SENDETERMIN Mi, 28.02.18 | 22:45 Uhr | Das Erste

Wozu brauchen wir noch ARD und ZDF?

PlayRundfunkgebühren
Wozu brauchen wir noch ARD und ZDF? | Video verfügbar bis 28.02.2019 | Bild: pa

Die Schweizer Volksabstimmung über die Abschaffung des Radio- und Fernsehbeitrags könnte zum Warnschuss für ARD und ZDF werden. Wie noch nie steht vor allem das öffentlich-rechtliche Fernsehen im Kreuzfeuer von Kritikern: Diese sprechen von Zwangsgebühren, beklagen Geldverschwendung, bezweifeln die journalistische Neutralität oder schimpfen über zu viele Krimis. Sind 17,50 Euro Rundfunkbeitrag monatlich zu viel? Oder ist das öffentlich-rechtliche Programmangebot weltweit einmalig und jeden Cent wert: von "Panorama" bis "In aller Freundschaft", von "aspekte" bis zum "Tatort", von der "heute show" bis zur "Sportschau"?

In der Talksendung "maischberger" strahlt die ARD eine 30minütige Extra-Ausgabe des "Weltspiegel" aus. In diesem "Weltspiegel extra" berichten ARD-Korrespondenten über die Situation des Rundfunks in ihren Ländern. Im Anschluss an den 30 minütigen "Weltspiegel Extra" nimmt Sandra Maischberger den Faden wieder auf und setzt ihren Talk fort.

Die Gäste

Thomas Gottschalk (Moderator)

Thomas Gottschalk
Thomas Gottschalk | Bild: WDR / Max Kohr

"Ich bin eindeutig ein Befürworter des öffentlich-rechtlichen Systems", sagt der Entertainer. Den Rundfunkbeitrag hält er deshalb für ein notwendiges Übel: "Für mich ist die Fernsehgebühr das gleiche wie die Kirchensteuer." Für ihn seien die journalistische Qualität der Öffentlich-Rechtlichen unbenommen. Aber was ihn ärgere, sagt Thomas Gottschalk, sei die Ideenlosigkeit der Öffentlich-Rechtlichen: "Wenn eine Krimiserie gute Quoten bringt, dann machen wir halt noch eine und probieren nichts Neues aus." Die Öffentlich-Rechtlichen, so der Moderator, würden sehr viel tun, "was sie nicht tun sollten oder tun bräuchten."

Tom Buhrow (WDR-Intendant)

Tom Buhrow
Tom Buhrow | Bild: WDR / Max Kohr

Der WDR-Senderchef nimmt den größten ARD-Sender gegen die Kritiker in Schutz. Es sei längst klar, dass es ohne Strukturveränderungen nicht gehen könne und deswegen hätte der WDR bereits erhebliche Sparmaßnahmen eingeleitet, erklärt der frühere ARD-Korrespondent und Moderator: "So eine drastische Verschlankungskur hat der WDR noch nie auf den Weg gebracht. Gleichzeitig haben wir den Anspruch, dem Publikum weiterhin ein Programm von höchster Qualität zu bieten." Die Vorwürfe gegen die Öffentlich-Rechtlichen, sie würden tendenziös berichten oder gar von der Politik beeinflusst, weist Tom Buhrow scharf zurück: "Ich habe persönlich in meiner Zeit als Intendant noch keinen einzigen Fall von Berichterstattung erlebt, wo staatliche Einflussnahme auch nur versucht wurde."

Georg Kofler (Medienunternehmer)

Georg Kofler
Georg Kofler | Bild: WDR / Max Kohr

Für den langjährigen Pro-Sieben-Chef ist der monatliche Rundfunkbeitrag "eine reine Zwangsgebühr", die viel zu teuer sei. "ARD und ZDF sind atemberaubend ineffizient und bürokratisch aufgebläht. Hervorragendes Fernsehprogramm kann man schon für die Hälfte des Geldes machen. Auch Privatsender bieten seriöse Informationsprogramme", sagt Georg Kofler. Wegen der hohen Altersversorgung von Mitarbeitern seien öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten eigentlich Pensionsanstalten mit angeschlossenem Programmbetrieb, meint der Investor aus der erfolgreichen Vox-Sendung "Die Höhle der Löwen". 

