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Krypto-Geld-Falle - Wie perfide Gauner die modernen Anleger hereinlegen

PlayHohe Gewinne und Riesen-Verluste sind bei Kryptowährungen in kurzer Zeit möglich.
Krypto-Geld-Falle - Wie perfide Gauner die modernen Anleger hereinlegen | Video verfügbar bis 17.03.2022 | Bild: dpa / Marijan Murat

– Die Kryptowährung Bitcoin ist auf Rekordkurs.
– Günther Jauch und andere Prominente werben angeblich für Finanzanlagen in Krypto-Geld im Internet.
– Dahinter steckt raffinierte Fake-Werbung, um Kunden dazu zu bringen, in Krypto-Währungen zu investieren.
– Angebliche Gewinne werden den Anlegern nicht ausgezahlt.
– Viele Anleger haben dadurch zum Teil zigtausende Euro verloren.
– Die Hintermänner der Trading-Firma in unserem Beispiel sind nicht aufzuspüren.

Günther Jauch ist sauer: Betrüger benutzen seinen guten Namen, um Menschen anzulocken und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. "Das ist eine ganz bittere Geschichte. Mir persönlich kann das ja vielleicht egal sein. Aber ich weiß von vielen Menschen, die mir geschrieben haben – die Hunderte, Tausende, zum Teil Zigtausende Euro verloren haben. Ihre ganze Altersversorgung aufs Spiel gesetzt haben und auf diese Bitcoin-Anzeigen reingefallen sind. Und das ist wirklich schon sehr bitter", erklärt Günther Jauch.

Im Internet gibt es auf bekannten Nachrichtenportalen zahlreiche Artikel, in denen Prominente vermeintlich die Geheimnisse ihres Reichtums ausplaudern. Wie zum Beispiel der Show-Moderator Oliver Welke beim ZDF, Superstar-Juror Dieter Bohlen beim Spiegel, Sängerin Yvonne Catterfeld im Morgenmagazin oder Thomas Gottschalk bei Markus Lanz. Ebenfalls ganz oft dabei: die Bild und die Gründer-Show "Die Höhle der Löwen”, die mit einer neuen Staffel startet.

Fake-Werbung mit Prominenten im Internet.
Fake-Werbung mit Prominenten im Internet | Bild: ARD

"Da wird glaubwürdig ein Märchen erzählt, wie ich mich jetzt zu Bitcoin bekannt hätte und dass ich mein ganzes Vermögen da reinsetze. Zum Teil, dass ich mit Fernsehen aufhören würde, weil ich jetzt genug Geld hätte. Also das ist psychologisch schon relativ raffiniert gemacht", so Günter Jauch.

Bitcoin auf unglaublichem Höhenflug

Anstieg des Bitcoins innerhalb des letzten Jahres.
Anstieg des Bitcoins innerhalb des letzten Jahres | Bild: ARD

Die Anzeigen treffen derzeit einen Nerv. Die Kryptowährung Bitcoin hat einen unglaublichen Höhenflug hinter sich. Innerhalb eines Jahres ist der Kurs von etwa 5.000 auf über 50.000 Euro gestiegen. Eine Erfolgsgeschichte, die Betrüger geradezu anzieht, wie Professor Andreas Hackethal vom Leibniz Institut SAFE der Goethe-Universität Frankfurt weiß: "Bitcoin ist ja so eine Chiffre – für da sind Leute unglaublich reich geworden, ohne dass sie irgendetwas gemacht haben. Und das ist ja genau das Herz von Betrügereien, die sagen: Hier, ich biete Ihnen die Möglichkeit, lassen sie andere arbeiten, das geht automatisch. Ich habe die Lösung dafür gefunden, dass sie reich werden".

Professor Andreas Hackethal vom Leibniz Institut SAFE der Goethe-Universität Frankfurt.
Professor Andreas Hackethal vom Leibniz Institut SAFE der Goethe-Universität Frankfurt | Bild: ARD

Hackethal betont, dass nicht der Bitcoin an sich das Problem sei, sondern die unseriösen Handelsplattformen mit ihren Versprechungen. "Wir müssen unterscheiden zwischen dem Markt für Bitcoins. Und der geht hoch und runter, im Sinne fairen Wettbewerbs mit Angebot und Nachfrage und solchen Anbietern, die sagen, ich helfe ihnen, auf dem Markt Geld zu verdienen. Dann müssen die Alarmglocken schrillen. Weil warum sollte der etwas verschenken. Warum sollte es so einfach sein? Das ist reine Betrügerei."

Der Täuschungsmasche funktioniert international

Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz oder Arnold Schwarzenegger werben angeblich in Österreich, Roger Federer in der Schweiz. Die internationalen Fakes beobachtet auch Andre Wolf von Mimikama. Der Verein aus Wien klärt regelmäßig über solche Werbung im Internet auf: "Das Interessante ist, je nachdem von welchem Land ich diese Werbeanzeige anklicke, gelange ich auch dementsprechend auf einen Artikel in der jeweiligen Sprache meiner ip-Adresse. Das bedeutet: Dahinter verbirgt sich eine Weiche, die mich entsprechend auf einen landessprachlichen Artikel verweist." Absolut professionell gemachte Fake News, die über Anzeigen bei Google, in sozialen Medien oder auch bei seriösen Nachrichtenportalen verbreitet werden.

