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Raser, Rüpel, Drängler: Werden Autofahrer immer aggressiver?

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Raser, Rüpel, Drängler: Werden Autofahrer immer aggressiver? | Bild: WDR

Am Montag wurde der spektakuläre Berliner Raser-Prozess wieder aufgenommen. Bei einem nächtlichen Rennen zweier junger Männer auf dem Kurfürstendamm war 2016 ein unbeteiligter Autofahrer getötet worden. Das Landgericht Berlin verurteilte die beiden Männer wegen Mordes – einmalig in der deutschen Justiz-Geschichte. Der Bundesgerichtshof hielt die Urteilsbegründung für unzureichend und hob das Urteil wieder auf. Was ist richtig? Und wie können wir vor Rasern geschützt werden? Nicht nur solche Raser-Rennen sorgen für Unsicherheit auf der Straße. Auch Rüpler und Drängler gefährden andere Verkehrsteilnehmer. Und: Immer mehr Autos, immer mehr Verkehr und immer mehr Stress führen zu einem neuen Höchststand bei Unfällen. Macht die Verkehrsdichte auch ganz normale Autofahrer aggressiv?

Maximilian Warshitsky (Vater wurde Opfer der Berliner Raser) 

Maximilian Warshitsky
Maximilian Warshitsky | Bild: WDR / Melanie Grande

Seit Montag wird in der Wiederaufnahme des Prozesses gegen die Ku'damm-Raser erneut darüber verhandelt, ob es sich um Mord oder fahrlässige Tötung handelte. Für Maximilian Warshitsky ist klar: "Es war Mord! Sie haben den Tod meines Vaters billigend in Kauf genommen." Der Jeep seines Vaters war bei dem Rennen 2016 von einem der Raser erfasst und durch die Luft geschleudert worden. Der 37-Jährige verfolgt den Prozess als Nebenkläger und warnt: "Raser lassen mit ihrer Selbstüberschätzung das Schicksal anderer außer Acht. Die Raserei ist Terror auf der Straße."

Gigi Deppe (ARD-Rechtsexpertin)

Gigi Deppe
Gigi Deppe | Bild: WDR / Melanie Grande

Die Juristin verfolgt den Prozess gegen die Berliner Raser von Beginn an. Auch wenn der BGH die Verurteilung wegen Mordes in diesem Sommer revidierte, sieht die ARD-Rechtsexpertin immer noch eine Chance, dass die beiden Täter wegen Mordes verurteilt werden: "Diese Ignoranz, mit denen die Raser unterwegs waren, ist schon einmalig." Eine solche Verurteilung könne ein Vorbild für weitere und härtere Strafen sein. Gigi Deppe warnt jedoch davor, an diesen beiden jungen Tätern "ein Exempel zu statuieren, um allen anderen Angst zu machen".

Panagiota Petridou (Fernsehmoderatorin)

Panagiota Petridou
Panagiota Petridou | Bild: WDR / Melanie Grande

Deutschlands bekannteste Autohändlerin fährt im Jahr fast 20.000 Kilometer auf deutschen Straßen: "Ich erlebe häufig, dass sich Leute schnell provozieren lassen und auf der Autobahn plötzlich duellieren." Die Fernsehmoderatorin stellt fest, dass viele Autofahrer immer aggressiver werden. Schuld daran seien großer Stress und hoher Zeitdruck: "Heutzutage muss man immer erreichbar sein." Tempolimits und hohe Bußgelder würden hier nur wenig helfen, glaubt Panagiota Petridou und plädiert bei Verkehrssündern für einen schnellen Entzug des Führerscheins.

Ute Hammer (Verkehrspsychologin)

Ute Hammer
Ute Hammer | Bild: WDR / Melanie Grande

Die Diplom-Psychologin beobachtet eine Zunahme von Stress und Aggression im Verkehrsalltag. Der Platz in der Stadt werde knapper, immer mehr Fahrzeuge drängten aufeinander. "Der Mensch ist nicht dazu gemacht, dass man ihm in die Hacken fährt", sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrssicherheitsrats. Die Rücksichtslosigkeit illegaler Raser sorgt bei Ute Hammer für Wut und Zorn. "Bei dieser Gruppe helfen keine Aufklärung, sondern nur Kontrollen und Fahrzeugentzug. Rennfahrer in der Innenstadt und auf Autobahnen suchen den maximalen Kick und blenden alle Risiken für sich und andere aus."

Stefan Pfeiffer (Autobahnpolizist)

Stefan Pfeiffer
Stefan Pfeiffer | Bild: WDR / Melanie Grande

Als Leiter der Verkehrspolizeiinspektion in Feucht (Bayern) ist Stefan Pfeiffer für rund 400 Autobahnkilometer zuständig. "Im Straßenverkehr gibt es drei Killer. Es sind die zu hohe Geschwindigkeit, das Fahren unter Einfluss von Alkohol und Drogen und noch immer das Fahren ohne Gurt", sagt der Polizist. Hinzu gekommen sei die Ablenkung, etwa durch Handys. Die Verkehrsteilnehmer, so Stefan Pfeiffer, reagierten im Prinzip nur auf Strafen. Auch deshalb fordert er, die Höhe der Geldbußen bei Verkehrsverstößen zu erhöhen. "Schließlich kommen auf deutschen Autobahnen jährlich 400 Menschen ums Leben."

Nico Klassen (Ex-Raser)

Nico Klassen
Nico Klassen | Bild: WDR / Melanie Grande

"Rasen ist eine Sucht, man braucht das Adrenalin hinterm Steuer und muss immer schneller werden", sagt Nico Klassen. In seiner Jugend nahm der gelernte Kfz-Mechaniker an illegalen Autorennen im Ruhrgebiet teil – bis der tödliche Unfall eines Freundes seine Sucht beendete. Heute organisiert der 38-Jährige legale Autorennen, hat aber noch Kontakte in die illegale Szene: "Die Raser radikalisieren sich. Sie haben überhaupt keinen Respekt mehr vor der Polizei und müssen ihren Nervenkitzel immer weiter toppen." Verbote oder härtere Urteile, so Nico Klassen, würde die Szene nicht abschrecken.

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