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Auf dem Holzweg - Unseriöse Öko-Anlagen

PlayGrüne Anlageformen, wie Holzinvestments, versprechen Profite
Auf dem Holzweg – Wie unseriöse Anbieter Öko-Anleger ausnehmen | Video verfügbar bis 04.09.2020 | Bild: dpa / Marijan Murat

- Immer mehr Menschen wollen ihr Geld nachhaltig investieren.
- Dabei ist jedoch Vorsicht geboten: Nicht alle der Angebote sind wirklich grün, vielmehr eher grau.
- Bei einigen ist zum Beispiel die Finanzaufsicht eingeschritten und hat Werbeprospekte verboten.

Den Regenwald schützen und dabei sogar noch eine stattliche Rendite bekommen: Das versprechen Anbieter von Waldinvestments. Doch oft bleibt nicht nur der Gewinn aus, sogar das ganze investierte Geld geht verloren, wie boerse.ARD.de und "Plusminus" berichten.

Tausende deutsche Anleger haben seit 2007 bei der Schweizer Firma Sharewood in Teak-, Balsa- und Eukalyptus-Bäume in Brasilien investiert. 100 Millionen Franken hat das Unternehmen, das in einer edlen Villa direkt am Zürichsee residiert, nach eigenen Angaben eingenommen.

"Das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist eins, wo sich zunehmend kritische Anbieter tummeln", erklärt Heidi Pätzold, die sich für die Verbraucherzentrale Hamburg seit Jahren um das Thema kümmert. Der Klimaschutz und der Schutz der Artenvielfalt seien natürlich werbewirksame Argumente. Geworben wird aber auch mit satten Renditen zwischen sechs und zwölf Prozent.

Totalverlust statt Gewinn

Auf seiner Homepage bietet das Unternehmen aus Zürich einen Rendite-Rechner an. Bei einem Investment in Teak-Bäume von 158.000 Franken, also etwa 145.000 Euro, werden drei Szenarien ausgerechnet. Im schlechtesten Fall soll man dafür 460.000 Franken (424.000 Euro) bekommen, im besten Fall sogar fast 1,2 Millionen Franken (1,1 Millionen Euro).

Doch die Teak-Bäume müssen mindestens 20 Jahre wachsen, bis sie groß genug sind, um verkauft zu werden. Erst dann erfahren die Anleger, was aus ihrem Geld geworden ist. So lange können Unternehmen wie Sharewood weiter Geld einsammeln. Anders sieht es bei den etwa 800.000 verkauften Balsa-Bäumen aus, denn die sind bereits nach fünf Jahren "ausgewachsen". Das war bei den meisten schon vor Jahren der Fall.

Doch nun stehen viele Anleger vor den Spänen ihres Investments. Das Unternehmen findet niemanden, der die Bäume kaufen will. Deshalb hat Sharewood den Anlegern nun einen "Lösungsvorschlag" unterbreitet, der es in sich hat: Die Bäume sollen "fachgerecht zerkleinert" und "vor Ort in den Boden eingearbeitet" werden. Sollten die Anleger nicht innerhalb einer Woche antworten, müssten sie die Kosten dafür selbst tragen.

"Von der Nordsee in die Alpen und zurück"

Für Experten wie Eckart von Reitzenstein kommt das nicht überraschend. Der Forstwirt hat für die Tropenwaldstiftung OroVerde zahlreiche solcher Investments untersucht und war “persönlich erschüttert, was da für Angebote auf dem Markt sind”. Denn oft werden die Setzlinge weit teurer an Anleger verkauft, als die ausgewachsenen Bäume auf dem Weltmarkt verkauft werden können.

Bei Sharewood kommt erschwerend hinzu, dass die Plantagen in der Region Mato Grosso liegen, mitten auf dem südamerikanischen Kontinent, rund 2.400 Kilometer und 31 Stunden Autofahrt vom nächsten Überseehafen entfernt. Und dort müssen die schweren Teakbäume hin, denn die Hauptabnehmer kommen aus Indien. Für Experte von Reitzenstein völlig unrealistisch: “Das ist von der Nordsee in die Alpen und wieder zurück zur Nordsee. Keine Chance. So viel ist das einfach nicht wert.”

boerse.ARD.de und "Plusminus" haben recherchiert und klären auf über eine Luxus-Villa am Zürichsee, sechsstellige Monatsgehälter bei Baumverkäufern, absurde Preisvorstellungen, eine Familie, die ihr Erbe bangt und einen sich selbst kontrollierenden Vorstand. Über abenteuerliche Geschäfte in Brasilien, faule Ausreden und ein findiges Geschäftsmodell, bei dem Anleger erst nach Jahr(zehnt)en erfahren, dass ihr Geld "fachgerecht zerkleinert" wurde.

Ein Beitrag von Julian Herbst und Till Bücker
Bearbeitung: Jan Arnold

Stand: 10.09.2019 13:18 Uhr

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