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Was Deutschlands Städte der Klimawandel kostet

PlayBegrünte Dächer auf Häusern
Was Deutschlands Städte der Klimawandel kostet | Video verfügbar bis 04.09.2020 | Bild: dpa / Stephanie Pilick

- In deutschen Städten wird es im Sommer immer öfter immer wärmer
- Es gibt große Temperaturunterschiede zwischen Innenstädten und Umland
- Das Anlegen von "Grünen Dächern" auf Gebäuden wird von manchen Städten finanziell unterstützt
- Hellere Straßenbeläge speichern weniger Hitze und sorgen so für eine geringere Temperatur
- Frischluftschneisen in Wohngebieten bringen kühlere Luft

Durch lange Hitze und Trockenheit müssen Deutschlands Städte umdenken. Maßnahmen wie grüne Dächer, hellere Straßen oder Frischluftschneisen sollen helfen. "Plusminus" rechnet nach, wie teuer der Klimawandel in den Städten wird.

Temperaturen jenseits der 40 Grad: Dieser Sommer hat neue Hitzerekorde aufgestellt. Besonders für dicht bebaute Städte ist das eine Herausforderung. Auch für Frankfurt. Die Stadt in Hessen zählt im Jahr 2018 als wärmste Stadt Deutschlands, mit der höchsten Durchschnittstemperatur.

Meteorologe Tim Staeger aus dem ARD-Wetterzentrum weiß, dass die Hitze gerade in den Stadtzentren ein großes Problem ist: "Es werden große Temperaturunterschiede zwischen Umland und Innenstadt gemessen. In der Innenstadt Frankfurts ist es im Extremfall am Morgen sogar fünf bis sechs Grad wärmer gegenüber dem Umland in einer Sommernacht." Drängender denn je sind Konzepte gefragt, die überhitzten Städte abzukühlen. Weniger Hitze, aber welche Maßnahmen sind effektiv und wie hoch sind die Kosten?

"Grüne Dächer" in den Städten

"Plusminus" ist zu Gast auf einem Dach eines Automobilkonzerns in Frankfurt. Mitarbeiter haben hier an mehreren Stellen Beete anlegen lassen, mit finanzieller Unterstützung der Stadt. Bei "Grünen Dächern" übernimmt die Stadt Frankfurt die Hälfte der Kosten.

Kosten für ein grünes Dach an einem Beispiel in Frankfurt.
Kosten für ein "Grünes Dach" an einem Beispiel in Frankfurt. | Bild: Das Erste

Für die knapp 450 Quadratmeter große Bepflanzung hat die Firma 25.000 Euro ausgegeben. Die Pflege durch einen Gärtner kostet 1.000 Euro pro Jahr. Im Gegenzug spart das Unternehmen jährlich 8.000 Euro an Energiekosten und 2.000 Euro durch eine niedrigere Abwassergebühr ein. Man erwarte damit sogar eine Senkung der Heizkosten im Winter und der Kühlungskosten im Sommer. Die Ausgaben des Unternehmens für das Projekt des "Grünen Dachs" sollte sich so in zwei bis drei Jahren amortisiert haben. Für das Klima im Dachgeschoss lohnen sich die bepflanzten Dächer. Um eine ganze Stadt abzukühlen, reicht das aber nicht. Eine weitere Möglichkeit sind helle Straßenbeläge.

Hellere Straßenbeläge gegen die Hitze

Lutz Weiler ist Bauunternehmer aus Offenbach und experimentiert seit langem mit verschiedenen Asphalt- und Betonmischungen. Zusammen mit einem Kollegen misst er die Temperatur und den Reflexionsgrad des typisch schwarzen Asphalts. An dem Vormittag, an dem wir ihn besuchen, ist es schon 35 Grad warm. Direkt über dem Asphalt misst Lutz Weiler sogar 48 Grad. "Der Asphalt wird sich weiter erhitzen und man erreicht Werte von bis zu 80 Grad Celsius, wenn es richtig warm wird um die Mittagszeit", erklärt der Bauunternehmer.

