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Werden Frauen immer noch benachteiligt?

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Kaum Chefinnen, weniger Geld: Werden Frauen immer noch benachteiligt? | Video verfügbar bis 14.11.2019 | Bild: dpa

Im ARD-Film "Keiner schiebt uns weg", der unmittelbar vor "Maischberger" um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird, erkämpfen sich die Arbeiterinnen eines Fotolabors in den späten 1970er Jahren das gleiche Gehalt wie die Männer – und bleiben damit doch die Ausnahme. Auch 40 Jahre später verdienen Frauen in Deutschland durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer und in den Vorstandsetagen der Dax-Unternehmen sitzen nur rund sieben Prozent Frauen. Im Bundestag ist der Frauenanteil sogar wieder stark zurückgegangen. Ist die Gleichberechtigung in der deutschen Gesellschaft nicht angekommen? Muss der Gesetzgeber der Wirtschaft und der Politik verpflichtende Frauenquoten verordnen, damit mehr Frauen in Spitzenpositionen gelangen? Sollte Gehaltsgleichheit per Gesetz festgelegt werden? Oder sind Frauen einfach gefordert, sich stärker durchzusetzen?

Judith Williams (Unternehmerin)

Judith Williams
Judith Williams | Bild: WDR / Max Kohr

"Wir Frauen machen mehrere Jobs gleichzeitig: Wir müssen Mutter und Ehefrau sein und wollen gleichzeitig Karriere machen", sagt die Unternehmerin. Bereits drei Wochen nach der Geburt ihrer Tochter ging die Geschäftsfrau wieder arbeiten: "Als Unternehmerin hatte ich keine andere Wahl." Dafür wurde sie von vielen in ihrem Umfeld kritisiert. "Solche Diskussionen müssen sich Männer nie aussetzen", so Judith Williams, "weil sie immer noch als die liebenden Väter gelten, die das Geld nach Hause bringen". Eine Quote hält die Investorin aus "Die Höhle der Löwen" (Vox) nur für begrenzt sinnvoll, denn der Frauenanteil in den Unternehmen müsse "organisch wachsen".

Katharina Schulze (B'90/Grüne, Fraktionsvorsitzende Bayern)

Katharina Schulze
Katharina Schulze | Bild: WDR / Max Kohr

"Frauen werden in allen gesellschaftlichen Bereichen seit Jahrhunderten benachteiligt", beklagt der Shooting-Star der bayerischen Grünen. Katharina Schulze fordert eine gerechtere Verteilung von Macht und Ressourcen – unter anderem durch Einführung einer verbindlichen Frauenquote in Parlamenten und Unternehmen: "Frauen haben bessere Noten in der Schule, mehr Frauen studieren und trotzdem tummeln sich in den Chefetagen hauptsächlich Männer." Die Fraktionschefin der Grünen im bayerischen Landtag beobachtet zudem mit Sorge eine "starke Bewegung zurück zur klassischen Rollenverteilung" in der Gesellschaft.

Ursula Engelen-Kefer (ehem. Gewerkschafterin)

Ursula Engelen-Kefer
Ursula Engelen-Kefer | Bild: WDR / Max Kohr

Diskriminierung, Anfeindungen und Mobbing von Frauen im Beruf – Ursula Engelen-Kefer hat das als junge Frau selbst erlebt. Die studierte Volkswirtin begann ihre Karriere Anfang der 1970er Jahre im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und musste dabei gegen Männerbünde ankämpfen. "Ich hatte wenig Selbstvertrauen und habe Jahre gebraucht, den männlichen Kollegen auf Augenhöhe zu begegnen." Diese Erfahrung prägt die zweifache Mutter bis heute. "Damals habe ich  gelernt: Ohne eine Frauen-Quote geht es nicht. Und diese brauchen wir trotz Fortschritten heute genauso wie einst", sagt die langjährige stellvertretende DGB-Vorsitzende.

Reinhard K. Sprenger (Unternehmensberater)

Reinhard K. Sprenger
Reinhard K. Sprenger | Bild: WDR / Max Kohr

"Frauenförderung ist politisch gewollte Männerdiskriminierung und schadet Unternehmen." Der Coach und Buchautor kritisiert den "Gerechtigkeitswahn" und die "übermäßige Moralisierung" der Wirtschaft. Er lehnt Frauenquoten für Vorstände ab. Der geringe weibliche Anteil sei "kein Missstand, unter dem die Wirtschaft leide und dürfe kein Kriterium für die Einstellung" sein, so der Unternehmensberater. Auch für Forderungen nach gleichen Löhnen hat Reinhard Sprenger wenig Verständnis: "Es geht die Politik gar nichts an, was Privatunternehmen bei Gehältern machen!"

Hajo Schumacher (Journalist)

Hajo Schumacher
Hajo Schumacher | Bild: WDR / Max Kohr

"Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass die Frauenwelt die Schnauze voll hat von all den patriarchalischen Ritualen und sagt 'Die Hälfte gehört uns'", bekennt der politische Kolumnist. Der Bestsellerautor fordert aber gleichzeitig Geduld von den Frauen ein: "Dieser Prozess dauert, denn 5000 Jahre männliche Vorherrschaft können nicht über Nacht verschwinden." Wie schwierig ein Umdenken für Männer ist, weiß der 54-Jährige aus eigener Erfahrung: "Die natürliche Vorherrschaft des weißen Mannes habe ich von klein auf gelernt", erzählt Hajo Schumacher: "Mein Vater war Versorger, und bei uns hieß es: 'Nein, die Frau geht doch nicht arbeiten!'"

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