Maßnahmen will der Juso-Chef das milliardenschwere Paket der SPD zur "Erneuerung des Sozialstaats" finanzieren, an dem er maßgeblich mitgearbeitet hat. Die Sozialdemokraten fordern eine Grundrente, die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro und die Abkehr von Hartz IV. Kritik vom Koalitionspartner, der Union, es handele sich hier um einen "strammen Linksruck", lässt Kevin Kühnert nicht gelten: "Während CDU und CSU für die oberen zehn Prozent in die Schlacht ziehen, arbeitet die SPD an sozialer Sicherheit."

Werner Mang (Schönheitschirurg)

Werner Mang
Werner Mang | Bild: WDR / Max Kohr

"Das ist eine groteske Entwicklung in diesem Land", kritisiert Deutschlands bekanntester Schönheitschirurg die politischen Attacken auf die Wohlhabenden. "Die linke Szene lebt doch von den Steuergeldern, die wir Reiche bezahlen. Wenn wir uns vom Leistungsprinzip verabschieden, gehen in Deutschland die Lichter aus!" Werner Mang wurde als plastischer Chirurg und mit Immobilieninvestitionen zum Millionär. "First-Class-Flüge, Ferrari, einen Helikopter: Ich zeige meinen Reichtum gerne, habe dafür aber auch hart gearbeitet."

Marie-Christine Ostermann (Unternehmerin)

Marie-Christine Ostermann
Marie-Christine Ostermann | Bild: WDR / Max Kohr

"Wenn die Hemmschwelle einmal überwunden ist, drohen bald auch Enteignungen von Privateigentümern." Die nordrhein-westfälische Unternehmerin warnt vor Plänen zur Enteignungen großer Wohnungskonzerne. Generell hält die Inhaberin eines Großhandelsunternehmens nichts von einer Umverteilung von oben nach unten: "Arme Menschen werden nicht reicher, wenn man den Reichen noch mehr wegnimmt." Sie sei eine "überzeugte Kapitalistin", erklärt das Präsidiumsmitglied vom Verband der Familienunternehmer. Der Kapitalismus habe in Deutschland zu sehr viel Wohlstand geführt.

Michael Prütz (Mietaktivist)

Michael Prütz
Michael Prütz | Bild: WDR / Max Kohr

Der Berliner Mietaktivist ist Sprecher des Volksbegehrens, das Immobilienunternehmen enteignen lassen will, die in Berlin mehr als 3000 Wohnungen besitzen. "Das sind die Wohnungen, die verschiedene Landesregierungen an internationale Raubritter verscherbelt haben", sagt der 66-jährige Kreuzberger. Die Großkonzerne hätten eine Geschäftspolitik, die darauf abziele, die Leute auszupressen wie Zitronen. Gleichzeitig würden sie aber nichts für den Unterhalt der Wohnungen tun, kritisiert Michael Prütz.

Rainer Hank (Wirtschaftspublizist)

Rainer Hank
Rainer Hank | Bild: WDR / Max Kohr

"Was gibt es daran auszusetzen, wenn man zu Geld kommt – ohne ein Verbrechen zu begehen?" Der Wirtschaftsjournalist verteidigt die Wohlhabenden gegen wachsende Kritik. "In Deutschland finanzieren bereits die reichsten zehn Prozent mit ihren Steuern einen Löwenanteil des Sozialstaats", hebt Rainer Hank hervor. Besonders kritisch sieht der langjährige Wirtschaftschef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Pläne, Immobilienkonzerne zu enteignen: "Nur weil Menschen mit den Mietpreisen unzufrieden sind, können wir nicht die Grundpfeiler der sozialen Marktwirtschaft umstoßen." Dies sei, so Hank, der Weg in den Sozialismus.

Ulrike Herrmann (Journalistin)

Ulrike Herrmann
Ulrike Herrmann  | Bild: WDR / Max Kohr

Die Wirtschaftsredakteurin der "taz" plädiert für höhere Steuern auf große Einkommen und Vermögen: "Weil der Spitzensteuersatz gesenkt wurde, gehen dem Staat jährlich 60 Milliarden verloren. Man kann nicht die Reichen beschenken und sich hinterher wundern, dass kein Geld in der Kasse ist." Gleichzeitig komme das  Wirtschaftswachstum bei den Arbeitnehmern nicht an. Seit der Finanzkrise 2008 habe sich die Stimmung gegen die Reichen gedreht, sagt Ulrike Herrmann: "Die Fehler wurden nicht bestraft, und viele haben sich bereichert – das führte zu einer wirklichen Enttäuschung in der Bevölkerung."

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