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Einmal Weltspitze und zurück – 150 Jahre Deutsche Bank und Commerzbank

PlayDeutsche Bank und Commerzbank - zwei deutsche Großbanken.
Einmal Weltspitze und zurück – 150 Jahre Deutsche Bank und Commerzbank | Video verfügbar bis 26.02.2021 | Bild: dpa / Arne Dedert

– Vor 150 Jahren wurden die "Commerz- und Discontobank“ und die "Deutsche Bank gegründet"
– Über Jahrzehnte war die Deutsche Bank ein Erfolgsgarant
– Seit der Finanzkrise fällt der Aktienkurs von Deutscher Bank und Commerzbank
– Durch Finanzskandale wie Tricksereien im Devisenhandel, US-Hypotheken-Skandal, Libor-Skandal oder Hilfe bei Steuerhinterziehung hat die Deutsche Bank das Vertrauen bei vielen Kunden verspielt
– Deutsche Bank muss mehr in Digitalisierung investieren, der Wettbewerb wird durch neue Online-Finanzunternehmen härter
– Der Konzernumbau sieht eine drastische Reduzierung der Stellen und Filialen vor

Machtvolle Banker bei der Deutschen Bank in ihrer ganz eigenen Welt. Noch vor acht Jahren erklärte der Chef Josef Ackermann mit Stolz, dass die Deutsche Bank:"…auch in schwierigen Zeiten stattliche Gewinne erzielen kann und zu den besten Adressen der Welt zählt." Heute ist von "einer der besten Adressen der Welt" keine Rede mehr. Der Glanz, wie in Zeiten unter Alfred Herrhausen, ist längst verblasst. Plusminus will wissen, was die Gründe für den Niedergang sind und welche Perspektive die Deutsche Bank für die Zukunft hat. Antworten geben die Professoren Jan-Pieter Krahnen und Andreas Hackethal vom Frankfurter Leibniz-Institut SAFE.

Deutsche Bank: Jahrzehnte eine Erfolgsstory.

Professor Jan Pieter Krahnen ist Kapitalmarkt-Experte.
Professor Jan Pieter Krahnen ist Kapitalmarkt-Experte. | Bild: ARD

Ob Wirtschaftswunder oder Aufstieg zum Exportweltmeister: Die Deutsche Bank und die deutsche Wirtschaft waren viele Jahrzehnte eine große Erfolgsstory. Ende der 80er Jahre verkündete der damalige Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, eine ganz neue Strategie. Die Deutsche Bank sollte eine global aufgestellte internationale Investmentbank werden, integriert in eine Geschäftsbank. Diese Vision wurde in den Folgejahren umgesetzt. "Man kann ihn sicherlich nicht dafür verantwortlich machen, was dann passiert ist. Aber er hat sicherlich die Fahne in diese Richtung gesetzt - und nachher ist man in diese Richtung gegangen", erklärt Bankenexperte Jan Pieter Krahnen.

Für die Deutsche Bank endete dieser Weg in der Sackgasse. Wer vom ruhmreichen Geldhaus heute noch etwas hören will, muss mit den Kunden in die Vergangenheit zurückreisen. Früher galt die Bank als eine Art Festung in der Wirtschaftslandschaft, als Symbol im Ausland mit ihren Bankentürmen. Heute sind viele Kunden enttäuscht von der Deutschen Bank und haben dem Geldhaus den Rücken gekehrt.

Aktienkurs: Nach der Finanzkrise folgt der Absturz

Die Aktien von Deutscher Bank, aber auch der Commerzbank, haben im Vergleich zum Deutschen Aktienindex einen beispiellosen Absturz erlebt.   

Die Aktienkurse der Deutschen- und Commerzbank im Vergleich.
Die Aktienkurse der Deutschen- und Commerzbank im Vergleich. | Bild: ARD

Seit Einführung des Aktien-Index DAX kletterte der Kurs trotz der Rückschläge beim Platzen der Dotcom-Blase und in der Finanzkrise immer weiter an. Die Aktie der Deutschen Bank war bis zur Finanzkrise im Jahr 2008 gleichauf, doch danach verfällt der Kurs und blieb bis jetzt im Keller. Noch dramatischer ist die Entwicklung bei der Commerzbank - ihr Wert sank auf Schrumpfkurs. Für das Desaster der beiden Banken gibt es nach Meinung des Bankenexperten Professor Andreas Hackethal auch gemeinsame Gründe: "Es gibt tatsächlich sehr viele Parallelen - wahrscheinlich deswegen auch die Überlegungen im letzten Jahr zu fusionieren. Beide Banken sind natürlich von dem großen Umbruch mit Regulierung, Niedrigzinsen und Technologie betroffen."

Internationale Banken haben die Finanzkrise viel besser gemeistert als die Deutsche Bank. In den USA, aber auch in Europa, zeigten andere Großbanken, wie es nach der Krise wieder aufwärts geht.

