SENDETERMIN Mi, 19.09.18 | 22:45 Uhr | Das Erste

Der Plastikfluch: billig, praktisch, gefährlich

PlayPlastikmüll am Strand
Sendung vom 19. September 2018: Der Plastikfluch: billig, praktisch, gefährlich | Video verfügbar bis 19.09.2019 | Bild: dpa

Ein Wal in Thailand stirbt an acht Kilo Plastik im Magen. Hunderte Helfer versuchen verzweifelt einen Traumstrand in der Dominikanischen Republik von tausend Tonnen Abfall zu befreien. Diese Bilder der verheerenden Folgen von Plastikmüll in den Meeren sorgten im Sommer weltweit für Entsetzen. Mittlerweile reagiert die Politik. Die EU-Kommission will Verbote von Plastikstrohhalmen und Einweggeschirr in Europa durchsetzen. In Deutschland wird über eine Plastiksteuer diskutiert. Warum verbrauchen wir so viel Plastik? Was können Politik und Wirtschaft, was können die Verbraucher tun, um den Abfall zu reduzieren? Wie bedenklich ist Mikroplastik in Kosmetika oder in Mineralwasser für Umwelt und für Menschen?

Hannes Jaenicke (Schauspieler und Umweltaktivist)

Hannes Jaenicke
Hannes Jaenicke | Bild: WDR / Max Kohr

"Plastik ist die Pest des 21. Jahrhunderts. Wir zerstören in unserem Konsum- und Wegwerfrausch unsere Lebensgrundlage", beklagt der Schauspieler, der selbst an Stränden Plastikmüll einsammelt. Einer der Hauptverursacher sei die Industrie, denn sie sei "nur auf Rendite gedrillt, die Umwelt ist ihr völlig egal, sonst wäre nicht jedes Miniprodukt in Plastik eingeschweißt", sagt Hannes Jaenicke. Der deutschen Politik wirft er Untätigkeit vor und fordert ein Komplettverbot von PET-Flaschen und eine Steuer auf Plastikprodukte.

Ranga Yogeshwar (ARD-Wissenschaftsmoderator)

Ranga Yogeshwar
Ranga Yogeshwar | Bild: WDR / Max Kohr

Der Journalist beobachtete bei Expeditionen die fatalen Folgen von Plastikmüll auf die Natur. "An der Westküste Costa Ricas sah ich, wie unser Abfall den letzten verbleibenden Lederschildkröten den Garaus macht", berichtet der "Quarks"-Moderator. Dennoch kann sich auch Ranga Yogeshwar ein Leben ohne Plastik nicht vorstellen: "Plastik erleichtert uns das Leben. Wir müssen aber schnell lernen, sinnvoll damit umzugehen", mahnt der Physiker.

Ursula Heinen-Esser, CDU (nordrhein-westfälische Umweltministerin)

Ursula Heinen-Esser
Ursula Heinen-Esser | Bild: WDR / Max Kohr

Die CDU-Politikerin sieht den hohen Plastikverbrauch in Deutschland kritisch und nimmt hier insbesondere die Wirtschaft und den Handel in die Pflicht. Aber auch die Bürger sollten prüfen, wo sie Ressourcen schonen oder wiederverwerten können, mahnt die Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen. Schärfere politische Maßnahmen lehnt Ursula Heinen-Esser jedoch ab: "Ich bezweifle, dass Verbote von Produkten und Strafzahlungen die richtigen Mittel sind, um Verhaltensänderungen zu bewirken."

Rüdiger Baunemann (Hauptgeschäftsführer PlasticsEurope Deutschland)

Rüdiger Baunemann
Rüdiger Baunemann | Bild: WDR / Max Kohr

Der Cheflobbyist der Kunststoffindustrie lobt den Einsatz von Plastik und hält nichts von den geplanten Verboten der EU-Kommission. "Dabei liefert die Industrie nur, was der Verbraucher nachfragt", sagt der Deutschland-Chef von PlasticsEurope, dem Verband der Kunststoff-Erzeuger. In vielen Bereichen seien Kunststoffe Teil der Lösung und nicht Teil des Problems. "Plastik macht Flugzeuge und Autos leichter und spart Treibstoff. Lebensmittel werden geschützt und länger haltbar gemacht, in der Medizin ist dieser Werkstoff nicht wegzudenken", unterstreicht Rüdiger Baunemann.

Kerstin Etzenbach-Effers (Verbraucherschutzzentrale NRW)

Kerstin Etzenbach-Effers
Kerstin Etzenbach-Effers | Bild: WDR / Max Kohr

Die Expertin von der Verbraucherschutzzentrale NRW erklärt, warum wir heute viel mehr Plastik verbrauchen als früher. "Die Industrie macht es einem nicht leicht, auf Plastik zu verzichten", prangert Kerstin Etzenbach-Effers an. Daher fordert die Verbraucherschützerin klare Gesetze und Regelungen für Plastikverpackungen: "Die freiwilligen Richtlinien und Zielvorgaben der Wirtschaft reichen hier nicht mehr aus." Die Chemikerin warnt außerdem vor Mikroplastik in Kosmetikprodukten, das für Konsumenten nicht erkennbar sind: "Verbraucher rechnen nicht damit, dass sie sich gerade Plastik auf die Haut schmieren."

Prof. Dr. Gilbert Schönfelder (Mediziner und Toxikologe)

Gilbert Schönfelder
Gilbert Schönfelder | Bild: WDR / Max Kohr

Der Arzt und Toxikologe der Berliner Charité geht der Frage nach, wie gesundheitsgefährdend Kunststoffe wie Mikroplastik oder Weichmacher für die Menschen sind. Als Abteilungsleiter des Bundesinstituts für Risikobewertung kennt er die Zulassungsverfahren von Lebensmitteln und die Wirkung von Plastik auf den Menschen. Gilbert Schönfelder mahnt jedoch an, dass es noch weiterer Forschung bedarf: "Gefahren durch Mikroplastik können bestehen, doch für eine echte Risikobewertung braucht es mehr und bessere Daten." 

43 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.