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Was ist uns der Naturschutz wert?

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Rettet die Biene, schützt den Wolf: Was ist uns der Naturschutz wert? | Video verfügbar bis 28.02.2020 | Bild: dpa

Der Naturschutz erhitzt zur Zeit die Gemüter: Das bayerische Volksbegehren "Rettet die Bienen!" unterschrieben innerhalb kürzester Zeit rund 1,8 Millionen Menschen. Die Bauern wehren sich vehement dagegen, für den Insektenschwund verantwortlich gemacht zu werden. Und auch der Wolf entzweit die Republik. Fast täglich werden gerissene Schafe vermeldet. Verängstigte Menschen fordern den Abschuss von Wölfen, die als bedrohte Tierart unter besonderem Schutz stehen. Wäre das sinnvoll? Wie gefährlich ist der Wolf tatsächlich für den Menschen? Ist es wirklich nötig, die Bienen zu retten? Oder übertreiben wir es mit dem Naturschutz? Gefährdet zu viel Umweltschutz am Ende unsere Landwirtschaft?

Andreas Kieling (Tierfilmer und Abenteurer)

Andreas Kieling
Andreas Kieling | Bild: WDR / Max Kohr

Der bekannte Naturfilmer freut sich über die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland, denn dieser leiste einen wichtigen Beitrag für das Ökosystem Wald: "Wir haben einen verdammt großen Nutzen vom Wolf." Weil er den Wildtierbestand niedrig halte, spare das Tier der Gesellschaft auch viel Geld. Außerdem gehe, so Andreas Kieling, keine Gefahr für uns von ihm aus: "Der Mensch gehört nicht in sein Beuteschema." Außerdem beklagt der Abenteurer das zunehmende Artensterben: "60 Jahre lang haben wir unser Land verseucht, und dann wundert man sich, dass die Natur stirbt?"

Karsten Schwanke (Wissenschaftsjournalist und Meteorologe)

Karsten Schwanke
Karsten Schwanke | Bild: WDR / Max Kohr

"Das Schwinden von Käfern, Fliegen, Hummeln und Faltern ist Teil einer gewaltigen Ökokatastrophe", schreibt das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Wie dramatisch ist die Lage? Welche Insektenarten sind besonders betroffen? Was sagen die unterschiedlichen Studien? Welche Folgen kann das Aussterben einer Art für das Ökosystem haben? Und welchen Anteil hat der Klimawandel? Diese Fragen hat der ARD-Wissenschaftsjournalist  ("Schwanke meets Science", ARD alpha) und Meteorologe Karsten Schwanke recherchiert.

Katharina Schulze, B’90/Grüne (Fraktionsvorsitzende Bayern)

Katharina Schulze
Katharina Schulze | Bild: WDR / Max Kohr

"Mit 1,75 Millionen Unterschriften ist das 'Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen!' das erfolgreichste in der Geschichte Bayerns", sagt Katharina Schulze. Es handele sich um ein deutliches Signal für einen echten Kurswechsel beim Tier- und Pflanzenschutz in der Landwirtschaft. Und für diesen sei es höchste Zeit, ist die Fraktionschefin der Grünen im bayerischen Landtag überzeugt: "Wir erleben das größte Artensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier." Das Ziel, so Katharina Schulze, "muss eine Landwirtschaftspolitik sein, die den Landwirten noch mehr Unterstützung gibt für ein Arbeiten mit der Natur".

Carina Konrad, FDP (Bundestagsabgeordnete und Landwirtin)

Carina Konrad
Carina Konrad | Bild: WDR / Max Kohr

Die Landwirtin und FDP-Politikerin sieht das bayerische Volksbegehren zur Artenvielfalt kritisch: "Die Forderungen sind realitätsfremd, schaden dem Wirtschaftssektor und dem Steuerzahler." Vor allem das Ziel, bis 2030 auf 30 Prozent Ökolandbau umzustellen, sei nicht umsetzbar, sagt die 36 Jahre alte Bundestagsabgeordnete, die den elterlichen Bauernhof im Hunsrück übernommen hat. In der Debatte um das Insektensterben werde mit gefühlten Wahrheiten argumentiert. "Die Landwirte werden zu Sündenböcken gemacht", so die stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft.

Ronald Rocher (Schäfer)

Ronald Rocher
Ronald Rocher | Bild: WDR / Max Kohr

Für den Schäfer aus Brandenburg ist die Rückkehr des Wolfes existenzbedrohend. Ronald Rocher fordert von der Politik einen Plan, um die Anzahl der Raubtiere zu dezimieren. "Der Wolf gehört hier nicht her. Er frisst den ganzen Wald leer und vermehrt sich rasend schnell", sagt der 49-Jährige. In den letzten drei Jahren wurden dem Berufsschäfer 50 Tiere gerissen. Seit dem ersten Angriff befindet sich der Familienvater in einem Wettrüsten mit dem Wolf – und bleibt auf einem Großteil der Kosten sitzen: "Die Idylle ist vorbei. Wie das alles weitergehen soll, weiß ich nicht."

Jan Fleischhauer ("Spiegel"-Autor)

Jan Fleischhauer
Jan Fleischhauer | Bild: WDR / Max Kohr

Der Journalist kritisiert eine "Romantisierung des Naturschutzes". Sentimentales Naturempfinden habe mit der Realität nichts zu tun. "Wenn der Wolf überhand nimmt, dann muss er gejagt werden", so Jan Fleischhauer. Naturschutz sei gut und schön, aber keiner sage den Menschen, wie teuer das werde. "Wenn wir für das hehre Ziel Naturschutz die ganze Landwirtschaft umstellen, werden die normal arbeitenden Menschen an der Supermarktkasse die Quittung bekommen", warnt der "Spiegel"-Kolumnist.

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