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DDR-Münzen als Sammel-Objekt

PlayMünzen aus der DDR
DDR-Münzen als Sammel-Objekt | Video verfügbar bis 13.11.2020 | Bild: BR

  • In Halberstadt in Sachsen-Anhalt lagerten Milliarden Mark – allerdings nicht D-Mark, sondern Geldscheine der DDR, die während der Währungsunion 1990 in D-Mark eingetauscht wurden.
  • Doch wertlos waren die Scheine auch nach der Währungsunion nicht. Denn einige Exemplare, etwa die 200- und 500-Mark-Scheine, waren nie im Umlauf und sind deswegen in Sammlerkreisen durchaus begehrt.
  • Aber auch bei den DDR-Münzen gibt es Stücke, die teils für mehrere Hundert Euro gehandelt werden. Im Gegensatz zu den Gedenkmünzen der Bundesrepublik, die in den vergangenen Jahren extrem an Wert eingebüßt haben, sind die DDR-Münzen laut Experten ein interessantes Sammelgebiet.

Vor 30 Jahren war ganz Deutschland in Aufregung. Die Mauer war plötzlich offen – Ost- und Westdeutsche lagen sich in den Armen. Bereits acht Monate später kam die Währungsunion. Die D-Mark ersetzte die Mark der DDR, und damit war diese Währung Geschichte. Allerdings nicht für Sammler. Die suchen auch heute noch nach seltenen Scheinen und Münzen aus dieser Zeit. "Plusminus" auf den Spuren der längst vergessen geglaubten DDR-Mark.

In Halberstadt eingelagertes Geld
In Halberstadt eingelagertes Geld | Bild: BR

Die Nachtigallenschlucht bei Halberstadt in Sachsen-Anhalt. Sie ist der Eingang in ein weitverzweigtes Stollensystem, das über 13 Kilometer lang ist. Ein Ort, an dem sogar George Clooney schon drehte. In dem Film "Monuments Men", der 2014 in die Kinos kam, sind US-Soldaten auf der Suche nach Nazi-Beutekunst, die tief im Stollen verborgen ist. Auch in der Realität lagerte in den Stollen ein echter Schatz: Und zwar Geldscheine. Milliarden von DDR-Mark wurden 1990 kurz vor der Währungsunion eilig hierhergebracht, um in den BankenPlatz für die D-Mark zu schaffen.

Gefragtes DDR-Geld

Banknoten aus der DDR besitzt auch Michael Möbius. Er ist in Ost-Berlin aufgewachsen und sammelt seit Jahren DDR-Scheine und Münzen. Das ist insofern spannend", erzählt er, "weil ich selbst zu dieser Generation gehöre. Ich bin in der DDR groß geworden und das ist einfach eine Erinnerung. Ich habe nach der Wende auch versucht die alten Scheine zu bekommen, die einem als Kind nicht so geläufig waren oder auch die Exemplare, an die man früher einfach nicht rankam."

Michael Möbius sammelt Scheine und Münzen.
Michael Möbius sammelt Scheine und Münzen.  | Bild: BR

Auch Sammler, die nicht im Osten großgeworden sind, interessieren sich für das Geld der damaligen DDR. Auf der Münzmesse Numismata in Berlin werden einige Stücke hoch gehandelt. Allerdings nicht das normale Umlaufgeld wie Alexander Deingruber von Münzen Modes erklärt: "Möchte man nur aus Nostalgiegründen eine Münze besitzen, bekommt man die für wenige Cent. Wenn man aber als Sammler eine Sammlung aufbauen möchte, sollte der Fokus auf Gedenkmünzen, den 5,10, 20 Mark Stücken liegen."

Wertsteigerungen bei Gedenkmünzen

Denn dort gibt es besonders hohe Wertsteigerungen. Nicht nur weil die Gedenkmünzen ein abgeschlossenes Sammelgebiet sind, sondern auch, weil die Auflagen verhältnismäßig klein sind. Sie liegen bei 50.000 bis 100.000. Anders im Westen, so Matthias Senger vom Tempelhofer Münzenhaus: "Die Bundesrepublik hatte zuerst 200.000 Auflage, dann 500.000, und dann ging es hoch bis sechs und acht Millionen pro Motiv. Heute werden die nur zum Nominalwert gehandelt. Für einen 5er bekommen sie 2,56 Euro, so wie der Umtauschkurs ist." Die DDR-Exemplare sind deutlich mehr wert. Für die Münze Gebrüder Grimm mit einer Abbildung des Gestiefelten Katers zum Beispiel zahlen Sammler weit über 200 Euro. Noch beliebter: die Luther-Gedenkmünze, die bis zu 300 Euro kostet. 

