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Ernährung als Religion: Kann denn Essen Sünde sein?

PlayFrau fotografiert ihr Essen mit dem Smartphone
Ernährung als Religion: Kann denn Essen Sünde sein? | Video verfügbar bis 03.04.2020 | Bild: dpa / Sophia Kembowski

Intervallfasten, Essen ohne Zucker, Clean Eating: Was oder wie wir essen, ist längst zum Glaubensbekenntnis geworden. Über die richtige Ernährung wird so erbittert gestritten wie über politische Grundüberzeugungen. Ernährungsratgeber führen die Bestsellerlisten an. Immer mehr Menschen glauben, dass sie für ihre Gesundheit ihr Essen umstellen müssen und probieren neue Foodtrends aus. Doch was ist überhaupt gesunde Ernährung? Sind die Produkte der Lebensmittelindustrie gefährlich für uns? Oder macht uns vielmehr die Hysterie um das richtige Essen krank?

Bas Kast (Wissenschaftsjournalist, "Der Ernährungskompass")

Bas Kast
Bas Kast | Bild: WDR / Max Kohr

Als vor Jahren sein Herz beim Joggen streikte, begann der Wissenschaftsautor sich mit dem Thema Ernährung zu beschäftigen. "Das Ziel war klar: Ich wollte mich selbst heilen. Wieder fit werden", sagt Bas Kast. Auf der Suche nach der ultimativen Kost hat der deutsch-niederländische Journalist zwei Jahre lang Tausende von Studien zum Thema Ernährung ausgewertet und sein Ergebnis im Bestseller "Der Ernährungskompass" veröffentlicht. Der 46-Jährige ist überzeugt, dass das richtige Essen gegen Krankheiten und Alterungsprozesse hilft.

Michaela May (Schauspielerin)

Michaela May
Michaela May | Bild: WDR / Max Kohr

"Ich habe in meinem Leben viele Diäten ausprobiert. Die meisten bringen nichts." Die Schauspielerin legt neben ausreichender Bewegung Wert auf eine gute Ernährung: "Frische Lebensmittel sind mir sehr wichtig, biologisch, selbst zubereitet – nicht diesen Mist der Lebensmittelindustrie." Seit einigen Monaten betreibt Michaela May zudem Intervallfasten. "Acht Stunden essen und 16 Stunden pausieren, das tut dem Körper gut. Ich fühle mich gesünder."

Andrea Ballschuh (Fernsehmoderatorin)

Andrea Ballschuh
Andrea Ballschuh | Bild: WDR / Max Kohr

"Ich war zuckersüchtig, bekam davon eine Fettleber und zu hohe Cholesterinwerte", erinnert sich die Fernsehmoderatorin. Vor drei Jahren beschließt die 46-Jährige ihre Sucht zu bekämpfen und verzichtet fast komplett auf Industriezucker. "Seitdem bin ich nicht mehr Sklave meiner eigenen Gelüste und Heißhungerattacken, habe viel mehr Energie. Der Zuckerverzicht hat meine Gesundheit gerettet." Die Buchautorin ("Zucker is(s)t nicht") warnt: "Zucker wirkt wie Alkohol und Drogen" und kritisiert die Lebensmittelindustrie, die das süße Gift in vielen Nahrungsmitteln verstecke.

Susanne Langguth (Lebensmittelverband BLL)

Susanne Langguth
Susanne Langguth | Bild: WDR / Max Kohr

"Ein einzelnes Lebensmittel ist weder gesund noch ungesund. Man sollte es sich schmecken lassen." Susanne Langguth vertritt seit Jahrzehnten die Interessen der Lebensmittelindustrie als Vorstand des BLL (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde). "Was Sie in Supermarktregalen finden, ist zu 100 Prozent sicher", erklärt die Lebensmittelchemikerin. Die ehemalige Direktorin der Südzucker AG kritisiert die "aggressive Debatte" gegen die Lebensmittelwirtschaft, die völlig unbegründet sei: "Wer nur frische Lebensmittel isst, lebt nicht gesünder. Gefrorenes ist im Zweifel sogar besser."

Melodie Michelberger (Influencerin und Autorin)

Melodie Michelberger
Melodie Michelberger | Bild: WDR / Max Kohr

Die erfolgreiche Influencerin wendet sich auf ihrer Instagram-Seite gegen den Schlankheitswahn und wirbt für "Bodypositivity", also sich mit dem eigenen Körper zu identifizieren, so wie er ist. "Heute ist es gesellschaftlich anerkannter, ekelhaften Selleriesaft zum Frühstück zu trinken, als sich zum Mittagessen eine Pasta zu gönnen", beklagt die Aktivistin. Bereits als 11-Jährige beginnt Melodie Michelberger mit Diäten: "Alle haben gefeiert, dass aus dem pummeligen Mädchen auf einmal ein Mädchen mit Untergewicht wurde." Schließlich wird die PR-Beraterin magersüchtig. Es dauert sehr lange, bis die heute 42-Jährige ein normales Verhältnis zum Essen entwickelt.

Dr. Manfred Lütz (Psychiater)

Dr. Manfred Lütz
Dr. Manfred Lütz | Bild: dpa / Stephan Persch

Der Chefarzt eines Kölner Krankenhauses verurteilt den "grassierenden Gesundheitswahn". Für viele Menschen sei gesunde Ernährung zu einer neuen Religion geworden. "Viele leben nur noch vorbeugend und sterben dann gesund", sagt der Psychiater und Theologe. Er kritisiert, dass vermeintlich ungesundes Essen zur Sünde erklärt und Genuss verdammt werde. Als Arzt müsse er zwar dazu mahnen, verantwortungsvoll mit der Gesundheit umzugehen, aber er hält es für falsch, "erwachsene Menschen dauernd zu pädagogisieren".

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