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Falsche Hotelbewertungen: Das Geschäft mit gekauften Bewertungen

PlayEin Laptop zeigt die Seite eines Hotelbewerters
Gekaufte Sterne - das Geschäft mit Fake-Bewertungen | Video verfügbar bis 07.11.2019 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

• Es gibt Agenturen, die Hotelbewertungen verkaufen.
• Portale wie HolidayCheck, Tripadvisor oder Google wollen solche Fake-Bewertungen herausfiltern.
• Im Test ist es "Plusminus" gelaungen, falsche Bewertungen an den Sicherheitskontrollen vorbei zu platzieren.

Hotelzimmer mit gebrochenen Bewertungssternen
Wie echt sind manche Bewertungen? | Bild: Mitteldeutscher Rundfunk/Imago

Mitten in Berlin trifft ein "Plusminus"- Reporter einen Mann, der etwas Besonderes anbietet: Er verkauft Hotelbewertungen. Mit solchen positiven Bewertungen können Hotelbetreiber ihre Häuser im Internet "hochjubeln". Das erledigen spezielle Agenturen, die mit Sätzen wie diesem werben: "Sie wollen mehr Umsatz für Ihr Unternehmen und bessere Bewertungen auf Google und Co? Nur wir bringen Sie dahin, wo Sie schon immer sein wollten, auf den 1. Platz." Eine andere Agentur schreibt: "Bewertungen kaufen und positive Kundenerfahrungen präsentieren. Jetzt Bewertungen ab 18 Euro kaufen." Es gibt einige Agenturen, die so etwas anbieten.

Das "Plusminus"-Testhotel im Harz

Hotel "Stubenberg" im Harz
Das Hotel "Stubenberg" diente als unser Testhotel. | Bild: Mitteldeutscher Rundfunk

Geht das wirklich so einfach? Das wird unser Reporter für "Plusminus" ausprobieren. Dazu bekommt er Hilfe aus dem Harz: Henry Keilwitz stellt sein Hotel "Stubenberg" in Gernrode zur Verfügung. Er weiß selber, wie wichtig gute Bewertungen sind: "Wenn man da keine sehr gute Bewertung hat oder nur eine mittelmäßige, dann sagen die Leute sich einfach, da gehe ich nicht hin."

Er selbst hat nur mittelmäßige Bewertungen. Sein Hotel mit gekauften Bewertungen aufzuwerten, kommt für ihn trotzdem nicht in Frage: "Natürlich habe ich es auch nötig, gute Bewertungen zu bekommen. Aber wenn, dann sollen sie echt sein. Ich denke, es sollte sich jeder immer ein eigenes Bild von dem Geschäft machen. Egal, ob es gut oder schlecht bewertet ist."

An den Kontrollen der Portale vorbei

Bewertungsportale treffen Sicherheitsvorkehrungen, um gefälschte Bewertungen auszuschließen. "Plusminus" will wissen, wie es die Agentur schafft, das zu umgehen, schließlich müsste es doch auffallen, wenn eine Person vom selben Computer immer wieder Bewertungen schreibt. Dafür trifft unser Reporter einem Anbieter von Fake-Bewertungen. Er gibt sich als Kaufinteressent aus. Der Anbieter erklärt, wie das System funktioniert:

"Wir arbeiten mit einem Team von einigen hundert Freiberuflern aus ganz Deutschland zusammen. Die werden von uns pro Bewertung bezahlt. Wenn Sie jetzt also 25 Positiv-Bewertungen bei uns kaufen, fragen wir bei unseren Mitarbeitern nach, wer Ihr Hotel bewerten will. Und die machen das dann."

Außerdem erklärt er uns, wie die Prüfungen der Portale umgangen werden: "Bei Tripadvisor werden Fragen zu Hotel oder Restaurants gestellt, zum Beispiel: 'Gab es im Hotel glutenfreie Gerichte oder hatte das Lokal Kinderhochstühle?' Wenn wir diese Fragen nicht beantworten können, dann rufen wir den Hotelier oder Restaurantbesitzer an, mit dem wir zusammenarbeiten und fragen nach, ob es diese Sachen gibt."

Unser Reporter will wissen, ob sich die Vorkehrungen wirklich so einfach umgehen lassen und bestellt für das Hotel "Stubenberg" dreibis fünf Falschbewertungen für "Tripadvisor", "Google" und "HolidayCheck". Bei diesen Portalen kann jeder Bewertungen abgeben, auch wenn er da kein Gast war. Gesamtpreis inklusive Mehrwertsteuer für 13 Positivbewertungen für unser Testhotel: 212,83 Euro.

