SENDETERMIN Mi, 24.01.18 | 21:45 Uhr | Das Erste

Internet statt Praxis – Wo der Hausarzt schon per Computer behandelt

PlayHausarztbehandlung bald per Computer?
Internet statt Praxis – Wo der Hausarzt schon per Computer behandelt | Video verfügbar bis 24.01.2019 | Bild: Das Erste

– Ärztliche Beratung nicht mehr nur in der Praxis, sondern per Computer oder Telefon?
– Das bedeutet Zeitersparnis für den Patienten.
– Unnötige Arztbesuche könnten durch Telemedizin verringert werden.
– Telemedizin-System in der Schweiz führt zur Halbierung der Praxisbesuche.

Die Probleme bei der ärztlichen Versorgung sind so groß, dass Ärzte, Kassen und Patienten Neuland betreten. Der Südwesten Deutschlands ist Vorreiter für den virtuellen Arztbesuch. Wie gut das funktionieren kann, zeigt die Schweiz.

Arztbesuch per Computer

Statt Stethoskop Headset das Arztgespräch per Computer. Internist Jörg Meinshausen ist seit zwei Monaten Teledoktor in Baden-Württemberg. Er sitzt in Stuttgart aber sein Patient 200 Kilometer weit weg – am Bodensee. Der Internist hat seinen Patienten also nie zuvor gesehen. Bislang waren solche Behandlungen nicht erlaubt, jetzt aber haben Politik und Ärzte in Baden-Württemberg das Fernbehandlungsverbot aufgehoben. Neben seiner Arbeit in der Praxis mit Patienten vor Ort, bietet er nun auch Diagnosen per Videoschalte an. Eine Behandlungsanfrage bekommt der Arzt über die Zentrale der "Online-Docs" per SMS.

Kürzere Wartezeiten für Patienten

Der Internist kann sich vorstellen, dass zehn bis 20 Prozent der Patienten, die eine Praxis aufsuchen, telefonisch oder per Videotelefonie beraten werden könnten. Für ein Gespräch bekommt der Arzt 20 Euro. Zehn Minuten später weiß sein Patient, was er gegen seine Brustschmerzen machen muss. Für Patienten kann der virtuelle Arztbesuch auch Vorteile haben. Da man auf Facharztermine oftmals sehr lange warten muss, ist ein Besuch beim Tele-Doktor eine Alternative.

Schritt zur Verbesserung der Versorgung

Telemedizinische Untersuchung
Telemedizinische Untersuchung | Bild: dpa / Wolfgang Benndorf

Was für die Patienten oftmals noch Neuland ist, ist für die Kassen ein konsequenter Schritt zur Verbesserung der Versorgung: Teledocs sind rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, erreichbar. Nach den privaten machen ab April 2018 auch die gesetzlichen Krankenkassen mit. Durch eine älter werdende Gesellschaft leben auch in ländlichen Räumen immer mehr ältere Menschen. Allerdings gibt es dort immer weniger Ärztinnen und Ärzte. Aufgrund der Fernbehandlung könnte es "zu einer deutlichen Verbesserung der Versorgung kommen". Außerdem gebe es mit der Telemedizin die Möglichkeit ein alternatives Angebot zu machen, sagt Andreas Vogt von der Techniker Krankenkasse in Baden-Württemberg. Die Zeit für neue Ideen drängt, denn in den nächsten zwei Jahren werden rund 50.000 niedergelassene Mediziner in Deutschland in Rente gehen.

Erfolgreiches Telemedizin-System in der Schweiz

In der Schweiz gib es Teledocs seit 18 Jahren. Der Anbieter Medgat in Basel – einer der größten Telemedizinanbieter in der Schweiz – berät bis zu 5.000 Patienten pro Tag nur über das Telefon. Ein System das Geld spart: bis zu 17 Prozent weniger Kosten bei der ambulanten Versorgung. Die Ärzte arbeiten von Zuhause aus über die ganze Schweiz verteilt oder in einem Callcenter. Mithilfe dieses Telemedizin-Systems konnten in der Schweiz die Praxisbesuche um rund 50 Prozent reduziert werden. Auch die Patienten schätzen die Möglichkeit eines Teledocs, da es unter anderem günstiger als das Hausarztmodell ist und durch die schnelle Beratung, unnötigen Arztbesuchen vorbeugen kann.

Attraktiv für Ärzte und Patienten

Auch für einige Ärzte in Deutschland scheint dieses neue Arbeitsmodel attraktiv zu sein. Ist es doch "kompatibel mit ärztlichen Teilzeitmodellen für ältere Kollegen und für viele Frauen interessant", erklärt der Stuttgarter Internist Jörg Meinshausen. Ärzte könnten durch die Telemedizin, Beruf und Familie besser vereinbaren. Für Patienten gäbe es den Vorteil, rund um die Uhr einen Arzt zu haben – vieles spricht für den Teledoc. Deshalb wollen nun auch andere Bundesländer die Telemedizin einführen.

Autorin: Barbara Berner

Stand: 25.01.2018 12:49 Uhr

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