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Billionen-Hilfe – Wie die EZB Staaten rettet und Sparer umdenken müssen

PlayWie die Rettungsmaßnahmen der EZB in der Corona-Krise auch Sparer und die Altersvorsorge treffen könnte.
"Wir tragen eine große Verantwortung" | Video verfügbar bis 08.07.2021 | Bild: dpa / Boris Roessler

"Plusminus" im Gespräch mit der EZB-Direktorin Isabel Schnabel im Video.

Mit viel Geld wollen EZB-Präsidentin Christine Lagarde und EZB-Direktorin Isabel Schnabel den Euro und die Staaten der Eurozone vor einem Corona-Zusammenbruch retten. Doch die Rettungsaktion hat Schattenseiten: Die Zinsen bleiben wohl noch Jahre auf Null, für Sparer und die Altersvorsorge ein Graus. Wird die EZB den Euro und Europa retten, egal was es die Menschen kostet? Wie lange bleiben die Nullzinsen, wie lang zieht sich die Leidenszeit für Sparer noch? "Plusminus" spricht mit der EZB-Direktorin Isabel Schnabel und gibt Fragen vieler Zuschauer an sie weiter.

Kritik an der EZB-Zinspolitik

Kritik an der Geldpolitik der EZB.
Kritik an der Geldpolitik der EZB. | Bild: ARD

Die Deutsche Bundesbank in Frankfurt hat bei den meisten Deutschen über Jahrzehnte großes Ansehen genossen. Ganz anders sieht es bei der Europäische Zentralbank aus - an ihrer Geldpolitik reißt die Kritik nicht ab. Hauptkritikpunkt sind die Mini-Zinsen. Nur 29 Prozent der Deutschen finden die Zinspolitik richtig, aber 61 Prozent falsch. Auch Experten und Medien gehen mit der EZB hart ins Gericht. 

Preise für Lebensmittel gestiegen

Der "Chili-con-Carne-Index".
Der "Chili-con-Carne-Index". | Bild: ARD

In Corona-Zeiten sind auch die Preise für Lebensmittel gestiegen: Tomaten sind fast 13 Prozent teurer als Anfang Februar, Paprika fast 15 Prozent und Hackfleisch kostet vier Prozent mehr. Aus rund 70 Zutaten hat die Universität Hohenheim den "Chili-con-Carne-Index berechnet". Das Ergebnis: Das einfache Essen ist 7,5 Prozent teurer als zu Beginn der Corona-Krise. - Das ist die "gefühlte Inflation".

Gemessen haben die Statistiker in den letzten zehn Jahren aber durchschnittlich eine Inflation von 1,35 Prozent. Das ist für die der EZB zu niedrig. Das eigene Ziel von nahe zwei Prozent hat die EZB immer wieder verfehlt. Mit erwarteten 0,3 Prozent ist das Inflationsziel auch in diesem Jahr in weiter Ferne.   

Die Inflation ist mit 0,3% niedrig.
Die Inflation ist mit 0,3% niedrig. | Bild: ARD

Was die EZB-Geldpolitik für den Sparer bedeutet

Anneki Mütze steckt jeden Monat 310 Euro in ihre Vorsorge.
Anneki Mütze steckt jeden Monat 310 Euro in ihre Vorsorge. | Bild: ARD

Anneki Mütze aus Gießen steht mit ihren 33 Jahren noch am Beginn ihres Berufslebens. Jeden Monat steckt sie 310 Euro in ihre private Vorsorge. Doch so richtig überzeugt, ist sie nicht davon, dass ihre Sparanstrengung wächst und gedeiht: "Was soll ich denn jetzt anderes machen? Ich bleibe trotzdem dabei, dass ich Geld zur Seite lege in der Hoffnung, dass es halt nicht zur ganz großen Katastrophe kommt und am Ende gar nichts mehr wert ist".

Was die EZB-Geldpolitik für die Altersvorsorge bedeutet

Aufgrund der Mini-Zinsen bekommt Bernd Matt 8.000 Euro weniger von der Lebensversicherung ausgezahlt.
Aufgrund der Mini-Zinsen bekommt Bernd Matt 8.000 Euro weniger von der Lebensversicherung ausgezahlt. | Bild: ARD

Am Ende seines Berufslebens ist Bernd Matt schon angekommen. Auch der 63-Jährige hat von Beginn an vorgesorgt – mit einer Lebensversicherung. Wenn die nun am Jahresende ausbezahlt wird, bekommt er wegen der Dauer-Mini-Zinsen 8.000 Euro weniger als prognostiziert. Da hat er dann doch mal eine Frage an die EZB:  "Wie kann die EZB mir entgegenkommen, um mir meine Verluste einigermaßen wieder gut zu machen, die ich in dieser Zeit erlitten habe?"

EZB stellt sich mit "PEPP" gegen die Corona-Krise

Anleihenkäufe für über vier Billionen Euro insgesamt. Das Programm "PEPP" sieht ein Volumen von 1.350 Milliarden Euro vor.
Anleihenkäufe für über vier Billionen Euro insgesamt. Das Programm "PEPP" sieht ein Volumen von 1.350 Milliarden Euro vor. | Bild: ARD

Es ist eine gigantische Summe: 1.350 Milliarden Euro pumpt die EZB in die Eurozone. Das ist die Dimension des "Pandemic Emergency Purchase Programme", kurz PEPP genannt. Damit nimmt die EZB den Banken Anleihen von Unternehmen und Staaten ab.  Die EZB kauft dazu einer Bank Anleihen für zum Beispiel 20 Millionen Euro ab. Dazu wird der Bank diese Summe auf ihrem Konto bei der Europäischen Zentralbank gutgeschrieben. Diese Gutschrift hat die Notenbank in diesem Moment für den Kauf selbst geschaffen. Würde die Bank das Geld in bar abheben, könnte die EZB es auch drucken lassen. 

Das viele Geld soll der Wirtschaft und ganzen Länder wie dem Sorgenkind Italien aus der Krise helfen. Schon bisher hat die EZB Anleihen gekauft. Im nächsten Sommer können dann Anleihen für insgesamt 4.175 Milliarden Euro in den Büchern der EZB stehen - mehr als vier Billionen Euro.

Ein Beitrag von Steffen Clement
Online-Bearbeitung: Jan Arnold

Stand: 08.07.2020 18:44 Uhr

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