Pinar Atalay ("Tagesthemen"-Moderatorin)

Pinar Atalay
Pinar Atalay | Bild: WDR / Max Kohr

Die Fernsehjournalistin ist davon überzeugt, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland grundsätzlich ein positives Image hätten: "Aber natürlich stehen wir im Zeitalter von Fake News und Lügenpresse unter besonders starker Beobachtung." Nur wer transparent arbeite und journalistische Standards befolge, werde auch in Zukunft das Vertrauen der Zuschauer besitzen, glaubt die "Tagesthemen"-Moderatorin. Pinar Atalay warnt davor, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk infrage zu stellen: "Ein Blick in andere Staaten wie etwa die Türkei zeigt, wie wichtig unabhängige und kritische Medien für das Funktionieren und den Erhalt einer Demokratie sind." 

Beatrix von Storch, AfD (stellv. Bundesvorsitzende)

Beatrix von Storch
Beatrix von Storch | Bild: WDR / Max Kohr

Die stellvertretende AfD-Fraktionschefin fordert die Abschaffung der Rundfunkgebühren, um der "gewaltigen Geldverschwendung und Bereicherung auf Kosten der Gebührenzahler" endlich ein Ende zu setzen. Jeder Bürger solle frei entscheiden können, ob er das öffentlich-rechtliche Angebot empfangen und bezahlen wolle, erklärt die stellvertretende Parteivorsitzende: "So wie in allen Bereichen in den letzten Jahren gespart worden sei, darf die Heilige Kuh öffentlich-rechtlicher Rundfunk kein Tabu sein." Beatrix von Storch kritisiert "die extremen Privilegien und Spitzengehälter der Programmmacher".

Emil Steinberger (Schweizer Kabarettist)                                          

Emil Steinberger
Emil Steinberger | Bild: dpa

"Eine Schweiz ohne öffentlichen Rundfunk wäre eine Katastrophe", sagt der legendäre Kabarettist aus Luzern. Deswegen setzt sich "Emil" in der Schweiz mit anderen Künstlern gegen die "No-Billag"-Initiative ein, mit der die Rundfunkgebühren abgeschafft werden sollen. Es sei naiv, wenn die Initiatoren behaupteten, sie wollten nur die Kosten reduzieren. "Wenn die Eidgenossen am kommenden Sonntag mit 'Ja' stimmen, droht der Verlust der Meinungsvielfalt", fürchtet Emil Steinberger.

Zum "Weltspiegel extra: Unter Beschuss – Medien in Europa"

Öffentlich-rechtlichen Sendern in Europa weht der Wind härter ins Gesicht.

Wie das aussieht, zeigt Das Erste in einer 30-minütigen Extra-Ausgabe des "Weltspiegel", ausgestrahlt im Rahmen der "Maischberger"-Diskussion: In diesem "Weltspiegel extra" werden an diesem Abend ARD-Korrespondenten über die Situation des Rundfunks in ihren Ländern berichten - von Polen über Frankreich, Österreich, Großbritannien und Norwegen. Und auch den Wahlkampf in Italien und das heftige Ringen um jede Stimme der Ja- und Nein-Lager zur Abschaffung der Gebühren in der Schweiz nimmt der "Weltspiegel extra" noch einmal unter die Lupe. Mit im Team sind die ARD-Korrespondentinnen und Korrespondenten Olaf Bock/Polen, Julie Kurz/Großbritannien, Michael Mandlik/Österreich, Sabine Rau/Frankreich, Clas Oliver Richter/Skandinavien, Michael Schramm/Italien, Wolfgang Wanner/Schweiz. (Redaktion: Ulrich Adrian, WDR) Im Anschluss an den 30-minütigen "Weltspiegel extra" nimmt Sandra Maischberger den Faden wieder auf setzt ihren Talk fort.

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