Die Sonnenwärme speichert der schwarze Asphalt bis zu 90 Prozent. Ganz anders sieht es ein paar Meter weiter auf der helleren Fläche aus. Hier liegt eine besondere Asphaltmischung, die bald in der Düsseldorfer Innenstadt zum Einsatz kommen soll. Dieser Straßenbelag nimmt nur rund 70 Prozent der Sonnenwärme auf.

Heller Asphalt gibt messbar weniger Wärme ab als ein gewöhnlich dunklerer Straßenbelag.
Heller Asphalt gibt messbar weniger Wärme ab als ein dunkler Straßenbelag. | Bild: Das Erste

Helle Straßenbeläge helfen gegen Extremhitze. Im amerikanischen Los Angeles streicht die Stadtverwaltung seit dem Jahr 2017 einzelne Straßenzüge mit weißer Spezialfarbe an. Das senkt die Bodentemperatur um rund neun Grad. In Deutschland sind helle Beläge noch selten, obwohl die Mehrkosten überschaubar sind. Ein schwarzer Asphalt kostet laut Lutz Weiler zwischen 31 und 55 Euro pro Quadratmeter. Eine hellere Deckschicht würde nur drei Euro mehr kosten. Noch effektiver als helle Straßenbeläge oder Begrünung sind Frischluftschneisen.

Frischluftschneisen in bebauten Gebieten bringen Abkühlung

Im Planungsamt der Stadt Frankfurt arbeitet Uwe Wahl. Er weiß, dass Frischluft die Umgebung im Sommer bis zu fünf Grad abkühlen kann. Zum Beispiel auf dem Riedberg, einem Neubaugebiet im Norden Frankfurts. "Das sind Luftsysteme, die sich nach Sonnenuntergang bilden und Abkühlung bringen. Je besser sie eindringen können, umso besser ist dann auch die Abkühlung", erklärt Uwe Wahl. Auf dem Frankfurter Riedberg spielen besonders zwei Windströmungen eine große Rolle.

Klimafreundliches Bauen mit Frischluftschneise auf dem Riedberg in Frankfurt.
Klimafreundliches Bauen mit Frischluftschneise auf dem Riedberg in Frankfurt. | Bild: Das Erste

Vom Nordosten her gelangt kühle Luft aus der Wetterau in das Wohngebiet. Mit Hilfe der begrünten Schneise wird sie kanalisiert, umgelenkt und weiter getragen. Aus dem Nordwesten wiederum strömt der Wind aus dem Taunus Richtung Frankfurter Innenstadt. Dafür sorgt eine begrünte Längsachse. Welchen Weg die Luftmassen in einer Stadt nehmen, das erforscht Martina Klärle an ihrer Hochschule mit Hilfe von 3D-Modellen. Sie ist eine gefragte Expertin zum Stadtklima. Im Falle des Riedbergs zeigt sie, dass Häuser die Frischluft zwar abbremsen, dank der Schneisen strömt sie aber trotzdem weiter.

Das sollte eigentlich Schule machen. Allerdings kommt einer sinnvollen Stadtplanung oftmals die Kommunalpolitik in die Quere: Dringend benötigter Wohnraum contra Frischluftschneise. Uwe Wahl hofft trotzdem, dass die Rathäuser bei neuen Wohnquartieren künftig noch mehr Grünflächen mit einplanen. "Es nutzt ja nichts nur Wohnraum zu schaffen, wenn dann hinterher die Wohn- und Aufenthaltsbedingungen nicht so optimal wären", meint der Stadtplaner.

Kommunen, Unternehmen und Bürger müssen in Zeiten des Klimawandels umdenken. Kühlere Städte für mehr Lebensqualität.

Ein Beitrag von Daniel Hoh
Bearbeitung: Jan Arnold

Stand: 05.09.2019 09:29 Uhr

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