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Watschn für Volksparteien: Wer braucht noch Union und SPD?

PlayAngela Merkel, Horst Seehofer und Andrea Nahles
Watschn für die Volksparteien: Wer braucht noch Union und SPD? | Video verfügbar bis 18.10.2019 | Bild: dpa

Die CSU auf einem historischen Tiefpunkt, die SPD mit dem miserabelsten Landtagswahlergebnis ihrer Geschichte. Und was sind die Konsequenzen für die Politik in Berlin? Gar keine. Bundesinnenminister und CSU-Parteichef Horst Seehofer denkt nicht an Rücktritt, SPD-Vorsitzende Andrea Nahles verweist auf die anstehende Hessen-Wahl. Keiner mag die Verantwortung übernehmen für das dramatische Schrumpfen der Volksparteien, die sich auch in bundesweiten Umfragen niederschlägt. Ist die SPD überhaupt noch zu retten? Haben die Grünen bereits ihren Platz links der Mitte übernommen? Wie lange können sich Merkel und ihre großkoalitionäre Bundesregierung noch halten?

Florian Schroeder (Kabarettist)

Florian Schroeder
Florian Schroeder | Bild: WDR / Max Kohr

"Es ist aus der Mode geraten zurückzutreten. Heute bleiben alle", sagt der Comedian. Beispielhaft würde man das an zwei Personen sehen – Angela Merkel und Joachim Löw: "Beide sind zwölf Jahre im Amt, es gibt Kindergenerationen, die kennen niemanden anders." Der Kabarettist kritisiert Seehofers Verbleib im Amt: "Das ist ein Albtraum. Er hat alles zu verantworten, was schief gelaufen ist." Da müsse der CSU-Parteichef doch jetzt mit Anstand und Würde seinen Hut nehmen.

Jessica Libbertz (Fußballmoderatorin)

Jessica Libbertz
Jessica Libbertz | Bild: WDR / Max Kohr

"In der Politik wird sich nur noch durchgewurschtelt. Es geht nicht mehr um die Sache, sondern nur noch um Macht", sagt die Fussballmoderatorin des Privatsenders Sky und vergleicht die Diskussion um einen Rücktritt Jogi Löws nach dem kläglichen Scheitern bei der WM mit der um CSU-Chef Seehofer. Allerdings habe der Bundestrainer im Frankreich-Spiel am Dienstag Mut bewiesen und nach vorherigem Scheitern etwas völlig Neues versucht. In der Politik vermisst Jessica Libbertz, dass nach Niederlagen Verantwortung übernommen wird, "lieber schiebe man die Schuld auf andere."

Rudolf Dreßler, SPD (Sozialpolitiker)

Rudolf Dreßler
Rudolf Dreßler | Bild: WDR / Max Kohr

Das SPD-Urgestein hält seine Partei angesichts der Talfahrt bei den Wahlen für "todkrank" und geht mit der Führungsriege der Sozialdemokraten hart ins Gericht. "Jetzt muss alles auf den Prüfstand – Inhalt und Personal. Das jetzige Management kann es offensichtlich nicht", sagt Rudolf Dreßler, der seit 1969 Parteimitglied ist. Die SPD dürfe das Soziale als ihren Markenkern nicht weiter aufs Spiel setzen, so das ehemalige Präsidiumsmitglied. Er plädiert für eine Öffnung der Sozialdemokraten zur Linkspartei: "Ohne die Linke hat die SPD keine Chance mehr."

Philipp Amthor, CDU (Bundestagsabgeordneter)

Philipp Amthor
Philipp Amthor | Bild: WDR / Max Kohr

"Die Parteien müssen jetzt aufhören, nur über sich selbst zu philosophieren", sagt der Innenpolitiker der CDU. "Wir müssen anfangen, Themen abzuarbeiten, die wir im Koalitionsvertrag festgelegt haben." Personaldebatten zum jetzigen Zeitpunkt hält der 25-jährige Bundestagsabgeordnete für ein falsches Signal. "Man kann nicht als Reaktion auf enttäuschte Wähler mit Personaldiskussionen antworten", so Philipp Amthor. Verlorengegangene Wähler würden so auch nicht wieder zurückkommen.

Sigmund Gottlieb (ehem. ARD-Moderator)

Siegmund Gottlieb
Siegmund Gottlieb | Bild: WDR / Max Kohr

"Das Beben in Bayern ist für die CSU mit einem blauen Auge zu Ende gegangen, denn Umfragen sahen sie sogar bei 33 Prozent", sagt der frühere Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks. Deswegen werde die CSU jetzt auch nicht über einen Führungswechsel nachdenken. "Das Ergebnis ist auch ein Votum gegen die Groko in Berlin gewesen", glaubt der politische Kommentator. Die Menschen empfänden sie zu Recht als "grottenschlecht", so Sigmund Gottlieb. Der frühere ARD-Moderator prognostiziert: "Die Volksparteien werden weiter an Bindekraft verlieren."

Markus Feldenkirchen ("Spiegel"-Journalist)

Markus Feldenkirchen
Markus Feldenkirchen | Bild: WDR / Max Kohr

"Die CSU hat versäumt, sich selbst zu modernisieren und wird von ihren eigenen Erfolgen eingeholt", analysiert der "Spiegel"-Autor das schlechte Abschneiden der Partei bei der bayerischen Landtagswahl. Das gute Ergebnis der Grünen zeige, so der Journalist, dass die SPD als Partei der linken Mitte abgelöst worden sei. Der Großen Koalition sagte Markus Feldenkirchen ein baldiges Ende voraus. Er rät Angela Merkel, schnell ihre Nachfolge zu regeln und auf dem Parteitag der CDU im Dezember ihren Rückzug zu verkünden.

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