SENDETERMIN Mi, 20.03.19 | 21:45 Uhr | Das Erste

Bankenfusion: Was wird aus den Mitarbeitern?

PlayFrankfurter Skyline mit den markanten Bankentürmen
Bankenfusion - Die beiden deutschen Bankgiganten sollen zusammengehen | Video verfügbar bis 19.03.2020 | Bild: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist Mittwoch, der 20. März 2019. Im Frankfurter Bankenviertel strömen Tausende Angestellte der Commerzbank zur Betriebsversammlung. Die immer wahrscheinlicher werdende Fusion ihres Hauses mit der Deutschen Bank macht sie unsicher. Sie wissen nicht, was kommt und vor allem: ob sie ihre Jobs behalten werden.

Jobabbau schon bei der letzten Fusion

Katrin Stark
Katrin Stark weiß, welche Folgen Fusionen haben können. | Bild: Hessischer Rundfunk

Was auf die Mitarbeiter zukommt, hat Katrin Stark schon einmal erlebt. Sie arbeitete direkt unterhalb des Vorstands bei der Commerzbank, als die 2008 mit der Dresdner Bank fusionierte. Von den 20.800 Mitarbeitern der Dresdner Bank und den 26.300 der Commerzbank blieben 36.700.  Mehr als 10.000 Jobs fielen weg. Katrin Stark erinnert sich auch noch an die darauffolgende Dauerkrise ihrer früheren Arbeitgeber – verbunden mit ständigem Stellenabbau:

"Sie sind in einem permanenten Umbau. Das heißt: Die Unsicherheit, die Verlustängste um Arbeitsplätze war damals da, ist heute aber viel kritischer in den beiden Instituten."

Größere Dimensionen

Christoph Meister vom Ver.di-Bundesvorstand
Christoph Meister vom Ver.di-Bundesvorstand | Bild: Hessischer Rundfunk

Die Dimensionen bei dem Zusammengehen von Deutscher Bank und Commerzbank sind heute sogar noch deutlich größer als bei der Fusion vor zehn Jahren. Kein Wunder, dass bei den Gewerkschaften die Alarmglocken schrillen. Christoph Meister aus dem Bundesvorstand von Ver.di befürchtet einen Job-Kahlschlag:

"Wir rechnen in der Größenordnung 10.000 bis 30.000 Jobs, also richtig viel. Das kommt daher, dass in Deutschland fast überall Doppelstrukturen sind. Insoweit sind Synergien durch Arbeitsplatzabbau richtig hoch. Das wird ein ganz schmerzhafter Einschnitt."

Genau das ist überall in Deutschland auf einen Blick zu erkennen: Auf der einen Seite die Filiale der Commerzbank, genau gegenüber eine Filiale der Deutschen Bank. Das ist nach einer Fusion überflüssig. Die Deutsche Bank hat noch insgesamt 1.400 Filialen, die Commerzbank 1.000.

Zusammenschluss der Banken wirkt sich bundesweit aus

Prof. Jan Pieter Krahnen von der Goethe-Universität Frankfurt
Bankenexperte Prof. Jan Pieter Krahnen | Bild: Hessischer Rundfunk

Für den Bankenexperten Professor Jan Pieter Krahnen von der Goethe-Universität Frankfurt ist es daher ganz offensichtlich, dass eine Fusion überall im Lande spürbar wäre:

"Wenn wir uns die Deutschlandkarte anschauen, dann werden wir die Möglichkeit zur Stellenreduktion überall in der Fläche haben, wie auch in der Zentrale. Es ist also kein rein Frankfurter Thema, sondern ein Thema, das im Grunde alle Zweigstellen und Niederlassungen in ähnlicher Weise betreffen wird."

Klar kommunizieren

Mit ihrer Fusionserfahrung von 2008 weiß die heutige Beraterin Stark, was den Mitarbeitern zumindest etwas hilft, nämlich klare Antworten der Arbeitgeber auf die drängendsten Fragen:

"Damit erreicht man, dass man zumindest die Unsicherheit "Oh, was passiert hier", reduziert. Man kann den Personalabbau damit nicht verhindern oder schönreden. Aber man kann zumindest ein sehr klares Vorgehen kommunizieren."

Bringt der Brexit neue Jobs?

Am Tag zuvor gab es ein großes Symposium bei der Bundesbank. Offiziell ging es hier um den Brexit, doch am Rand war die Fusion das beherrschende Thema. Der Zusammenhang: Viele hoffen, dass die Jobs, die aus London nach Deutschland kommen, können den Personalabbau abfedern. Doch es seien viel zu wenige – maximal 5.000 – und auch die Qualifikationen passten nicht zusammen, meint Oliver Wagner, Geschäftsführer des Verbandes der Auslandsbanken in Deutschland:

"Unsere Mitglieder bauen eher im Infrastrukturbereich auf, also Recht, Steuern, Treasury, Meldewesen. Das kann jetzt nicht so ohne weiteres durch einen Filialmitarbeiter erledigt werden."

Vertrauliches Papier zeigt Abfindungsregelung

Es kommen also schwierige Zeiten. Doch in einem Punkt geht es den Bankern viel besser als allen anderen: bei den Abfindungen. "Plusminus" liegt die vertrauliche Betriebsvereinbarung für die Deutsche Bank aus dem Jahr 2016 vor: Mit der hier festgelegten Formel ist der Rahmen für Abfindungen beim künftigen Personalabbau im Zuge einer Fusion abgesteckt.

Danach bekommt etwa eine 45-Jährige mit zwei Kindern, die seit 20 Jahren in der Bank arbeitet und 5.000 Euro brutto im Monat verdient, eine Abfindung in Höhe von 142.000 Euro.

Ein 60-Jähriger, der seit 30 Jahren dabei ist und einen monatlichen Bruttoverdienst von 8.000 Euro hat, erreicht die Höchstgrenze von 285.000 Euro. Auf diesen Betrag ist die Höhe der Abfindungen gedeckelt.

Der Kampf geht weiter

Jan Duschek, Ver.di
Gewerkschafter Jan Duschek  | Bild: Hessischer Rundfunk

Die große Bankenfusion wollen die Gewerkschaften natürlich trotzdem bekämpfen – mit Mitteln die in dieser Branche eher unüblich sind, wie Jan Duscheck, Leiter Bankgewerbe bei Ver.di, erklärt:

"Dann müssten sich die Vorstände auch darauf gefasst machen, dass es auch zu Demos und Streiks kommen wird."

Es sind außergewöhnliche Zeiten für viele deutsche Bankangestellte. Das große Zittern um den eigenen Arbeitsplatz hat bei vielen von ihnen gerade erst begonnen.

Autoren: Steffen Clement, Jürgen Ackermann
Bearbeitung: Friedemann Zweynert

Stand: 22.03.2019 09:35 Uhr

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