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Banken-Fusion – Wie eine "Deutschland-Bank" aussehen sollte

PlayDebatte zu Bankenfusion
Banken-Fusion – Wie eine "Deutschland-Bank" aussehen sollte | Video verfügbar bis 06.03.2020 | Bild: dpa / Arne Dedert

- Seit Wochen Diskussionen über die Fusion von Commerz- und Deutscher Bank
- Drei Bankexperten entwerfen für "Plusminus" ein Szenario: Die "Deutschland-Bank"
- Universalbank als Geschäftsmodell
- Anzahl der Filialen: Eine Filiale pro 10.000 Kunden
- Die Zukunfts-Bank sollte einen Börsenwert von über 40 Milliarden Euro haben
- Kosten einer Fusion wären groß
- Experten favorisieren eine europäische Lösung

Seit Wochen wird über eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank diskutiert. Die Politik schiebt sie offenbar hinter den Kulissen an, und hinter vorgehaltener Hand schwindet in den obersten Etagen der Geldhäuser auch schon der Widerstand. Eine Art "Deutschland-Bank" könnte also in den nächsten Monaten entstehen.

Doch was bräuchte Deutschland eigentlich wirklich für eine Bank? Was fehlt? Was muss eine "Deutschland-Bank" können angesichts der ohnehin schon großen, oder wie Kritiker sagen, überfüllten deutschen Bankenlandschaft mit Sparkassen, Genossenschafts- und Geschäftsbanken?

Aber würde ein nationaler Champion wirklich weiterhelfen? Um Antworten darauf zu finden, haben drei Banken-Experten von der Frankfurter Goethe-Universität ein spannendes Experiment gewagt: Wie sähe sie überhaupt aus, die ideale Bank für Deutschland?

Das Geschäftsmodell

Experte für den Kapitalmarkt: Professor Jan Pieter Krahnen
Experte für den Kapitalmarkt: Professor Jan Pieter Krahnen | Bild: Das Erste

Eine Grundsatzfrage müssen Jan Pieter Krahnen, Andreas Hackethal und Rainer Haselmann gleich zu Beginn klären: Welche Art von Geschäften soll die neue Zukunftsbank machen? Sollen alle drei Geschäftssäulen – Privatkundengeschäft, Firmenkundengeschäft und auch das umstrittene Investmentbanking – unter einem Dach geführt werden, als sogenannte Universalbank? Oder wäre eine Aufteilung besser. Die drei Professoren entscheiden pragmatisch: "Wenn man an eine Ideal-Bank denkt, dann könnte man sich natürlich verschiedene Modelle vorstellen. Aber wir nehmen jetzt mal die Universalbank, weil sie im Moment deutscher und europäischer Standard ist.“

Die Filialen

Experte für das Privatkundengeschäft: Professor Andreas Hackethal
Experte für das Privatkundengeschäft: Professor Andreas Hackethal | Bild: Das Erste

Die Deutschen gehen immer seltener in ihre Bankfiliale. Kein Wunder, denn online-Banking boomt und auch das mobile Bezahlen wird immer öfter eingesetzt. Für die Banken ist das Filialgeschäft teuer, deshalb sind sie oft die erste Stellschraube, wenn gespart werden soll. Laut Bundesbank sind von den 42.000 Filialen, die 2007 geöffnet waren, noch knapp 32.000 geblieben. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern liegt Deutschland im Mittelfeld. Wie viele Filialen braucht es also? Dazu orientieren sich die Experten an erfolgreichen ausländischen Banken. "Ganz ohne Filialen geht es nicht. Auf Deutschland übertragen bedeutet das: Eine Filiale pro 10.000 Kunden reicht. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank liegt mit 1,3 Filialen darüber, die Commerzbank mit 0,8 leicht darunter.“

Die Größe

Experte für Bankregulierung: Professor Rainer Haselmann
Experte für Bankregulierung: Professor Rainer Haselmann | Bild: Das Erste

Knapp 16 Milliarden Euro –so viel ist die Deutsche Bank an der Börse nur noch wert. Ein Alarmzeichen. Mit rund acht Milliarden Börsenwert ist die Commerzbank erst recht ein Zwerg. Um international auf Augenhöhe mitspielen zu können, sollte die Zukunfts-Bank einen Börsenwert von über 40 Milliarden Euro haben, so die Einschätzung der Frankfurter Forscher: "Die Bank sollte auch im Investmentbanking unter den Top Ten sein, sonst ist man einfach nicht bedeutend. Heute eine kritische Größe zu haben, ist sozusagen das Eingangs-Ticket dafür, in einem zukünftigen Bankenmarkt, der zunehmend international wird, auch mitzuspielen“, so Andreas Hackethal. Denn werden die Banken zu klein, werden sie schnell zu Übernahmekandidaten.

Die Effizienz

Die ideale Bank müsste natürlich auch ihre Kosten im Griff haben, deswegen ist Effizienz ein wichtiges Merkmal. Bedeutet für die "Deutschland-Bank" nach internationalen Maßstäben: Weniger als 70 Cent sollte sie aufwenden für einen Euro Ertrag. Davon sind beide Banken noch weit entfernt: die Deutsche Bank landet bei über 90 Cent, die Commerzbank bei mehr als 70 Cent pro Euro. Krahnen gibt zu bedenken: Die Erträge hängen mit den Kosten zusammen, fährt man die Kosten zu sehr herunter, geht Geschäft verloren. Haselmann ergänzt, dass Effizienzsteigerungen in Deutschland schwer seien. Die Konkurrenzsituation durch Volksbanken und Sparkassen sei im Vergleich zu anderen europäischen Ländern viel härter.

Kosten einer Fusion wären immens

Zuletzt versuchen die drei Forscher den Realitäts-Check: Wie nah käme die fusionierte Großbank aus Deutscher und Commerzbank dem Ideal der "Deutschland-Bank"?

Wie die Experten eine Fusion zwischen Commerz- und Deutscher Bank einschätzen
Wie die Experten eine Fusion zwischen Commerz- und Deutscher Bank einschätzen | Bild: Das Erste

Das Ergebnis der Experten ist ernüchternd: Zwar würde das neue Institut weniger Mitarbeiter und weniger Filialen haben – aber die Kosten einer Fusion wären immens. Ob sich so das Verhältnis von Aufwand und Ertrag verbessert, sei fraglich. Keine Fortschritte sind zu erwarten bei: Globaler Präsenz, Ranking im Investmentbanking, Börsenwert und für die Stabilität. Bankenforscher Krahnen zieht folgendes Fazit: "Einen großen nationalen Champion zu schaffen ist ein Irrweg. Banken müssen pleitegehen und abgewickelt werden können, ohne dass der gesamte Finanzmarkt mit in den Abgrund gerissen wird. Der nationale Champion würde aber unbedingt die Rettung durch den Steuerzahler einfordern. Das ist genau das, was wir in den letzten Jahren durch die Bankenunion verhindern wollten.“

Die "europäische Lösung" für die Bankenfusion
Die "europäische Lösung" für die Bankenfusion | Bild: Das Erste

Die drei Forscher sehen als Ausweg nur eine europäische Lösung. Die schwachen deutschen Großbanken bräuchten einen starken europäischen Partner. Doch bislang hat keine andere europäische Bank Interesse bekundet.

Beitrag von Steffen Clement und Sandra Scheuring
Bearbeitung: Jan Arnold

Stand: 06.03.2019 23:50 Uhr

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