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Die Mietenexplosion: Wird Wohnen unbezahlbar?

PlayDemonstration gegen zu hohe Mieten
Die Mietenexplosion: Wird Wohnen unbezahlbar? | Video verfügbar bis 13.09.2019 | Bild: dpa

Rentner müssen nach Jahrzehnten ihre Wohnung verlassen. Familien mit Kindern finden keine Bleibe. Investoren kaufen Wohnungen als Geldanlage und lassen sie leer stehen. Kaum etwas beschäftigt die Deutschen so sehr wie die Frage nach bezahlbarem Wohnraum. Die Sorge geht quer durch alle sozialen Schichten, nicht nur in Großstädten: Wie lange kann ich mir meine Wohnung noch leisten? Wird ein Grundrecht wie Wohnen immer mehr zu einem Luxusgut? Gehen politische Maßnahmen wie die von der Großen Koalition beschlossene Verschärfung der Mietpreisbremse nicht weit genug? Könnte die aktuelle Forderung der SPD-Spitze nach einem Mietenstopp für fünf Jahre den Mietern helfen? Oder verprellen solche Eingriffe private Bauunternehmer?

Malu Dreyer, SPD (Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz)

Malu Dreyer
Malu Dreyer | Bild: WDR / Dirk Borm

"Grundstückspreise und Mieten schnellen in die Höhe", beklagt die stellvertretende SPD-Vorsitzende. Mit einem 12-Punkte-Plan will ihre Partei nun gegen steigende Wohnkosten vorgehen und fordert einen "Mietenstopp, um die Preisspirale zu unterbrechen". Mieter sollen besser geschützt und die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen beschränkt werden. Der Kauf von Wohnraum als reines Gewinngeschäft soll höher besteuert werden. Mit den gerade vorgestellten Forderungen geht die SPD deutlich über die Vereinbarungen mit der Union im Koalitionsvertrag hinaus.

Karin Jünke (Rentnerin)

Karin Jünke
Karin Jünke | Bild: WDR / Dirk Borm

"Mein ganzes Leben hat sich in diesem Haus abgespielt", berichtet die frühere Sekretärin. 70 Jahre lang lebte Karin Jünke in der Wohnung im beliebten Münchner Stadtteil Schwabing. Nach dem Tod Ihres Mannes versicherte ihr der Vermieter: "Sie bekommen keine Mieterhöhung, wir sind doch keine Unmenschen." Doch nachdem der Eigentümer die Immobilie an seinen Enkel übergeben hatte, sollte die Miete auf das Doppelte steigen, unter anderem wegen einer energiesparenden Modernisierung. Die Rentnerin musste ihre Wohnung aufgeben und an den Stadtrand ziehen.

Christoph Gröner (Bauunternehmer)

Christoph Gröner
Christoph Gröner | Bild: WDR / Dirk Borm

"Die Politik verhindert durch zu viele Verordnungen und enorme Hürden, dass mehr gebaut wird", beklagt Christoph Gröner, der mit seiner Firma als einer der größten Immobilien-Entwickler Deutschlands gilt. "Daher bin ich gezwungen, viele teure Wohnungen zu bauen, um damit wenige preiswerte zu finanzieren." Der Unternehmer fordert Städte und Kommunen dazu auf, Bauflächen schneller freizugeben und verlangt von der Politik, dass Baurecht zu vereinfachen und Fristen zu verkürzen. Dann könne man doppelt so schnell und zum halben Preis bauen.

Florian Schmidt, B’90/Grüne (Baustadtrat Berlin-Kreuzberg)

Florian Schmidt
Florian Schmidt | Bild: WDR / Dirk Borm

"Städte dürfen nicht zu Reichenghettos verkommen", warnt der Grünen-Politiker, der im Berliner Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain Immobilieninvestoren den Kampf angesagt hat. Diese seien ausschließlich auf Profit aus, kritisiert der "Robin Hood der Mieter" ("SZ"). Auch den Unternehmer Christoph Gröner zählt Florian Schmidt dazu: "Gröner will Luxushäuser für die Reichen errichten. Das unterstützen wir nicht." Mit einem Vorkaufsrecht der Stadt auf Immobilien will er alteingesessene Mieter schützen.

Anja Franz (Mieterverein München)

Anja Franz
Anja Franz | Bild: WDR / Dirk Borm

Die Münchner Rechtsanwältin kennt die Probleme auf dem hart umkämpften Wohnungsmarkt ihrer Heimatstadt. Dramatische Mieterhöhungen nach Modernisierungen seien keine Seltenheit und bezahlbarer Wohnraum werde immer seltener, sagt Anja Franz. "Das Problem betrifft längst nicht mehr nur Geringverdiener und  kinderreiche Familien, sondern ist schon in der oberen Mittelschicht angekommen", berichtet die Pressesprecherin des Münchner Mietervereins. In der Sendung erläutert sie die Rechte von Mietern und Vermietern.

Ursula Weidenfeld (Journalistin)

Ursula Weidenfeld
Ursula Weidenfeld | Bild: WDR / Dirk Borm

Die Wirtschaftsjournalistin hält die politischen Maßnahmen zur Linderung der Wohnungsnot für weitgehend ungeeignet. Beispielsweise verleite die Mietpreisbremse Investoren dazu, lieber an anderen Orten zu bauen als in Städten, die dieses Instrument nutzen. "Bauvorschriften, Steuern und komplizierte Verfahren machen das Bauen so teuer, dass kaum noch Wohnraum für weniger Wohlhabende geschaffen wird", glaubt die renommierte Kolumnistin.

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