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Corona macht Reiseunternehmern das Leben schwer

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Corona macht Reiseunternehmern das Leben schwer | Video verfügbar bis 18.03.2021 | Bild: imago images / Christian Ohde

– Schwierigkeiten für mittelständische Betrieb in der Reisebranche
– Soforthilfen der Regierung wären ein erster Schritt
– Appell an die Reisenden zur Solidarität

Nisha und Laura wollten eigentlich auf Klassenfahrt sein. Eine Woche Skifahren. Doch stattdessen mussten sie Zuhause bleiben. Die Klassenfahrt wurde wegen Corona abgesagt. Die beiden Schülerinnen sind traurig, können die Absage aber verstehen.

Seit in dieser Woche die Schule geschlossen wurde, ist ihnen die Dramatik der Situation klar geworden. Die abgesagte Klassenfahrt ist eher ein Luxusproblem. Andere trifft die aktuelle Lage wesentlich härter.

Busunternehmen, Hoteliers und Veranstalter in der Krise

Zum Beispiel Jochen Pankoke, der einen kleinen Zwei-Mann-Betrieb mit drei Bussen leitet. Seit 30 Jahren gibt es das Kölner Bus-Unternehmen. Klassenfahrten und Ausflüge gehören für ihn zum Alltag. Doch jetzt bleiben die Busse auf dem Hof. Und obwohl keine Kunden da sind, hat Jochen Pankoke je Menge Arbeit - er muss unter anderem verunsicherte Anrufer beruhigen. Geld verdient er dabei nicht.  

Stornos, sagt er, seien eigentlich unüblich. Doch aktuell sieht das anders aus. Viele Fahrten wurden gestrichen - schon bevor die Regierung ein Reisestopp verhängte. "Mai und Juni ist die absolute Hauptsaison", so Pankoke. Bis Ende April könnte er seinen Betrieb weiterführen. "Aber ich weiß nicht, wie es weitergeht", sagt er: "Wie wir das als kleiner Betrieb stemmen sollen, ist uns im Moment nicht klar."

Experte: "Es geht um Tage"

Seine Angst  betrifft die ganze Bus-Branche. Mehr als 3.500 Unternehmen gibt es in Deutschland, sie beschäftigen 240.000 Beschäftigte - und erwarten einen Schaden von  mindestens 500 Millionen Euro.

Diese Zahl hat Benedikt Esser vom Bustouristik Verband in der vergangenen Woche erhoben. Um diese Verluste zu stemmen, seien Kredite der Regierung ein guter Anfang. Aber weitere Zuschüsse müssten folgen, da die Unternehmen die Krise nicht aus eigener Kraft bewältigen könnten. "Es geht für viele Unternehmen nicht mehr um Wochen oder Monate, sondern um Tage", so Esser.

Stornierungen im Minutentakt

Die Krise erwischt auch andere Betriebe in der Reisebranche. Zum Beispiel Hotels. Das "Hote Mozart" in Bonn hat 70 Betten. "Man traut sich ja kaum noch in den Computer zu gucken oder ans Telefon zu gehen", erzählt Inhaberin Hildegard Heinemann. 15 Stornierungen habe es in einer halben Stunde gegeben.

In Bonn wurden alle Veranstaltungen im Beethoven Jahr sind abgesagt. Statt durch Gewusel in den Gängen geht Hildegard Heinemann durch leere Zimmer. Schließen oder nicht? Ihre sieben Mitarbeiter braucht sie eigentlich nicht mehr, aber Kurzarbeit für sie findet sie auch unfair.

Mittelständler sind auf Hilfen angewiesen

Das "Hotel Mozart" ist einer von etwa 44.000 Beherbergungsbetrieben. Insgesamt sind hier 600.000 Menschen beschäftigt. Auch bei den Reiseanbietern trifft es vor allem den Mittelstand. Pascal Zahn ist Geschäftsführer des Reiseanbieters Olimar in Köln. Sein Kerngeschäft: Reisen nach Portugal und Südeuropa.

Appell zur Solidarität mit der Reisewirtschaft

Auch hier sind Stornierungen an der Tagesordnung. "Das hat natürlich die  Auswirkungen, dass wir in Kurzarbeit gehen müssen, da geht gar kein Weg dran vorbei", so Zahn.

Pascal Zahn ist auch Vorstandsmitglied im Deutschen Reiseverband. Dort vertritt er die mittelständischen Reiseveranstalter. Auch die sind auf Hilfen von der Regierung angewiesen. Aufgrund der dramatischen Situation hat er auch einen Appell an die Urlauber: bitte nicht stornieren sondern umbuchen.

"Schlimmer als der 11. September"

Auch das wäre eine Form von Solidarität und wichtig, meint der Anwalt und Reiserechtsexperte Hans-Josef Vogel, denn das wirtschaftliche Ausmaß für die Reiseunternehmen ist noch gar nicht abzusehen.

"Was wir jetzt erleben ist schlimmer als der 11. September, es ist schlimmer als SARS, es ist schlimmer als der isländische Vulkan, es ist schlimmer als alles, was die Reisewirtschaft bislang erlebt hat nach dem Weltkrieg", so Vogel.

Hoffnung, dass die Lust auf den Urlaub wiederkommt

"Wir alle können nur hoffen, dass es schnell zu einer Besserung kommt – und vielleicht drastische Maßnahmen jetzt eine lange, lange Zeit der Krankheit verhindern können", so Vogel.

Die Reisebranche kann nur hoffen, dass nach der  momentanen Erstarrung irgendwann die Lust auf Urlaub zurückkehrt und die Leute dann wieder unbeschwert in Urlaub fahren können.

Autor: Edith Dietrich und Tobias Spelz
Bearbeitung: Peter Schneider

Stand: 18.03.2020 23:47 Uhr

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