SENDETERMIN Do, 06.12.18 | 03:25 Uhr | Das Erste

Der Dreikampf des Jahres: Wer übernimmt Merkels Thron?

PlayDrei Kandidaten für die Nachfolge von Angela Merkel: v.l.n.r. Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn.
Der Dreikampf des Jahres: Wer übernimmt Merkels Thron? | Video verfügbar bis 06.12.2019 | Bild: WDR

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer oder Jens Spahn – das ist die spannendste politische Frage in diesen Tagen. Am Freitag entscheidet der CDU-Parteitag in Hamburg über die Nachfolge Angela Merkels an der Parteispitze. Laut Umfragen scheint es auf ein Duell Merz-AKK hinaus zu laufen. Viele Kommentatoren sehen in der Abstimmung eine Richtungsentscheidung: Bleibt es unter Kramp-Karrenbauer beim Kurs der Mitte, auf den die Kanzlerin ihre Partei getrimmt hat, oder wird die CDU unter Friedrich Merz wieder konservativer und wirtschaftsliberaler? Wie lange kann sich Angela Merkel noch als Kanzlerin halten? Und stehen Deutschland bald Neuwahlen bevor?

Die Gäste:

Norbert Blüm, CDU (ehem. Bundesarbeitsminister)

Norbert Blüm, CDU (ehem. Bundesarbeitsminister)
Norbert Blüm, CDU | Bild: WDR / Max Kohr

Der langjährige Bundesarbeitsminister spricht sich offen für Annegret Kramp-Karrenbauer als neue CDU-Parteichefin aus. "Merz ist ein Neoliberaler, ein Mann der großen Geldwirtschaft", erklärt Norbert Blüm, der seit langem als das "soziale Gewissen der CDU" gilt. "Übernimmt Merz den Parteivorsitz, werde die SPD Dank-Gottesdienste abhalten", glaubt der erklärte Fan von Angela Merkel. Der frühere CDU-Spitzenpolitiker ist überzeugt: "Wir werden uns noch nach einer Kanzlerin Merkel zurücksehnen."

Kristina Schröder, CDU (ehem. Bundesfamilienministerin)

Kristina Schröder, CDU (ehem. Bundesfamilienministerin)
Kristina Schröder, CDU  | Bild: WDR / Max Kohr

Die ehemalige Bundesministerin gehört zu den 1001 Delegierten, die am Freitag in Hamburg über den Parteivorsitz entscheiden werden. Sie teilt die Kritik von Friedrich Merz an der CDU-Strategie gegenüber der AfD. "Merz hat Recht: Die CDU nahm das Erstarken der Rechten bereitwillig in Kauf", sagt Kristina Schröder und ergänzt: "Die CDU darf rechts keinen Platz für die AfD lassen." Die Christdemokraten müssten ihre konservativen und liberalen Wurzeln wieder stärker betonen: "Weniger Multikulti, mehr Leitkultur", fordert die hessische CDU-Politikerin, die von 2009 bis 2013 Bundesfamilienministerin war. 

Gabor Steingart (Journalist und Autor)

Gabor Steingart
Gabor Steingart (Journalist und Autor) | Bild: WDR / Max Kohr

"Die CDU müsste verrückt sein, wenn sie ihren verlorenen Sohn erneut in die Wüste schickte", kommentiert der ehemalige "Handelsblatt"-Chefredakteur die Kandidatur von Friedrich Merz. Dem ehemaligen Unions-Fraktionschef gebühre Respekt für seine beruflichen Leistungen und keine kleinliche Kritik. Vor der aktuellen Generalsekretärin warnt der Journalist ("Steingarts Morning Briefing"): "Sie hat keine politischen Ideen und würde die AfD groß machen." Gabor Steingart ist überzeugt, dass Angela Merkel nach dem Parteitag Konsequenzen ziehen muss: "Die Kanzlerin kann nicht bis zum letzten Tag im Amt bleiben – egal, wer gewinnt."

Melanie Amann ("Spiegel"-Redakteurin)

Melanie Amann ("Spiegel"-Redakteurin)
Melanie Amann  | Bild: WDR / Max Kohr

"Der Rückhalt für Angela Merkel in der CDU ist größer, als es oft scheint", so die Einschätzung der Journalistin. Aus diesem Grund sei es alles andere als sicher, dass Friedrich Merz, der "Anti-Merkel" das Rennen um den Parteivorsitz mache. "Viele in der Partei wissen, dass Angela Merkel die CDU aus der bürgerlich-konservativen Nische geholt und ganz neue Wählergruppen erschlossen hat", sagt die Redakteurin des "Spiegel"-Hauptstadtbüros.

Werner Patzelt (Politikwissenschaftler)

Werner Patzelt (Politikwissenschaftler)
Werner Patzelt  | Bild: WDR / Max Kohr

Der Dresdner Politikwissenschaftler rechnet mit einem Sieg von Annegret Kramp-Karrenbauer, weil Spahn Merz auf der rechten Seite der Partei entscheidende Stimmen wegnehmen werde. Die Konsequenz wäre: "Die CDU macht die AfD auf Dauer zu einer Partei rechts von ihr. Denn AKK als 'Merkel II' könnte kaum AfD-Wähler zurückholen", glaubt Werner Patzelt. Das würde sich im nächsten Jahr bei den ostdeutschen Landtagswahlen zeigen. "Dort wären Merz oder Spahn wesentlich näher an dem, was zur AfD abgewanderte CDU-Wähler von ihrer früheren Partei erwarten."

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