Der Aktienkurs der Deutschen Bank im internationalen Vergleich.
Der Aktienkurs der Deutschen Bank im internationalen Vergleich. | Bild: ARD

Seit Mitte der 90er Jahre hat sich der Börsenwert der internationalen Banken trotz Finanzkrise gesteigert - ganz anders als bei der Deutschen Bank: Die Schere geht weit auseinander. "Vor allen Dingen die angelsächsischen, aber auch andere europäische Banken haben in der Krise viel stärker eine staatliche Unterstützung erhalten. Die Deutsche Bank hat das immer abgelehnt und hat in nie direkt eine Unterstützung bekommen. Das hat sie natürlich dann im Nachgang der Krise einfach auch schwächer gemacht", analysiert Bankenexperte Jan Pieter Krahnen.

Image verspielt: Betrug und Kundentäuschung

In der Champions League spielte die Deutsche Bank aber lange Zeit in den ganz unrühmlichen Disziplinen Betrug und Kundentäuschung. Ob Tricksereien im Devisenhandel, Embargo-Verstöße, Geldwäsche oder auch Goldpreis-Manipulation, US-Hypotheken-Skandal, Libor-Skandal, Hilfe bei Steuerhinterziehung oder Umsatzsteuerbetrug. Alles das kostete die Deutsche Bank am Ende rund 18 Milliarden Euro an Strafzahlungen – und unendlich viel Vertrauen bei den Kunden. Der Ruf ist bei vielen Kunden ruiniert. Was kann da die Perspektive für die Zukunft sein?

Der Wettbewerb wird noch härter. Geschäftsbanken wie Deutsche- oder Commerzbank kämpfen traditionell um Marktanteile mit Genossenschaftsbanken wie Volks- und Raiffeisenbanken sowie mit den Sparkassen. Jetzt kommen auch noch neue Finanzunternehmen aus der Onlinewelt dazu.   

Digitalisierung: Der Wettbewerb wird härter

Professor Andreas Hackethal ist Privatkunden-Experte.
Professor Andreas Hackethal ist Privatkunden-Experte. | Bild: ARD

Privatkunden-Experte Andreas Hackethal sieht das so:"Natürlich dürfen die ganz großen Technologieunternehmen, die viele Branchen mittlerweile schon durchgewirbelt haben, auch in der Finanzbranche nicht fehlen. Denn die schicken sich mittlerweile auch an, ins Bankgeschäft vorzudringen. Das bedeutet, dass der Wettbewerb intensiver wird und neue Lösungen da sind, die die alten Banken so noch gar nicht anbieten können. Das heißt, das Tempo verstärkt sich. Die alten Banken müssen in die Digitalisierung investieren"

Beim modernen Banking sind viele Filialen überflüssig. Es werden weniger Bankberater gebraucht. Hier hat die Deutsche Bank längst umgesteuert. Die Zahl der Mitarbeiter stieg noch bis zum Jahr 2010 auf mehr als 100.000 Beschäftigte. Nach dem aktuellen Konzernumbau bleiben im Jahr 2022 dann noch 74.000 Mitarbeiter übrig. Von 1.330 Filialen zur Jahrtausendwende sind aktuell noch rund 500 Standorte übrig. Der Mega-Trend "Online-Banking“ ist noch lange nicht vorbei.

Weniger Kosten ist das eine, ein Geschäftskonzept für die Zukunft das andere. Dafür läuft gerade ein großer Konzernumbau: Unter einem gemeinsamen Dach gibt es vier Einheiten: Die Geschäfte mit Privatkunden und Unternehmen sollen in Zukunft wachsen, wie auch die Vermögensverwaltung. Dagegen soll der einstige Heilsbringer - das risikoreiche Investmentbanking - schrumpfen. Alles mit dem Ziel, in Zukunft wieder Geld zu verdienen, statt immer neue Verluste einzufahren.

Quo vadis Deutsche Bank?

"Es ist schwer bis gar nicht vorstellbar, dass es die Deutsche Bank in ein paar Jahren nicht mehr geben wird. Aber die Fallhöhe der letzten 20 Jahre war schon immens. Das heißt, mittlerweile ist vieles denkbar: Dass es gerade so weitergeht, dass sie vielleicht aufgekauft wird, dass es zu ganz anderen Konstellationen kommt oder dass sie vielleicht die Kurve bekommt. Es ist vieles bis alles denkbar", meint Professor Andreas Hackethal.

Nur eines ist nicht denkbar: Dass die Arroganz von einst zurückkommt. Die ist nach dem tiefen Fall nur noch Teil der Geschichte von der Deutschen Bank. 

Ein Beitrag von Steffen Clement
Online-Bearbeitung: Jan Arnold

Stand: 26.02.2020 23:08 Uhr

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