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Elektroautos: Starke Konkurrenz aus China

PlayEin Elektroauto der Marke Byton
Elektroautos: Starke Konkurrenz aus China | Video verfügbar bis 13.11.2020 | Bild: picture alliance / Ulrich Baumgarten

  • "Wir treten an, um uns am Markt durchzusetzen", sagt Gerald Krainer vom chinesischen E-Auto-Start up Byton, der vor seinem Wechsel zu den Chinesen bei BMW Erfahrungen im Elektrobereich gesammelt hat. Er ist einer von vielen Ingenieuren und Marketing-Profis, die Chinas E-Autobauer mit internationalem Know-How unterstützen.
  • Die IT-Technologie für den China-SUV kommt aus den USA. Entwickelt wurde er in der Autostadt München. Die Massenproduktion startet voraussichtlich noch im November – fast zeitgleich mit VW.
  • Mit dem Umbruch in der Autobranche relativiert sich auch der technologische Vorsprung der deutschen Autohersteller. Die Automobilindustrie hierzulande steht vor einem existenzbedrohenden Wandel.

Sebastian Böttger ist Software-Unternehmer und ist schon seit Jahren elektrisch unterwegs: Er fährt das Model X von Tesla und einen BMW i3. Für Plusminus hat er ein Elektro-Auto aus China ausprobiert: Den SUV Nio ES8. Er ist mehr als fünf Meter lang und gut zwei Meter breit. 650 PS, 200 km/h Höchstgeschwindigkeit, 70 kw/h Akku. Theoretische Reichweite 355 Kilometer. Der Preis soll bei rund 70.000 Euro netto liegen. Wann der Wagen in Deutschland verfügbar ist, steht noch nicht fest.

Der chinesische Hersteller Nio hat sich in München niedergelassen. Aus gutem Grund: Am Stammsitz von BMW gibt es viele Fachkräfte. Alleinstellungsmerkmal von Nio: Die kulleräugige Nomi. Ein Assistenzsystem, das den Fahrer ansieht, mit ihm scherzt, kommuniziert und sogar Selfies machen kann.

Nach einer eintägigen Probefahrt im Stadtgebiet und auf der Autobahn kommt Sebastian Böttger zu folgendem Ergebnis: "Das Modell selber wäre mir ein bisschen zu groß. Es ist riesig. Ansonsten: Verarbeitung ist gut, Fahrwerte sind super. Der Akku ist ein bisschen klein für den Verbrauch, finde ich, aber vielleicht gibt es dann für hier noch einen größeren. Er ist auf jeden Fall eine Option."

China gibt bei der E-Mobilität Gas. Das Reich der Mitte gilt als größte Elektronation der Welt. Die Regierung hat die Branche mit gut 50 Milliarden Euro subventioniert. Seit die Fördergelder zurück gefahren werden, bricht dort der Absatz ein. Die Hersteller müssen neue Märkte erschließen und drängen nach Europa.

Das Start up Byton gilt als chinesischer Shooting-Star und der SUV M-Byte als eines der aussichtsreichsten E-Modelle aus China. Die Besonderheit an diesem Auto: Ein Display im XXL-Format. Ein internationales Team unter deutscher Leitung hat den Wagen entwickelt.

Byton ist dem VW-Konzern dicht auf den Fersen

Genau wie Nio sitzt auch der chinesische Konkurrent Byton in München. Gebaut werden die Fahrzeuge in einem Werk im Osten Chinas. Die Serienproduktion soll 2020 starten. Mit diesem Zeitplan ist Byton dem VW-Konzern dicht auf den Fersen, der Anfang November in Zwickau mit der Massenfertigung eines E-Modells begonnen hat.

Voraussichtlich 2021 wird der Wagen in Deutschland zum Kampfpreis von 45.000 Euro netto erhältlich ein. Dazu Byton CEO Dr. Daniel Kirchert: "Wir wollen global auf den Markt gehen. Nicht nur in China, sondern auch in Europa, auch in Nordamerika. Da wir das Fahrzeug als Premium-Marke etablieren, sind natürlich unsere Wettbewerber der Zukunft die BMWs, Audis und Mercedese."