Überprüfen Portale persönlich?

Während der Auftrag erledigt wird, fragt "Plusminus"die Bewertungsportale, ob und wie sie prüfen. "HolidayCheck" und "Tripadvisor" schwärmen von ihren mehrstufigen Sicherheitssystemen. Außerdem würde ein großes Team an Mitarbeitern verdächtige Kommentare persönlich überprüfen.

"Holidaycheck" erklärt: "Ein Mitarbeiter fordert bei Bedarf einen Übernachtungsbeleg beim Urlauber an."

Tripadvisor behauptet: "Wir untersuchen jedes Optimierungs-Unternehmen, auf das wir stoßen."

Google antwortet nicht.

Doch die Versprechen scheinen nicht zu stimmen, denn die von uns gekauften Bewertungen kommen alle durch.

Zwei Männer schauen hinter einem Hoteltresen auf einen Bildschirm.
Henry Keilwitz wünscht sich echte Bewertungen für sein Hotel.  | Bild: Mitteldeutscher Rundfunk

Unser Reporter zeigt Hotelier Henry Keilwitz das Ergebnis auf dem Portal "Tripadvisor". Fünf Positivbewertungen hatten wir dafür gekauft. Allein dadurch verbessert sich die Bewertung für das Hotel von dreieinhalb auf vier Punkte. Richtig freuen kann sich Henry Keilwitz darüber nicht: "Ich find’s schockierend, wie einfach das geht, wie einfach die Agenturen das online stellen können und dass die Portale da überhaupt nicht hinterherkommen."

Neben unserem Hotel bewertet derselbe Nutzer auch noch andere Unternehmen positiv. Innerhalb weniger Stunden waren es

  • ein Autohaus in Kreuznach,
  • einen Reparatur-Service in Würzburg,
  • eine Arzt-Praxis in Kiel,
  • ein Immobilienmakler in Nürnberg und
  • ein Kanu-Veranstalter bei Regensburg.

Ohne Konsequenzen

Rechtsanwalt Dominik Höch
Für den Rechtsanwalt Dominik Höch haben die Fake-Bewertungen keine juristischen Folgen.  | Bild: Mitteldeutscher Rundfunk

Ob diese Bewertungen ebenfalls gekauft waren? Juristische Konsequenzen hätte es jedenfalls nicht, erklärt Rechtsanwalt Dominik Höch: "Sie tun das deswegen, weil es eben nach dem Motto geht: Wo kein Kläger, da kein Richter. Denn man müsste eben tatsächlich in jedem einzelnen Fall nachweisen können: Ist das eine Fake-Bewertung, ist das eine Bewertung, der kein Kundenkontakt zugrunde lag?"

Georg Ziegler von "HolidayCheck"
Georg Ziegler von "HolidayCheck" war der einzige, der sich zu dem Problem äußerte. | Bild: Mitteldeutscher Rundfunk

"Plusminus" konfrontiert die Portale mit den gekauften Bewertungen für das Testhotel. Nur "HolidayCheck" stellt sich unseren Fragen vor der Kamera. Georg Ziegler von "HolidayCheck" ist sich des Problems bewusst: Er räumt ein, die Bewertungen seien durchgeschlüpft und wurden nicht extra von Mitarbeitern überprüft: "Die kriminelle Energie, die von solchen Betrügern mittlerweile an den Tag gelegt wird, das ist natürlich schon heftig. Wenn gerade solche unauffällig geschriebenen einzelnen Texte abgegeben werden bei uns auf dem Portal, kann es natürlich sein, dass die technische Prüfung das nicht im ersten Schritt identifiziert."

Tripadvisor erklärt: "Es ist ein wenig aussagekräftiges Experiment, ein paar falsche Bewertungen zu erstellen und uns damit ertappen zu wollen."

Google antwortet nicht.

Fazit: Ob Bewertungen gekauft sind oder nicht, lässt sich nur schwer erkennen. Hotelier Henry Keilwitz plädiert dafür, dass Kunden nicht zu sehr auf Bewertungen vertrauen sollten.

Autor: Cornel Bunz
Bearbeitung: Friedemann Zweynert

Stand: 08.11.2018 09:47 Uhr

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