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Bayern wählt, Berlin zittert: Droht ein politisches Beben?

PlayHorst Seehofer und Markus Söder
Bayern wählt, Berlin zittert: Droht ein politisches Beben? | Video verfügbar bis 11.10.2019 | Bild: dpa

Ganz Deutschland schaut diesen Sonntag gebannt nach Bayern. Denn dort droht der früher allmächtigen CSU eine gewaltige Klatsche an den Wahlurnen. Der ARD-Deutschlandtrend sieht die Christsozialen nur noch bei mageren 33 Prozent. Sogar eine Landesregierung ohne CSU wäre dann möglich. Doch auch in Berlin könnten die politischen Verhältnisse ins Rutschen kommen. Welche Folgen hätte ein miserables Ergebnis für die CSU? Wer würde die Verantwortung tragen – Seehofer, Söder oder auch Merkel? Wird die Landtagswahl auch zu einer Abstimmung über die GroKo im Bund?

Die Gäste:

Urban Priol (Kabarettist)

Urban Priol
Urban Priol | Bild: WDR / Max Kohr

Am Parteinamen "CSU" stimme nichts mehr, sagt der Kabarettist ("Neues aus der Anstalt"): "Christlich ist schon mal weg, sozial ist weg. Sie müssten also sagen: Wir sind die U." Die Partei habe das Hase-und-Igel-Prinzip nicht verstanden, denn "wo immer sie nach rechts hin will, steht schon die AfD und sagt: 'Das haben wir doch schon seit Wochen gesagt.'" Vor allem Horst Seehofer sei mittlerweile so unberechenbar, "dass er schon leicht Trump’sche Züge annimmt", fügt Urban Priol hinzu.

Joseph Hannesschläger (Schauspieler, "Die Rosenheim-Cops")

Joseph Hannesschläger
Joseph Hannesschläger | Bild: WDR / Max Kohr

Der Serienstar warnt vor einem Erstarken der Rechtspopulisten in Bayern. Die CSU habe dem bisher nichts entgegensetzen können. Auch mit dem Auftreten des Ministerpräsidenten ist der Schauspieler unzufrieden: "Markus Söder ist kein charismatischer Landesvater und sollte bei einer Wahlschlappe zurücktreten." Für den bekennenden SPD-Wähler verharrt die CSU immer noch in alter Selbstherrlichkeit. Der Münchner empfiehlt ihr deshalb eine Koalition mit den Grünen: "Das würde die Christsozialen zwingen, sich mit der Realität auseinanderzusetzen."

Claudia Jung (Schlagersängerin und ehem. bayerische Landtagsabgeordnete)

Claudia Jung
Claudia Jung | Bild: WDR / Max Kohr

"Bayern ist schon lange nicht mehr die CSU", sagt die Musikerin. "Viele aus dem feindlichen Preußen Zugezogene bringen eine andere Mentalität mit, und auch die junge Generation der Bayern tickt anders." Die gebürtige Rheinländerin lebt seit 25 Jahren im Freistaat und saß von 2008 bis 2013 für die Freien Wähler im Bayerischen Landtag. Sie erlebte dort, so die Schlagersängerin, "dass man gegen die CSU keine Chance hat". Heute engagiert sich Claudia Jung in der Kommunalpolitik und hofft auf einen Regierungswechsel.

Hans Rudolf Wöhrl (Unternehmer)

Hans Rudolf Wöhrl
Hans Rudolf Wöhrl | Bild: WDR / Max Kohr

"Ich kenne Markus Söder seit Jahren persönlich und halte ihn für einen sehr guten Ministerpräsidenten." Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl sieht dem Ende der absoluten Mehrheit für die CSU mit Sorge entgegen: "Mir ist eine Ein-Parteien-Landschaft lieber als jede Koalition!" Den Hauptgrund für die Unzufriedenheit der Wähler sieht der Luftfahrtunternehmer vor allem in der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Robin Alexander (Journalist)

Robin Alexander
Robin Alexander | Bild: WDR / Max Kohr

Der Chefreporter der "Welt" ist gespannt, welche bundespolitischen Auswirkungen die Landtagswahl haben wird, vor allem für Angela Merkel. Denn auch wenn Horst Seehofer nach der Wahl gehen müsste, könnte sein CSU-Nachfolger der Bundeskanzlerin das Leben noch schwerer machen, so der Hauptstadtjournalist. Die überraschende Revolte in der Fraktion bei der Wahl des neuen Fraktionschefs Ralph Brinkhaus zeige, dass die Kanzlerin jetzt um ihre Autorität in der Union ringe. "Angela Merkel ist mittlerweile eine Kanzlerin ohne Fortune", sagt Robin Alexander. Bereits beim CDU-Parteitag im Dezember könne es zur entscheidenden Machtprobe kommen.

Jörg Schönenborn (ARD-Wahlmoderator und WDR-Programmdirektor) 

Jörg Schönenborn
Jörg Schönenborn | Bild: WDR / Melanie Grande

Seit 20 Jahren analysiert der Journalist in der ARD die Zahlen bei den Landtags- und Bundestagswahlen. Die schlechten Werte für die Christsozialen in der jüngsten Umfrage des ARD-Deutschlandtrend lägen daran, so Jörg Schönenborn, dass die CSU als Partei wahrgenommen werde, "die immer den Streit sucht". Der WDR-Fernsehdirektor erwartet dennoch keinen Rechtsruck bei der Landtagswahl: "Die AfD wird im Vergleich zur Bundesebene verlieren." Der Trend gehe in Bayern eher zu den Grünen. Der ARD-Wahlmoderator warnt zudem davor, die AfD-Wähler in die rechte Schublade zu stecken: "Die Entscheidung, sich von den bürgerlichen Parteien abzuwenden, ist ein Notruf, der gehört werden muss."

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