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Die Schicksalswahl: Ist Europa wirklich in Gefahr?

PlayMaischberger Die Schicksalswahl - ist Europa wirklich in Gefahr?
Die Schicksalswahl: Ist Europa wirklich in Gefahr? | Video verfügbar bis 15.05.2020 | Bild: WDR

"Endspiel um Europa" – für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron war Europa seit dem 2. Weltkrieg "noch nie in so großer Gefahr". Auch wenn diese Ängste auf den ersten Blick übertrieben erscheinen, könnte die Europawahl Brüssel und Berlin erschüttern. Welche Folgen hätte ein schlechtes Ergebnis von Union und SPD für die Große Koalition? Triumphieren die Populisten und bringen die EU-Institutionen ins Wanken? Oder bringt die Wahl den Durchbruch für dringend notwendige Reformen der Europäischen Union?

Sarah Wiener (TV-Köchin und Grünen-Kandidatin)

Sarah Wiener
Sarah Wiener | Bild: WDR / Max Kohr

Ob der Einsatz für ökologische Landwirtschaft oder die Bekämpfung des Rechtspopulismus – für die TV-Köchin gibt es Gründe genug, jetzt für die österreichischen Grünen bei der Europawahl anzutreten. Die Politik der EU sollte nicht nur von Berufspolitikern gestaltet werden, meint die Unternehmerin, "da tun ein paar unabhängige Querköpfe wie ich nicht schlecht". Als EU-Parlamentarierin werde sie "Europa bewahren, aber sich auch um die vielen Bürokratie-Hemmnisse im EU-Apparat" kümmern, kündigt Sarah Wiener an.

Udo van Kampen (langjähriger EU-Korrespondent)

Udo van Kampen
Udo van Kampen | Bild: WDR / Max Kohr

Zwei Jahrzehnte lang berichtete der Journalist für das ZDF aus Brüssel. Trotz zahlreicher Krisen der EU sagt er: "Man kann gar nicht genügend auf all die Vorteile der Europäischen Union hinweisen." Es werde viel zu sehr an den kleinen Details von Europa herumgemäkelt, so der ehemalige Korrespondent in Brüssel, das "wirklich Große – Frieden und Wohlstand – wird als normal vorausgesetzt". Linke wie rechte Populisten setzten auf Desinformation. Ihr Ziel sei es, mit falschen Fakten falsche Hoffnungen zu wecken, warnt Udo van Kampen.

Viviane Reding (ehemalige EU-Kommissarin)

Viviane Reding
Viviane Reding | Bild: WDR / Max Kohr

"Europa ist ein Vorbild der Menschheit und das Europäische Parlament eine der demokratischsten und mächtigsten Institutionen der Welt." Viviane Reding gilt als eine der einflussreichsten Politikerinnen in der Geschichte der EU. Sie zog vor 30 Jahren erstmals in das EU-Parlament ein, wurde EU-Kommissarin und stellte sich als Vizepräsidentin der EU-Kommission gegen Ungarns Staatschef Viktor Orbán. "In Polen und Ungarn werden unsere Grundwerte angegriffen, unsere gemeinsame Zukunft steht auf dem Spiel." Die christsoziale Politikerin fordert ein entschiedeneres Vorgehen gegen diese Länder.

Nicola Beer, FDP (Spitzenkandidatin)

Nicola Beer
Nicola Beer | Bild: WDR / Max Kohr

"Die EU ist nicht schnell genug, oft nicht handlungsfähig und mischt sich permanent in das Klein-Klein des Alltags", kritisiert die stellvertretende FDP-Parteivorsitzende. Sie fordert weitreichende Reformen der Europäischen Union, etwa eine Verschlankung der Kommission und einen europäischen Außenminister. Damit will die liberale Spitzenkandidatin für das EU-Parlament vor allem den populistischen Parteien Paroli bieten: "Man darf dem Zerfall der Union nicht einfach zuschauen und die Populisten ungestört auf der Empörungswelle über die Missstände surfen lassen."

Aleksandra Rybińska (polnische Journalistin)

Aleksandra Rybińska
Aleksandra Rybińska | Bild: WDR / Max Kohr

Die Journalistin des polnischen Nachrichtenportals "wPolityce" kritisiert die dominante Rolle Deutschlands in der EU: "Deutschland rettet den Euro. Deutschland rettet Griechenland. Deutschland rettet die Flüchtlinge und dazu noch die Demokratie in Polen." Diese Bevormundung, so Aleksandra Rybińska, führe in ihrem Land dazu, dass der Enthusiasmus für Europa schwinde. "Wir brauchen die EU als Wirtschaftsmacht, aber die Frage ist, ob wir ein politisches Europa brauchen", sagt die konservative Kommentatorin.

Dirk Schümer (Europakorrespondent der "Welt")

Dirk Schümer
Dirk Schümer | Bild: WDR / Max Kohr

"Wenn die EU nicht reformiert wird, kann das der Anfang vom Ende sein", warnt der Journalist. Denn der Nationalstaat werde wieder erstarken, "wenn Europa sich weiter überdehnt, wenn weiter Regionen im Südosten darben". Als besonders ärgerlich kritisiert Dirk Schümer, dass die EU-Politik am Ende meist in den nationalen Hauptstädten gemacht werde: "Die Eurorettung, die Öffnung für Flüchtlinge, die Haltung gegenüber Putins Aggressionen, all diese Felder liefen einzig über den Schreibtisch von Merkel und wurden als Alleingänge nicht in Brüssel koordiniert."

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Westdeutscher Rundfunk
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