Hunderte LKW voller Geld

Zurück nach Halberstadt. Hier wurden keine Münzen, sondern Geldscheine gebunkert. Hans-Joachim Büttner hat die Ankunft des Geldes damals miterlebt. Er war viele Jahre lang der Kommandant der Stollenanlage – erst in der NVA, später bei der Bundeswehr. Im Sommer 1990 organisierte er die Einlagerung des DDR-Geldes. Er erinnert sich noch gut an den riesigen logistischen Aufwand: "Als es richtig losging, ist das Geld mit großen LKW gekommen. Auf jedem Fahrzeug waren 72 Paletten, die jeweils 40 Säcke voll mit Geld enthielten. Die LKW sind in die Anlage reingefahren sind. Dort standen dann in etwa 20 Förderbänder hintereinander. Die Arbeiter haben dann von den Paletten die Jutesäcke genommen, und diese auf die Förderbänder gelegt. Das letzte Förderband stand etwas erhaben, weil bis einen Meter unter die Decke eingelagert werden sollten. Und ab und an ist ein Jutesack in einer Treibrolle hängengeblieben. Dann flogen die 100 Mark Scheine, die 50 Mark Scheine und so weiter durch die Gegend und lagen dann auf dem Boden. Die Banker standen mit Harken daneben und haben dann hektisch alles wieder aufgeharkt."

Millionen im Kofferraum

Marion Hanisch
Marion Hanisch | Bild: BR

Jeden Tag kamen 21 Sattelzüge voll mit DDR-Geldscheinen hier an. Die Zeit drängte. Denn die riesigen Bargeldbestände der DDR mussten schnell raus aus den Tresoren der Banken. Marion Hanisch noch deutlich vor Augen wie sie damals säckeweise DDR-Geld weggebracht hat. Die Bank-Mitarbeiterin transportierte mit einem Kollegen die Scheine in einem alten Wagen zu einer Annahmestelle in Potsdam. "Das waren Millionen", so Marion Hanisch. "Wir haben sie in den Kofferraum geschmissen. Und dann sind wir über die Landstraße gefahren. Vor uns die Trabis, wir in unserem Moskwitsch hinterher. Und ich dachte: Oh Gott, wenn das einer weiß. Und dann kamen wir in Potsdam auf dem Hof an. Dort warteten schon Schlangen von Autos. Da habe ich zu meinem Kollegen gesagt, wir sind wohl nicht die einzigen. Dann waren wir dran und sagten, dass wir unsere Millionen abgeben wollen. Dann hieß es, wir sollen die Säcke hergeben und sie auf zu den anderen schmeißen. Und schwuppdiwupp war das Geld weg. Wir standen dann etwas verdutzt da. Dann hieß es: Alles gut. Wir haben das vermerkt. Der Nächste, bitte!"

Diebstahl mit Folgen

Ortswechsel. Besuch des Gebäudes der ehemaligen Staatsbank-Zentrale am Berliner Bebelplatz. In den Tresoren, wo früher das Geld lag, ist heute der Wellness-Bereich eines Luxushotels. Hier lagerten tonnenweise Geldscheine – auch 200er und 500er. Die waren in der DDR nie im Umlauf. Das ganze Geld wurde schließlich von hier in die Stollen in Halberstadt gebracht. Dort sollte es verrotten. Doch es kam anders: Gut zehn Jahre später schafften es Einbrecher durch diesen Luftschacht in die Stollen. Sie klauten massenweise Scheine und verkauften diese im Internet. Das wirbelte den Sammlermarkt komplett durcheinander. Die Preise gingen in den Keller. Für die bis dahin sehr seltenen 200er und 500er D-Mark Scheine wurden zuvor umgerechnet um die 500 Euro gezahlt. Jetzt bekommt man dafür nur noch wenige Euro.

Gedenkschein als Wertanlage

DDR-Münzen
DDR-Münzen | Bild: BR

Andere Scheine sind deutlich mehr wert wie Josef Gerber aus Eching bei München erklärt. Er ist Sachverständiger für Geldscheine und besitzt einige besondere DDR-Banknoten wie zum Beispiel das sogenannte Militärgeld. Interessant ist für Sammler auch der einzige Gedenkschein der deutschen Geldgeschichte. Gedruckt kurz nach dem Mauerfall wie Josef Gerber berichtet. "Der 20 Mark Schein, Gedenkbanknote Mauerfall, wird heute zwischen 400 Euro und 600 Euro gehandelt. Das ist so die Preisspanne, in der er sich bewegt. Und dieser Geldschein wird noch weiter steigen", davon ist der Experte überzeugt.  Übrigens: Nach den Einbrüchen in den Stollen wurden die dort eingelagerten Geldscheine weggebracht und verbrannt.

Fazit: Die DDR ist längst Geschichte. Ihr Geld aber fasziniert Sammler immer noch – auch 30 Jahre nach dem Mauerfall.

Bericht: Johannes Thürmer/Martina Schuster

Stand: 13.11.2019 23:31 Uhr

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