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Nach dem Virus: Welche Chancen bieten sich der deutschen Wirtschaft?

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Nach dem Virus: Welche Chancen bieten sich der deutschen Wirtschaft? | Video verfügbar bis 29.04.2021 | Bild: dpa / Christian Charisius

  • Die Bundesregierung rechnet in ihrer Frühjahrprognose damit, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um 6,3 Prozent schrumpft.
  • Es ist die schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
  • Doch im Bereich Digitalisierung und Automatisierung nutzen Unternehmen längst neue Chancen.

Das Corona-Virus verändert unser Leben. Die Menschen gehen zwangsläufig auf Abstand: "Soziale Distanzierung". Das bringt für Firmen aber auch Chancen: Ob E-Learning statt voller Schulklassen, kontaktlose Bezahlsysteme statt Bargeld oder Pflegeroboter, die Krankenhauspersonal entlasten können. Unternehmen, die in diesen Bereichen Lösungen bieten, haben jetzt die Nase vorn.

Die neue Wirtschaftsweise Prof. Dr. Monika Schnitzer von der Ludwig-Maximilians-Universität München betont: "Wer jetzt mit guten Ideen kommt und etwas entwickelt, der wird einen großen Markt finden."

Wirtschaftsweise Schnitzer: Corona ist auch Chance für Wirtschaft | Video verfügbar bis 29.04.2021

Digitalisierung im Trend

Nur ein Beispiel ist die IT-Firma Dracoon in Regensburg, die Lösungen für sichere Online-Kommunikation anbietet. Das Besondere: Die Daten werden absolut sicher und nur innerhalb Deutschlands oder Europas gespeichert. Diese Cloud erfüllt auch die Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung. Firmenchef Marc Schieder: "Die Thematiken Sicherheit und Cloud gesamtheitlich zusammenzubringen – das ist unser Traum und unsere Vision."

Auch traditionelle Unternehmen gehen neue Wege, wie das Münchner Caféhaus Luitpold. Erlaubt ist derzeit nur der Verkauf "to go". Um Kunden zu halten, veranstaltet Geschäftsführer Stephan Meier Diskussions- und Gesprächsrunden – nicht wie sonst im Café, sondern online. So will er bei den Gästen präsent bleiben.

Und auch mit rabattierten Gutscheinaktionen will das Unternehmen Kunden binden. Das spült Geld in die Kasse, welches das Café jetzt dringend braucht. Mit den Gutscheinen kann man später im Online Shop bezahlen, zum Beispiel auch für den neuen Lieferservice des Cafés. "Insofern habe ich mich entschlossen, das als zusätzliche Maßnahme einfach zu probieren, um schnell zu handeln und auch im Gespräch zu bleiben. Das ist Marketing, um in den Köpfen weiter aktiv zu sein und wahrgenommen zu werden", so Meier.

Staatskasse braucht Steuereinnahmen

Von solchen Ideen profitiert auch der Staat. Nur wenn Unternehmen Geschäfte machen, fließen auch Steuern. Die werden dringend benötigt, da der Staat wegen Corona Milliarden-Hilfspakete geschnürt hat. Der Bund hilft bisher mit 123 Milliarden Euro, die Länder mit 51 Milliarden Euro, die Kommunen mit 4 Milliarden Euro – insgesamt also 178 Milliarden Euro, die die öffentliche Hand zusätzlich belasten.

Diese Ausgaben sind leichter zu schultern, wenn nicht auch noch die Steuerzahlungen von Unternehmen wegbrechen. Kommunen, in denen schon früh auf Digitalisierung gesetzt wurde, haben hier einen Vorteil. Ein Beispiel ist München.

Der Wirtschaftsreferent der Stadt, Clemens Baumgärtner, beobachtet, dass auch hier die Einnahmen sinken, doch nicht so gravierend, wie anderswo: "München ist ja ein Standort für viele internetaffine Betriebe. Wir haben die großen Player: Google, Apple, Amazon, Microsoft oder SAP. Und wir haben auch eine starke Gaming-, Kultur- und Kreativ-Industrie, die in München ähnlich stark ist wie auch der Bereich Automotive. Diese Produkte gehen in der Krise sehr gut."

 Finanzhilfen, aber an der richtigen Stelle

Die neue Wirtschaftsweise Prof. Monika Schnitzer empfiehlt der Bundesregierung, Finanzhilfen jetzt ganz gezielt einzusetzen: "Jede Krise birgt Chancen. Und diese Krise birgt die Chancen, dass wir auch den strukturellen Wandel einleiten, den wir brauchen. Ich denke da vor allen Dingen auch an den Wandel Richtung Klimaschutz. Und wenn jetzt Maßnahmen ergriffen werden, um später die Wirtschaft wieder zu beleben, sollte man unbedingt dafür sorgen, dass diese Gelder dann auch in die neuen Technologien gehen, dass man nicht die alten Strukturen, so wie wir sie haben, zementiert."

Top-Ökonom Felbermayr fordert Hilfen für Solo-Selbständige | Video verfügbar bis 29.04.2021

Unterstützung auch für Solo-Selbständige wichtig

Deutschland, zwar in der Krise, aber den kommenden Aufschwung im Blick – damit das gelingt, heißt es am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, müsse man Solo-Selbständige jetzt finanziell stärker unterstützen. Denn sie seien innovativ und unternehmerisch, so Instituts-Chef Prof. Gabriel Felbermayr, und für den nächsten Aufbau deshalb unverzichtbar.

Er fordert, "dass man die entgangenen Einkommen möglichst ersetzt bis zu einem bestimmten Teil, vielleicht 80 Prozent, so wie das jetzt auch beim Kurzarbeitergeld perspektivisch angedacht ist, so dass die Solo-Selbständigen und Kleinunternehmen sich nicht auch noch verschulden müssen."

Die Finanzämter, so IfW-Chef Gabriel Felbermayr, könnten auf Basis der Steuererklärungen aus dem vergangenen Jahr die Finanzhilfe berechnen und auszahlen.

Bericht: Sabina Wolf

Stand: 29.04.2020 22:50 Uhr

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