Wir haben zwei Gründern aus der E-Auto-Szene getroffen. Jeder hat seine eigene Firma, aber beide leiden unter dem gleichen Problem: Sie können ihre Kunden häufig nicht bedienen. Über Online-Portale vermitteln sie elektrische Neuwagen verschiedener Marken – und fast keiner ist kurzfristig lieferbar. Dazu Dennis Hagemann von der Online-Plattform Ludego: "Die Hersteller sagen mindestens ein halbes Jahr, oder im nächsten Jahr. Bei manchen Marken können sie mir gar nicht sagen, wann das Auto kommt, was natürlich für Leute, die ein Auto bestellt haben, oder wo das alte wegkommen soll, ein Problem ist. Was katastrophal ist. Die sind gezwungen, sich jetzt noch einen Verbrenner zu holen, obwohl sie das gar nicht wollen.

Ein Beispiel: Der e-Golf. Die Produktion wird voraussichtlich 2020 eingestellt. Derzeit lockt VW sogar mit großem Rabatt, aber die Käufer müssen lange auf den Wagen warten. Das bestätigt auf Anfrage auch der Konzern. In einer E-Mail teilt uns VW mit: "Wir verzeichnen eine große Nachfrage nach diesem Modell, daher liegt die Lieferzeit aktuell bei rund 8 Monaten."

Konkurrenz aus China ist nicht zu unterschätzen

Wegen der Lieferzeiten für Elektro-Autos springen immer wieder Kunden ab, was den beiden Gründern schadet. Sie haben gemeinsam nach einer Lösung gesucht und sind in China fündig geworden. Ingo Falkenstein von Taunus eMobil: "Wir waren jetzt zwei Mal in China, fahren im nächsten Monat das dritte Mal. Wir sind dort in verschiedenen Autohäusern gewesen. Dort sind Fahrzeuge verfügbar. Wir haben uns dort einen ausgekuckt und die können liefern. Die haben Stückzahlen, wie man sie gerade braucht." 

Die Konkurrenz aus China ist nicht zu unterschätzen, denn laut Experten stehen die Chancen für einen erfolgreichen Markteintritt in Europa so gut wie nie zuvor: Dazu Ökonom Dr. Daniel Stelter aus Berlin: "Zweifellos steht die deutsche Automobilindustrie vor einem existenzbedrohenden Wandel. Weg von all dem, was uns ausgemacht hat -  Verbrennungsmotor, Getriebetechnologie, gute Mechanik – hin zu einfacheren Technologien, Batterie und Elektromotor. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass er nur sehr wenigen Unternehmen gelingt, so einen Wandel zu überleben. Nehmen Sie das Beispiel der Solarindustrie. Hierzulande mit Milliarden gefördert und heute von China dominiert. Das heißt, es ist ein ganz anderes Spiel und ich mache mir ganz große Sorgen, dass wir dieses Spiel nicht werden gewinnen können."

Der Wettbewerb könnte sich zusätzlich für die deutschen Autohersteller verschärfen, nachdem der US-Unternehmen Tesla angekündigt hat, seine erste Autofabrik in Europa im Großraum Berlin zu errichten. Es sollen Elektro-Autos, Batterien und Antriebsstränge gefertigt werden. Konzernchef Elon Musk kündigte an, die "Gigafactory 4" auf einem Gelände in der Nähe des neuen Flughafens BER bauen zu wollen. In der Hauptstadt soll zudem ein Ingenieurs- und Designzentrum angesiedelt werden.

Der harte Kampf um Marktanteile ist in vollem Gange. Die Kunden allerdings können sich vielleicht bald über neue Technologien und günstigere Preise freuen.

Bericht: Lisa Wurscher

Stand: 13.11.2019 23:32 Uhr

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