SENDETERMIN Mi, 29.05.19 | 21:45 Uhr | Das Erste

Warum wieder so viele Getränke in Dosen verkauft werden

PlayGetränkedosen erleben eine Renaissance.
Warum wieder so viele Getränke in Dosen verkauft werden | Video verfügbar bis 29.05.2020 | Bild: dpa / Jens Büttner

– Großes Angebot an Dosengetränken in Märkten und Discountern
– Verkaufszahl von Dosen steigt kontinuierlich an
– Besonders beliebt sind Energydrinks in Dosen
– Die Einweg-Plastikflasche bei Bier kommt beim Kunden nicht an
– Das Recyceln der Dosen ist aufwendig
– Aktuelle Studien über die Gesamtökobilanz der Getränkedose gibt es nicht
– Regionale Trendgetränke aus der Dose sind ökologisch unsinnig
– Je regionaler ein Getränk, desto besser die Mehrwegpflasche

Die Dose feiert ihr Comeback. Die Verkaufszahlen gehen kontinuierlich und steil bergauf. Im Jahr 2018 sind wieder mehr als dreieinhalb Milliarden Dosen verkauft worden. Hat das Pfandsystem endgültig versagt? Plusminus zeigt die Gründe und Folgen durch die Renaissance der Alu-Dose.

Comeback der Getränkedose aus Aluminium

Die Getränkedose ist wieder im Geschäft – mit vielen ökologischen Nachteilen, aber auch mit klaren Vorteilen. Das Angebot in den Märkten ist riesig. Neben der üblichen Cola-Dose reihen sich immer mehr Bier, Energydrinks, Limonaden, Alkohol-Mix-Getränke und Sekt-Dosen aneinander. Einhundert verschiedene Getränke in der Dose verkauft Marktleiter Christian Borowicz in einem Markt in Hanau. Auch optisch verändern sich die Dosen mit einem ansprechenden Design. Die Kunden greifen wieder gerne zu, das belegen die Verkaufszahlen. Dabei war die Dose eigentlich fast ausgestorben.

Im Jahr 2018 wurden 3,5 Milliarden Dosen verkauft

Verkaufte Getränkedosen
Verkaufte Getränkedosen | Bild: Das Erste

Vor der Einführung des Dosenpfands im Jahr 2002 wurden 7,5 Milliarden Dosen verkauft. Auf Grund des Pfands stürzte der Wert dann auf 0,3 Milliarden ab. Seitdem geht es wieder bergauf. Im vergangenen Jahr gab es trotz des Dosenpfands 3,5 Milliarden Verkäufe in Deutschland. Allein vom Jahr 2017 auf das Jahr 2018 gab es einen Anstieg um 23 Prozent.

Besonders beliebt sind Energydrinks in Dosen

Verkaufszahlen Energydrinks
Verkaufszahlen Energydrinks | Bild: Das Erste

In Deutschland wurden 2013 rund 440 Millionen Energydrinks in Dosen verkauft, fünf Jahre später, knapp 700 Millionen. Das ist ein Plus von 58 Prozent. Der zweite Dosen-Antreiber ist das Bier. Hier hat das Angebot stark zugenommen. Besonders die Discounter machen damit ihr Geschäft. Ursprünglich sollte die Einweg-Plastikflasche den Discounter-Bier-Markt erobern. Doch die kam bei den Kunden nicht an.

Die Alu-Bierdose feiert erst seit wenigen Jahren ein Comeback – trotz oder vielmehr wegen des Pfands. Erst seit 2015 können nämlich auch Bierdosen problemlos an den Pfandautomaten zurückgegeben werden. Seitdem explodieren die Verkaufszahlen beim Discounter: "Die Akzeptanz von Bier in Dosen ist durch das Angebot von bekannten, überregionalen Biermarken in Dosen insgesamt gestiegen. So konnten wir unser Sortiment in diesem Bereich breiter und vielfältiger aufstellen", bestätigt der Discounter Aldi Süd.

Das Recyclen der Dosen ist aufwendig

Geschredderte Dosenreste für das Recycling
Geschredderte Dosenreste für das Recycling | Bild: Das Erste

Breiter und vielfältiger sieht dann auch das Aluminium aus den Pfandautomaten aus, das in der Recycling-Anlage landet. Plusminus besucht die Recycling-Anlage von Reinhold Löhr im rheinland-pfälzischen Landau. Hier zeigt sich, wie aufwendig das Wiederaufbereiten der Alu-Dosen ist. Jeden Monat kommen bis zu 250 Tonnen geschredderte Dosenreste an, die dort zu Granulat verarbeitet werden. Die kleinen Aluminium-Kugeln werden vor allem an die Stahlindustrie verkauft. Dazu muss das Aluminium allerdings sauber sein."Die Dosen haben generell innen und außen eine Beschichtung, denn das Lebensmittel darf nicht mit dem Aluminium in Kontakt kommen. Dieses Material muss entfernt werden, bevor das Aluminium für die Stahlindustrie brauchbar ist", erklärt Reinhold Löhr.

Der Aufwand für das Recycling ist enorm. In einem zweistufigen Verfahren werden die Dosenschnipsel größtenteils von Lack, Kunststoff- und Getränkeresten befreit, bevor sie verarbeitet, sortiert und an die Kunden weitergegeben werden. 

Belastung für die Umwelt?

Der Verband der Dosenhersteller wirbt mit einer Recyclingquote von 99 Prozent. Doch aus dem Recyclingmaterial werden nicht immer wieder neue Dosen. Um mehr neue Dosen herzustellen, muss immer wieder aufwendig neues Aluminium gewonnen werden. Verpackungsexperte Gerhard Kotschik vom Umweltbundesamt in Dessau erklärt: "In Dosen werden 50 bis 70 Prozent Recyclingmaterial eingesetzt. 30 bis 50 Prozent Primäraluminium müssen dann aber noch zusätzlich eingesetzt werden. Das belastet die Umwelt durch die hohe Energie, die benötigt wird, um Primäraluminium herzustellen. Von daher sollten wir versuchen, möglichst wenig davon zu nutzen."

Pfandfreie Dose
Pfandfreie Dose | Bild: Das Erste

Aktuelle Studien über die Gesamtökobilanz der Getränkedose gibt es nicht. Es ist derzeit unmöglich zu sagen, ob Alu, Glas oder Plastik besser ist. Für das Umweltbundesamt ist die Mehrwegflasche allerdings die beste Wahl für Produkte aus der Region: "Wer besonders umweltfreundlich sein will, der sollte auf jeden Fall dazu greifen. Mehrweg-Getränkeverpackungen schneiden hier am besten ab", sagt Gerhard Kotschik vom Umweltbundesamt.

Ökologisch unsinnig: Regionale Trendgetränke aus der Dose

Benedikt Kuhn hat schon im Jahr 2007 auf die Dose gesetzt und verkauft Apfelwein in Hessen ausschließlich in Dosen. Er sieht darin einen Vorteil: "Die Dose ist komplett designbar, während eine Flasche dabei auf das Etikett beschränkt ist." Das ist allerdings wenig umweltfreundlich, denn weinhaltige Getränke sind in Deutschland vom Pfandsystem ausgenommen. Diese Dosen landen daher oftmals in der Natur oder im Normalmüll und werden in diesem Fall gar nicht recycelt.

Ein Beitrag von Naïma Kunze
Bearbeitung: Jan Arnold

Stand: 29.05.2019 23:32 Uhr

2 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.

Sendetermin

Mi, 29.05.19 | 21:45 Uhr
Das Erste

Produktion

Hessischer Rundfunk
für
DasErste