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Corona-Krise: Platzt jetzt die Immobilienblase?

PlayEine Baustelle in Düsseldorf
Corona-Krise: Platzt jetzt die Immobilienblase? | Video verfügbar bis 29.04.2021 | Bild: picture alliance / Norbert Schmidt

  • Schockstarre auf dem Immobilienmarkt. Die Umsätze sinken, denn seit Beginn der Corona-Krise gibt es kaum noch Verkäufe. Allein schon deswegen, weil Wohnungsbesichtigungen kaum noch möglich sind. Doch auch die Preise könnten coronabedingt in die Tiefe rauschen, wie Experten befürchten.
  • In einigen Regionen ist die Lage besonders kritisch. Und sollte die Corona-Krise länger dauern, rechnen Fachleute mit einer steigenden Zahl von Notverkäufen und sinkender Nachfrage.
  • Die Folge: Preiseinbrüche sind möglich. Wer dagegen eine Wohnung mit Balkon oder ein Haus mit Garten hat, muss sich weniger Sorgen machen. Denn seit den Ausgangsbeschränkungen wird der Vorteil der eigenen Freifläche besonders spürbar.

In Boomstädten wie München, Stuttgart oder Hamburg waren bei Immobilien jährliche Preissteigerungen im zweistelligen Bereich ganz normal. Und jetzt in der Corona-Krise? Platzt die Immobilienblase?

Ob für die Wohnung oder ein Gewerbeobjekt – seit Beginn der Corona-Krise haben immer mehr Menschen in Deutschland Probleme, ihre Miete zu zahlen. Durch ein neues Gesetz dürfen von der Krise betroffene Mieter für einen begrenzten Zeitraum ihre Zahlungen aufschieben und sind vor Kündigungen geschützt. Seitdem diese Regelung gilt, zahlen bereits 1,6 Millionen Haushalte in Deutschland keine Miete mehr.

In den Ballungsräumen ist die Nachfrage weiter sehr hoch.
In den Ballungsräumen ist die Nachfrage weiter sehr hoch. | Bild: BR

Das spüren die Vermieter, wie der Vorsitzende des Haus- und Grundbesitzervereins München, Rudolf Stürzer, berichtet: "Es gibt nicht nur den reichen Vermieter. 80 Prozent der Vermieter sind private Kleinvermieter, die auf den Eingang der monatlichen Mietzahlungen angewiesen sind. Und wenn diese Mietzahlungen nicht kommen, dann bekommt der Vermieter selber ein Problem bis hin zur Insolvenz oder zur Zwangsversteigerung." Im schlimmsten Fall könnten Besitzer gezwungen sein, sich von ihren Immobilien zu trennen. Notverkäufe heißen solche Veräußerungen im Fachjargon. Und viele Immobilienexperten gehen davon aus, dass diese in den kommenden Monaten stark zunehmen.

Stillstand auf dem Immobilienmarkt

Immobilienmarkler Wendling
Immobilienmarkler Wendling | Bild: BR

Momentan aber geht generell nur wenig auf dem Wohnungsmarkt, wie die Münchner Immobilienmakler, Markus und Andreas Wendling, berichten. Eine Wohnung zu besichtigen ist zurzeit nur aus triftigen Gründen erlaubt. Zudem halten sich viele potentiellen Käufer gerade zurück. Makler Markus Wendling: "Viele unserer Kunden haben jetzt Kurzarbeit. Und wenn sie Kurzarbeit haben, dann haben sie nicht mehr das Vertrauen: Ich kann mir das leisten."

Preiseinbrüche durch Corona

Schon nach zwei Monaten Krise ist klar: Corona wird die Immobilienpreise drücken. Darauf weist auch das Forschungsinstitut Empirica hin. Die Berliner Wissenschaftler geben regelmäßig einen Immobilien-Blasenindex heraus. Sortiert nach Städten und Landkreisen bewerten sie, wie hoch die Gefahr von einbrechenden Preisen ist. Der aktuelle Blasenindex zeigt: Die Anzahl betroffener Regionen ist innerhalb eines Jahres stark gestiegen. Waren es im ersten Quartal 2019 rund 57 Prozent der Landkreise und kreisfreien Städte, sind es 2020 schon 75 Prozent.

Reiner Braun, Empirica
Reiner Braun, Empirica | Bild: BR

Reiner Braun, der Herausgeber der Studie, unterscheidet allerdings nach Regionen: "Am wahrscheinlichsten sind Preiseinbrüche in den teuren Stadtregionen. Das wären zum Beispiel, München, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg, Berlin. Hier haben wir die größten Preissteigerungen die letzten Jahre gesehen. Und hier ist auch das Rückschlagpotential am größten." Empirica rechnet – nicht nur in den großen Städten – mit Preiseinbrüchen von bis zu 25 Prozent.

Außerdem müsse man nach Objekttypen unterscheiden, so Braun: "Wir erwarten nicht auf der kompletten Marktbreite, dass die Preise einbrechen. Wir denken eher an zwei Immobilientypen, die besonders von Preiseinbrüchen bedroht sind. Das eine sind sehr hochwertige Neubauten, und auf der anderen Seite Altbaubestände in schlechtem Zustand, vielleicht noch an einer großen Straßenkreuzung. Hier sehen wir eher die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise einbrechen."

Werden Mieten günstiger?

Immobilien-Blasenindex des Forschungsinstituts Empirica
Immobilien-Blasenindex des Forschungsinstituts Empirica | Bild: BR

Für Mieter könnten sinkende Kaufpreise auch sinkende Mieten bedeuten. In den Ballungsräumen aber wohl nicht. Dort ist die Nachfrage weiterhin sehr hoch. Und laut dem Immobilienportal Immoscout24 sind im März die Preise für neuvermieteten Wohnraum zum Beispiel in München im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,6 Prozent gestiegen. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen im gleichen Zeitraum sogar um über 10 Prozent. Von Entspannung kann da bislang keine Rede sein. Allerdings werden Auswirkungen der Corona-Krise wohl erst in einigen Monaten zu spüren sein.

Doch eines hat das Corona-Virus jetzt schon verändert: Seit Corona sind Objekte ohne Freiflächen, also ohne Balkon oder Garten, weniger gefragt. Durch die Ausgangsbeschränkungen haben nämlich viele den Vorzug der eigenen Terrasse für sich entdeckt. Vor der Krise war das oft nicht so wichtig. Und so hat das Virus auf dem Immobilienmarkt bereits Spuren hinterlassen.

Bericht: Martina Schuster und Johannes Thürmer

Stand: 29.04.2020 22:38 Uhr

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