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Unterwegs im E-Auto – wo Aufladen richtig teuer werden kann

PlayEin Elektroauto an einer E-Tankstation.
Unterwegs im E-Auto – wo Aufladen richtig teuer werden kann | Video verfügbar bis 12.05.2022 | Bild: IMAGO / teamwork

• Das Aufladen von Elektroautos ist an öffentlichen Ladepunkten teurer als über den Strom von Privathaushalten.
• Ionity etwa verweist auf den Einsatz von 100 Prozent erneuerbarer Energien und begründet so 79 Cent pro Kilowattstunde.
• Der Durchschnittpreis läge aber zwischen 40 bis 50 Cent pro Kilowattstunde, betont der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, in dem viele Ladesäulen-Betreiber organisiert sind.
• Das Bundeskartellamt überwacht den Preiswettbewerb.
• An den Ladesäulen gelten je nach Betreiber verschiedene Bezahlvorgänge.
• Im Bundestag wird über eine Änderung der Ladesäulenverordnung diskutiert, um hier für mehr Verbraucherfreundlichkeit zu sorgen.

Lothar Schröter fährt seit Jahren ein Hybrid-Auto. Sein Auto fährt mit Diesel und mit Strom. "Tankt" er diesen an der heimischen Ladestation, kostet ihn das 30 Cent pro Kilowattstunde. Doch an öffentlichen Ladepunkten werde er teilweise ordentlich zur Kasse gebeten, sagt er. Beim Vergleich der Verbrauchskosten sei das Fahren mit Strom pro 100 Kilometer über 14 Euro teurer. "Das ist demotivierend für Menschen, die sich ein Elektrofahrzeug oder ein Hybrid-Fahrzeug anschaffen wollen. Das heißt: Unter dem Strich ist es für die Privatfrau, den Privatmann ökonomisch unsinnig", ärgert sich Lothar Schröter.

Ein Mann betankt sein Auto mit Strom.
Lothar Schröter ärgert sich über überteuerte Preise an öffentlichen Ladepunkten. | Bild: MDR

79 Cent pro Kilowattstunde an der Autobahn-Ladesäule

Das gilt vor allem auf Langstrecken. Mit dem Elektro-VW ID.3 machen wir den Preistest. Gerade bei Autobahnfahrten steigt der Stromverbrauch deutlich an. Wir machen Stopp an einem Autohof an der A9 bei Leipzig. Neben der normalen Tankstelle für Benzin und Diesel stehen bereit: ein Supercharger von Tesla –  und Ultraschnellladesäulen von Ionity, einem Konsortium von Automobilhersteller mit Audi, BMW und Mercedes. Deutlich zu erkennen sind allerdings nur die Preise für Benzin und Diesel.

Die Tesla-Schnelllader sind nur für Tesla-Fahrzeuge zugänglich. Wir sehen einen Tesla-Fahrer, der an der Tesla-Säule für sein älteres Modell noch kostenlos laden kann. Bei neueren Tesla-Fahrzeugen wird der Preis bereits auf dem Display im Auto angezeigt: 36 Cent. Wir müssen mit unserem Mietwagen zu den Ionity-Säulen, dort werden 79 Cent pro Kilowattstunde verlangt.  Der Elektro-VW ID.3  verbraucht auf 100 Kilometer im Schnitt 20 Kilowattstunden. 100 Kilometer kosten damit 15,80 Euro. Einen VW Golf TSI schicken wir als Verbrenner zum Vergleich ins Rennen. Bei 1,509 pro Liter Super und einem durchschnittlichen Verbrauch von sieben Litern schlagen auf 100 Kilometer 10,56 zu Buche. Über fünf Euro weniger als beim ID.3.

Ein Mann steht neben Tesla-Ladesäulen.
Mit älteren Tesla-Modellen ist das Tanken an Tesla-Säulen mitunter sogar kostenlos.  | Bild: MDR

Wieso ist der Strom an den öffentlichen Ladesäulen so teuer?

Ionity verweist auf den Einsatz von 100 Prozent erneuerbarer Energien und begründet so die 79 Cent pro Kilowattstunde. Ein Zwischenhändler verlangt sogar noch mehr: über einen Euro für das Schnellladen bei Ionity. Also mehr als das Dreifache, was Haushaltsstrom kostet.

Für Oliver Krischer, den verkehrspolitischen Sprecher der bündnisgrünen Bundestagsfraktion, ist das indiskutabel: Das Laden eines E-Autos dürfe am Ende nicht deutlich teurer sein als das Tanken eines Verbrenners, sagt er. "Das ist Abzocke, das grenzt an Wucher", so Krischer.

Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft: Normalpreis bei 40 bis 50 Cent

Derartige überteuerte Preise seien nicht der Normalfall, betont der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, in dem viele Ladesäulen-Betreiber organisiert sind. Die Vorsitzende Geschäftsführerin sagt, dass sich der Betrieb von Ladesäulen für viele noch nicht rechne: Trotzdem seien Auswüchse wie 1,09 Euro pro Kilowattstunde ärgerlich. Das durchschnittliche Preissegment läge zwischen 40 und 50 Cent pro Kilowattstunde. "Und dann fahren Sie günstiger mit dem Elektrofahrzeug als mit dem Verbrenner", betont Kerstin Andreae. Das trifft natürlich vor allem im Stadtverkehr zu.

Eine Frau mit halblongen blonden Haaren vor einer unschraf gezeichneten Wand.
In der Regel liegen die Preise für das E-Tanken zwischen 40 und 50 Cent pro Kilowattstunde, betont Kerstin Andreae vom Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft. | Bild: MDR

Bundeskartellamt ist eingeschaltet

Das Geschäft mit dem Laden teilen sich über 100 Betreiber in Deutschland, dazu kommen noch mehr als 2.000 Zwischenhändler. Das Bundeskartellamt schaut seit fast einem Jahr besonders genau auf den Wettbewerb. Es habe "vermehrt Beschwerden über die Preise und Konditionen an den Ladesäulen" gegeben.

Diese hat auch EnBW beklagt. Dessen günstige Preise – je nach Tarif 49 oder 39 Cent –  gelten sogar für ultraschnelles Laden. Das ist etwas teurer als Haushaltsstrom, dafür aber mit hoher Ladeleistung dank Gleichstrom. Doch an Autobahnen hat EnBW kaum Säulen dafür. Übrigens: Mitunter ist das Laden von Elektroautos sogar kostenlos. Zum Beispiel bei Supermärkten oder Möbelhäusern – wenn auch nur zu den Öffnungszeiten und mit geringer Ladeleistung. 

Teils unkomfortable Bezahlmöglichkeiten

Wer an einer Ladesäule tanken will, braucht meist entweder eine anbieterbezogene Ladekarte, eine App oder muss einen QR-Code scannen, um sich zu autorisieren. Um bezahlen zu können, werden noch persönliche Daten rund um Kreditkarte oder Paypal-Konto fällig. Hat man gerade das Richtige nicht zur Hand, kann es eng werden.

Die nächste Stromtankstelle ist oft weit weg. Vor allem an Autobahnen und auf dem Land sind Ladesäulen noch rar. Das Ladesäulen-Chaos müsse beseitigt werden, fordert Grünenpolitiker Oliver Krischer: "Wenn man an die Ladesäule fährt, ist es keineswegs klar, dass man da laden kann. Hier braucht es meines Erachtens eine klare gesetzliche Regelung."

Ein Mann mit braunen kurzen Haaren und Brille.
Oliver Krischer, verkehrspolitischer Sprecher der bündnisgrünen Bundestagsfraktion, fordert einheitliche Bezahlregeln für alle Ladesäulen. | Bild: MDR

Kreditkarten-Zahlung ab 2023?

Im Bundestag wird gerade ein Entwurf der Bundesregierung zur Änderung der Ladesäulenverordnung diskutiert. Doch die brächte Verbesserungen erst nach dem 31. Dezember 2022, also ab 2023. Die Betreiber müssten dann lediglich Kreditkarten akzeptieren. Für Verbraucherverbände und den ADAC ginge das nicht weit genug. "Ich muss immer die Möglichkeit haben, mit Karte bezahlen zu können, mit Girokarte oder Kreditkarte", fordert ADAC-Hauptgeschäftsführerin Melanie Mikulla.

Eine Frau mit blonden halblangen Haaren und einem roten Mantel.
ADAC-Hauptgeschäftsführerin Melanie Mikulla fordert, dass das Bezahlen mit Giro- oder Kreditkarte an Ladesäulen möglich sein muss. | Bild: MDR

Gegenwind kommt hier vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft: "Wenn ich einem Ladesäulenbetreiber sage, du musst alles anbieten, die ganze Bandbreite – webbasiert, Terminal, PIN-Eingabe – dann kostet es viel Geld. Warum ist es verbraucherunfreundlich, wenn ich mit einer App bezahlen kann? Die Zukunft wird in diesem webbasierten Bezahlsystem liegen", entgegnet Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae.

Autor: Andreas Wolter
Bearbeitung: Carmen Brehme       

Stand: 12.05.2021 23:13 Uhr

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