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Spione im Kalten Krieg – Gefährliches Doppelleben

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Spione im Kalten Krieg – Gefährliches Doppelleben | Video verfügbar bis 02.10.2020 | Bild: WDR

In dem packenden Spionage-Thriller "Wendezeit" wird die Geschichte der Doppelagentin Tatjana Leschke erzählt, die als Stasi-Agentin in West-Berlin die CIA ausspionierte. Eine fiktive Geschichte – doch tatsächlich waren im Herbst 1989 rund 1500 Bundesbürger für die DDR-Auslandsspionage tätig, manche auch an herausgehobener Position. Mehrere hundert Agenten spionierten vor 1989 aber auch für westliche Geheimdienste in der DDR. Wie bedrohlich war das Leben als Spion im Kalten Krieg, besonders für Doppelagenten? Wie erfolgreich waren die Agenten? Hat die Spionage den Kalten Krieg zwischen Ost und West befeuert oder für Frieden gesorgt? Und welche Rolle spielen heute noch Geheimdienste?

Lilli Pöttrich (frühere DDR-Agentin im Auswärtigen Amt)

Lilli Pöttrich (frühere DDR-Agentin im Auswärtigen Amt)
Lilli Pöttrich  | Bild: WDR / Max Kohr

14 Jahre lang spionierte die Diplomatin der Bundesrepublik für den DDR-Auslandsgeheimdienst. Als 22-jährige Jurastudentin wurde sie 1976 vom Ministerium für Staatssicherheit angeworben. Lilli Pöttrich machte Karriere im Auswärtigen Amt, die sie unter anderem an die Botschaft in Paris führte. 1993 wurde sie durch die so genannten "Rosenholz"-Dateien enttarnt und wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit im schweren Fall zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Nach einem mehrjährigen Berufsverbot arbeitete sie als Rechtsanwältin in Düsseldorf.

Gerhart Baum, FDP (ehemaliger Bundesinnenminister)

Gerhard Baum (FDP, ehemaliger Bundesinnenminister)
Gerhard Baum  | Bild: WDR / Max Kohr

Als ehemaliger Bundesinnenminister und Staatssekretär hat er den Kalten Krieg und den Einsatz der Geheimdienste hautnah miterlebt. "Die Guillaume-Affäre ist der politisch bedeutsamste Spionagefall der deutsch-deutschen Geschichte", sagt er heute. Gerhart Baum war als Staatssekretär dabei, als Innenminister Hans-Dietrich Genscher 1973 darüber informiert wurde, dass die Stasi offenbar einen Spion im Kanzleramt von Willy Brandt platziert habe. "Guillaume war so schmerzhaft, weil Brandt sich gedemütigt fühlte. Dass ausgerechnet er, der sich für eine neue Ostpolitik eingesetzt hatte, von der DDR in eine solche Lage gebracht worden ist, hat ihn sehr getroffen", resümiert der FDP-Politiker.

Eberhard Fätkenheuer (früherer CIA-Spion in der DDR)

Eberhard Fätkenheuer (früherer CIA-Spion in der DDR)
Eberhard Fätkenheuer  | Bild: WDR / Max Kohr

Am 11. Juni 1985 ging auf der Glienicker Brücke der größte Agentenaustausch im Kalten Krieg über die Bühne. Vier Ost-Agenten gegen 23 West-Spione aus DDR-Haft – unter ihnen Eberhard Fätkenheuer. Er hatte für die CIA sowjetische Militärtransporte und NVA-Objekte ausgekundschaftet und war aufgeflogen. 1979 wurde der damals 35-Jährige wegen Spionage zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. "Meine Habseligkeiten waren alle in einer Umhängetasche – ein paar Ostmark und meine Entlassungspapiere", erinnert sich der ehemalige Spion, der danach in West-Berlin als Kfz-Sachverständiger arbeitete.

John Kornblum (ehemaliger US-Botschafter)

John Kornblum (ehemaliger US-Botschafter)
John Kornblum  | Bild: WDR / Max Kohr

Als Vizekommandant der US-Vertretung in West-Berlin fädelte er den historischen Spionagedeal auf der Glienicker Brücke ein. "Es hat zwei Jahre gedauert und gab viel Hin und Her, aber es war unsere moralische Verantwortung, unsere Spione aus der DDR zu holen", berichtet John Kornblum. Der spätere US-Botschafter in Bonn wurde selbst bespitzelt. "Wir haben in unserer Vertretung nach dem Mauerfall drei Menschen aufgedeckt, die für die Stasi und die Russen gearbeitet haben. Eine davon war Protokollassistentin in meinem Privatbüro."

Bodo Hechelhammer (Chefhistoriker des BND)

Zu Gast bei Sandra Maischberger: Bodo Hechelhammer (l, Chefhistoriker des BND)
Bodo Hechelhammer | Bild: WDR / Max Kohr

Als Chefhistoriker des Bundesnachrichtendienstes ist Bodo Hechelhammer einer der wenigen Mitarbeiter, der sich öffentlich äußern darf. Der Wissenschaftler befasst  sich intensiv mit der Zeit des Kalten Krieges. In Berlin als "Hauptstadt der Spione" seien auf engstem Raum Agenten aller Alliierten zusammengekommen. "Dabei war es für die Gegenseite viel einfacher, mit Agenten in eine Demokratie wie die BRD einzudringen, als andersherum in das System der DDR", sagt der Geheimdienstexperte.

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