SENDETERMIN Mi, 13.03.19 | 23:00 Uhr | Das Erste

Das Brexit-Drama: Kann das Chaos noch verhindert werden?

PlayAnti-Brexit-Demonstration
Das Brexit-Drama: Kann das Chaos noch verhindert werden? | Video verfügbar bis 14.03.2020 | Bild: dpa / Stephen Chung

Es ist eine politische Katastrophe mit Ansage: Auch die zweite Abstimmung im britischen Unterhaus über den mühsam verhandelten Deal mit der EU ging krachend verloren. Zwei Wochen vor einem drohenden harten Ausstieg Großbritanniens aus der EU steht Premierministerin Theresa May vor den Trümmern ihrer Politik. Im Londoner Parlament scheint es für keine Lösung eine Mehrheit zu geben. Jetzt soll das Austrittsdatum verschoben werden. Aber spielen da die 27 EU-Länder mit? Oder kommt Ende des Monats der harte Brexit? Welche Auswirkungen hätte ein ungeordneter Austritt für die deutsche Wirtschaft? Was würde das vor den EU-Wahlen für Europa bedeuten?

Jean Asselborn (Außenminister Luxemburg)

Jean Asselborn
Jean Asselborn | Bild: WDR / Max Kohr

"Eigentlich hat Theresa May am Dienstag den Dirigentenstab an das Parlament abgegeben", sagt der sozialdemokratische Spitzenpolitiker aus Luxemburg. Daraus könne eine neue Chance entstehen, dass die zwei großen Parteien aufeinander zugehen und sich auf einen "Brexit-Light" einigen, bei dem Großbritannien in der Zollunion bliebe. Auf weitere Forderungen der Briten, so Jean Asselborn, werde sich die EU nicht einlassen: "Wir haben alles gegeben, was wir geben konnten." Zu einer Verlängerung der Frist könne es nur kommen, wenn etwas Greifbares dahinterstehe, erklärt der luxemburgische Außenminister.

Jörg Meuthen, AfD (Parteivorsitzender)

Jörg Meuthen
Jörg Meuthen | Bild: WDR / Max Kohr

Wenn es zu einem harten Brexit käme, wären die Eliten der Europäischen Union verantwortlich dafür, erklärt der AfD-Spitzenkandidat für die Europa-Wahl. "Die EU hat den Briten sehr stark Druck gemacht, um den Ausstieg so unattraktiv wie nur möglich zu gestalten, denn man fürchtet natürlich, dass weitere dem Beispiel folgen könnten", sagt Jörg Meuthen. Der AfD-Parteivorsitzende fordert eine grundlegende Reform der Europäischen Union und droht mit einer Volksabstimmung zum Austritt Deutschlands aus der EU.

Anja Kohl (ARD-Börsenexpertin)

Anja Kohl
Anja Kohl | Bild: WDR / Max Kohr

Die ARD-Börsenexpertin rechnet mit einem harten Brexit. "Die ökonomischen Folgen wären für Großbritannien eine Katastrophe und noch deutlich schlimmer als nach der Finanzkrise 2008", prognostiziert Anja Kohl. Lebensmittel würden sich verteuern, Immobilienpreise fallen, das Pfund würde noch tiefer abstürzen. Auch für deutsche Unternehmen wird Großbritannien als Produktionsstandort nicht mehr attraktiv sein. Besonders die deutsche Automobilindustrie würde unter einem harten Brexit leiden, sagt die Wirtschaftsjournalistin.

Rolf-Dieter Krause (ehem. ARD-Studioleiter Brüssel)

Rolf-Dieter Krause
Rolf-Dieter Krause | Bild: WDR / Max Kohr

"Die EU kann England nicht noch weiter entgegen kommen", sagt der langjährige ARD-Korrespondent in Brüssel. Die Europäische Union könne ja nicht einfach ihre Identität an der Garderobe abgeben, um den Briten zu gefallen. Der Journalist wirft der britischen Regierung vor, dass sie den Kontinentaleuropäern nach dem Brexit unfaire Konkurrenz machen wollten. Zudem warnt Rolf-Dieter Krause vor einem Auseinanderbrechen der EU: "Als Einzelstaaten werden wir in der globalisierten Welt nicht bestehen."

Anthony Glees (britischer Politikwissenschaftler)

Anthony Glees
Anthony Glees | Bild: WDR / Max Kohr

Der Politikwissenschaftler befürchtet eine gesellschaftliche und politische Spaltung seines Landes und forderte ein Machtwort von Queen Elizabeth II. "Sie sollte sagen: Wir müssen so lange in der EU bleiben, bis wir einen vernünftigen Brexit hinbekommen." Der Geheimdienstexperte und ehemalige Sicherheitsberater des Innenministeriums warnt davor, dass ein Populist wie Boris Johnson Premierminister werden und der Konflikt in Nordirland mit einer neu erstarkenden IRA wieder aufflammen könnte.

Dirk Schümer (Europakorrespondent der "Welt")

Dirk Schümer
Dirk Schümer | Bild: WDR / Max Kohr

"Großbritanniens Politik wurde durch das fatale Referendum des längst abgetretenen Premierministers David Cameron in eine ausweglose Lage manövriert", sagt der Journalist. Egal, welche Lösung nun gefunden werde – das Grundproblem bliebe vorhanden: die mangelnde Akzeptanz der EU bei den Bürgern auf dem ganzen Kontinent. Die größte Gefahr sieht Dirk Schümer darin, dass Brüssel aus dem Brexit-Chaos den Schluss ziehe, dass eine weitere Zentralisierung Europa vonnöten sei. Stattdessen, so der Europakorrespondent der "Welt", müsse die Politik die Ängste vor unkontrollierter Migration oder vor Verarmung durch den Euro ernst nehmen.

46 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.