SENDETERMIN Mi, 16.05.18 | 22:45 Uhr | Das Erste

Stürzt Trump die Welt ins Chaos?

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Stürzt Trump die Welt ins Chaos? | Video verfügbar bis 16.05.2019 | Bild[1]: dpa

Die vom US-Präsidenten angeordnete Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem hat jetzt zu den blutigsten Unruhen in Gaza seit Jahren geführt. Letzte Woche versetzte die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran viele Verbündete der USA in Unruhe. Löst Donald Trump einen Flächenbrand im Nahen Osten aus – mit unabsehbaren Folgen auch für uns? Muss sich Europa jetzt mit Russland, China und dem Iran gegen ihn verbünden? Und wie passt Trumps Rolle in Nahost zu seiner Korea-Politik? Im Atom-Konflikt mit Korea will Trump als Friedensstifter glänzen, zündelt aber in der noch jungfräulichen Annäherung mit Militärübungen. Gefährdet er damit seinen eigenen Erfolg?

Antonia Rados (Auslandskorrespondentin)

Antonia Rados
Antonia Rados | Bild: WDR / Max Kohr

"Die Stimmung im Nahen Osten ist antiwestlicher denn je", beobachtet Antonia Rados. Die RTL-Chefkorrespondentin berichtet seit mehr als 30 Jahren aus dem Nahen Osten. Donald Trump ist für sie der falsche Mann, um dort Frieden zu schaffen: "Trump geht bei vielen Problemen sofort auf Konfrontationskurs. Er ist ein Mann ohne Geduld, ein politischer Abenteurer." Aber auch für Europa werde es immer schwieriger, im Nahen Osten Verbündete zu finden. Für Antonia Rados steht daher fest: "Europa braucht eine neue Nahost-Politik – jenseits der USA."

Jürgen Hardt, CDU (Außenexperte)

Jürgen Hardt
Jürgen Hardt | Bild: Katja Julia Fischer

"Trumps Politik ist leichtfertig und hochriskant", kritisiert der außenpolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion. Er plädiert dafür, dass die Europäer am Iran-Abkommen festhalten, auch wenn ein Handelsstreit mit den USA drohe. "Ich kann mir kaum vorstellen, dass der amerikanische Präsident es hinnehmen wird, dass wir Europäer Geschäfte mit Iran machen", sagt der ehemalige Koordinator für Transatlantische Zusammenarbeit der Bundesregierung. Falls aber der Iran plane, wieder an einer Atombombe zu bauen, würde dies in kurzer Zeit einen militärischen Konflikt mit Israel entfachen, glaubt Jürgen Hardt.

Oskar Lafontaine, Die Linke (ehem. Parteivorsitzender)

Oskar Lafontaine
Oskar Lafontaine | Bild: WDR / Max Kohr

Der Vorsitzende der saarländischen Linksfraktion warnt vor einem Weltenbrand durch die Außenpolitik Donald Trumps und fordert eine gemeinsame Strategie Europas, Chinas und Russlands zur Eindämmung. Die USA sei als "weltweit stärkste militärische Macht des Kapitalismus zum Frieden nicht fähig". Sie setzten ihre wirtschaftlichen Ziele durch, indem sie Länder wie den Irak oder Syrien mit Krieg überziehen würden, sagt Oskar Lafontaine. Deshalb sei die Kündigung des Atom-Deals mit dem Iran keine Überraschung. "Es ist offensichtlich, dass die USA jetzt auch den Iran notfalls mit Hilfe Israels angreifen wollen", warnt der frühere Parteichef der Linken.

Sabrina Fritz (langjährige USA-Korrespondentin)

Sabrina Fritz
Sabrina Fritz | Bild: SWR / Alexander Kluge

"Wir alle haben Trump unterschätzt, er ist erstaunlich erfolgreich", sagt die ehemalige ARD-Hörfunkkorrespondentin in Washington, die den US-Präsidenten im vergangenen Jahr auf seiner Reise nach Saudi-Arabien und Israel begleitete. Donald Trumps persönliche Verbundenheit zu Israel sei der Grund für den Ausstieg aus dem Iran-Abkommen. Gleichzeitig schade er so der europäischen Wirtschaft – "ein fast schon genialer Schachzug", so die leitende  SWR-Wirtschaftsjournalistin. Dem US-Präsidenten gehe es einzig und allein um den wirtschaftlichen Erfolg seines Landes.

Alan Posener (Journalist)

Alan Posener
Alan Posener | Bild: NDR / Morris Mac Matzen

"Alle hassen Trump, aber wenn er sich in der Welt umsieht, kann er mit den bisherigen Ergebnissen seiner Präsidentschaft zufrieden sein", sagt der "Welt"-Journalist. Niemand konnte erwarten, dass Korea ein einfaches Terrain sein würde, aber man könne kaum widersprechen, wenn Trump beispielsweise die erste Annäherung zwischen den beiden Koreas als Ergebnis seiner Diplomatie hinstellt. Obama wäre zwar von allen geliebt worden, so Alan Posener, habe aber nichts erreicht. Auch sei die EU mehr denn je auf die Freundschaft der USA angewiesen: "Und da Trump seine Freunde einzig nach ihrem Nutzen beurteilt, heißt das: Europa, allen voran Deutschland, muss liefern", so der Buchautor.

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