Andre Wolf von Mimikama beobachtet Fake-Werbung im Internet.
Andre Wolf von Mimikama beobachtet Fake-Werbung im Internet. | Bild: ARD

Wie gut gemacht die Fake-Artikel sind, musste auch Günther Jauch erfahren: "Freunde oder gute Bekannte schreiben mir, weil sie das für bare Münze nehmen und sagen: Wie kannst Du dich für Bitcoin hergeben? Was ist denn das für merkwürdige Werbung, mit der Du da zu tun hast?"

Wer die gut gemachten Fakes nicht erkennt und neugierig den Links folgt, der landet bei Angeboten wie Bitcoin Code. "Plusminus" recherchiert und stellt fest: Die Fakes sind doppelt abgesichert: Wer bei Google sucht, der findet zahlreiche auf den ersten Blick neutrale Testberichte, die die Anbieter seriös erscheinen lassen. Man muss schon genauer hinschauen, um zu erkennen, dass hinter den vermeintlichen Test-Seiten offenbar die gleiche Masche steckt.

Angebliche Gewinne werden nicht ausgezahlt

"Plusminus" trifft einen Geschädigten in Süddeutschland, der anonym bleiben möchte. Er weiß, wie perfide die Masche ist, mit der die Anleger hereingelegt werden: "Ich habe mit kleinen Beträgen angefangen. Es sah auch alles seriös aus. Und mein Kontostand ist immer weitergewachsen". Er ließ sich am Telefon überzeugen und investierte mehr – rund 40.000 Euro. Doch als er sich den beeindruckenden Gewinn auszahlen lassen will, beginnen die Probleme. "Erst hieß es, dass ich erst noch die Steuern vorab überweisen müsse, bevor ich meinen Gewinn ausbezahlt bekomme. Dann sollte ich noch vorab diverse Gebühren überweisen." Doch auf sein Geld wartet er bis heute vergeblich. Weder sein investiertes Geld noch den vermeintlichen Gewinn hat er bekommen.

"Diese Trading-Plattformen sind nur Computersimulationen"

Dieses Vorgehen kennt sein Anwalt gut. Patrick Wilson aus München ist Spezialist für Anlagebetrug mit Krypto-Geld. Seine Erfahrung: "Sollte man hier vor der Auszahlung stehen oder eine Auszahlung verlangt haben, dann behaupten die Betrüger, man müsste zunächst erst einmal noch Steuern oder Gebühren für diesen Betrag zahlen. Dann hat es tatsächlich noch nie funktioniert, dass ein Mandant diesen Betrag noch gezahlt hat und dann die Auszahlung so erwirken konnte."

Patrick Wilson ist Spezialist für Anlagebetrug mit Krypto-Geld.
Patrick Wilson ist Spezialist für Anlagebetrug mit Krypto-Geld. | Bild: ARD

Nicht nur die Werbung ist Fake – auch die Konten mit den vermeintlich steigenden Beträgen sind gefälscht. "Man muss wirklich davon ausgehen, dass dieses Handeln auf diesen Plattformen tatsächlich nicht stattfindet. Das Geld, was dort von den Geschädigten eingezahlt wird, wird sicherlich von den Betrügern direkt in die eigene Tasche gesteckt und dieses ganze Handeln wird dann nur vorgetäuscht. Es handelt sich also bei diesen Trading-Plattformen um reine Computersimulationen", erklärt Anwalt Patrick Wilson.

Das Geschäft der Betrüger boomt. Wegen der vielen Fake-Werbung und der steigenden Bekanntheit von Bitcoin und anderen Kryptowährungen. In der Kanzlei von Patrick Wilson habe man es mit Hunderten solcher Plattformen zu tun. Man müsse wahrscheinlich davon ausgehen, dass weit über 90 Prozent dieser Angebote im Internet unseriös sind.

Trading-Firmen mit Sitz im Nirgendwo

Günther Jauch im Video-Interview mit Plusminus.
Günther Jauch im Video-Interview mit Plusminus | Bild: ARD

Unser Anleger aus Süddeutschland hat sein Geld bei McGregor Trade investiert. "Plusminus" findet heraus, dass die Firma angeblich von der vanuatu Financial Service Commission (VFSC) autorisiert und reguliert wird. Ihre offizielle Firmenadresse am Flughafen des Majuro-Atolls der Marshallinseln, mitten im Nirgendwo des pazifischen Ozeans. An einer Adresse, an der sich mindestens 172 Offshore-Firmen befinden, die 2017 in den sogenannten Paradise Papers aufgetaucht sind. Hier verliert sich die Spur, die Hintermänner sind nicht auszumachen.

Also melden wir uns bei solchen Plattformen an, ohne jedoch Geld zu investieren. Das Telefon steht seitdem nicht mehr still. Sechs Anrufe innerhalb einer Stunde. Aus drei verschiedenen Ländern. Alle mit Callcenter-Hintergrundgeräuschen – auch von Plattformen, bei denen wir uns gar nicht angemeldet haben. Und alle versichern sie, dass sie uns reich machen werden – ohne Risiko und mit Bitcoin. So wie Günther Jauch? "Nein. Ich habe noch nie in meinem Leben einen Bitcoin besessen. Ich gebe auch zu, dass ich das System bis heute noch nicht ganz verstehe. Aber ich würde das nie anfassen. Kaufen sie sich meinetwegen einen Schnaps und kaufen Sie sich ein Sofa, was Prominente empfehlen. Aber bitte, bitte nicht was Geldanlage angeht."

Vor allem dann nicht, wenn sich die Artikel als Fake herausstellen und die Gelder der Anleger im Ozean verschwinden.

Ein Beitrag von Julian Herbst
Online-Bearbeitung: Jan Arnold

Stand: 18.03.2021 12:25 Uhr

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