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Wenn Reisen in den Osterferien teurer werden

PlayReise zu Ostern teurer
Wenn Reisen in den Osterferien teurer werden | Video verfügbar bis 06.03.2020 | Bild: dpa / Julian Stratenschulte

- Die Reisepreise steigen zu Ferienzeiten an
- Trend zur Monopolisierung auf dem Reisemarkt
- Die Deutschen reisen am liebsten innerhalb Deutschlands
- Preise fallen wegen fehlender Konkurrenz oft höher aus
- Der Marktanteil der Lufthansa auf innerdeutschen Flügen beträgt 88 Prozent
- Flixbus dominiert den Reisebusmarkt in Deutschland mit 95 Prozent
- Deutschen Bahn hat auf der Fernstrecke einen Marktanteil von 99 Prozent

Im innerdeutschen Flugverkehr ist es die Lufthansa, auf der Schiene die Bahn und bei den Fernbussen neuerdings Flixbus – alle drei beherrschen in ihrem Segment den Markt und haben quasi eine Monopolstellung. Oft mittlerweile zum Nachteil der Reisenden; denn die Preise steigen, besonders in Ferienzeiten.

Drei Milliarden Reisende nutzen jedes Jahr Fernbus, Bahn oder Flugzeug

Die Deutschen reisen am liebsten innerhalb Deutschlands. Jedes Jahr nutzen drei Milliarden Reisende den Fernbus, Bahn oder Flugzeug und zuletzt stiegen die Preise. Gunnar Berning leitet in Berlin das Internet-Portal "FromAtoB". Er und sein Team haben für "Plusminus" in einer Stichprobe analysiert, wie teuer deutsche Städtetrips in den anstehenden Osterferien sind.  "Wir sehen überall dort wo es Konkurrenz gibt, Preise attraktiv für den Verbraucher sind. Überall dort, wo es ein Monopol gibt, sind die Preise direkt sehr viel höher.“

München-Hamburg - Monopol-Strecke des Lufthansakonzerns
München-Hamburg - Monopol-Strecke des Lufthansakonzerns | Bild: Das Erste

Auf der Monopol-Strecke München-Hamburg fliegt nur der Lufthansa-Konzern mit seinen Marken Lufthansa und Eurowings. 117 Euro kosten die günstigsten Tickets für den Hin- und Rückflug während der Osterreisezeit. Anders bei der Strecke Köln-Berlin. Außer Eurowings fliegen hier noch easyJet und Ryanair. Die günstigsten Tickets lagen bei der Stichprobe bei 31 Euro im Durchschnitt. Das entspricht nur ein Viertel des Preises, den Lufthansa auf der Monopolstrecke von seinen Kunden verlangt.

Preise der Airlines orientieren sich an der jeweiligen Wettbewerbssituation

Dass die Preise wegen der fehlenden Konkurrenz höher sind, bestreitet die Lufthansa auf Anfrage nicht: "Die Preisgestaltung der Airlines (und der Lufthansa Group) orientiert sich immer an der jeweiligen Wettbewerbssituation in den einzelnen Verkaufsmärkten, als auch an der Gesamtnachfrage nach einer bestimmten Destination.“ Lufthansa dominiert den Flugverkehr in Deutschland - vor allem nach der Insolvenz des schärfsten Konkurrenten Air Berlin im Jahr 2017 und der kleineren Anbieter Germania und Flybmi. Der aktuelle Marktanteil der Lufthansa auf innerdeutschen Flügen beträgt 88 Prozent.

Für den renommierten Wettbewerbsökonomen Justus Haucap von der Universität Düsseldorf ist diese Marktmacht besorgniserregend. Er fordert, die Start- und Landerechte des Konzerns zu beschneiden. "Wir müssen aufpassen, dass nicht einzelne Fluggesellschaften im Konzernverbund zu viele Rechte anhäufen, die sie häufig dann strategisch ansammeln, damit kein anderer fliegt. Damit kann man die Preise hochhalten “.

Kaum Wettbewerb auf dem Fernbus-Markt

Auf Deutschlands Straßen rollen fast ausschließlich die grünen Busse von Flixbus. Das Unternehmen ist im deutschen Fernbusverkehr unangefochtener Platzhirsch mit einem Marktanteil von 95 Prozent. Trotz der Dominanz will Unternehmenssprecher Martin Mangiapia von einem Monopol nichts wissen - und verweist auf den gesamten Reisemarkt. "Wir haben sogar relativ viel Konkurrenz am deutschen Markt. Wir stehen in sehr starkem Wettbewerb zu Bahn und Billigflieger - aber vor allem zum eigenen Auto“. Auf dem Fernbusmarkt treibt der fehlende Wettbewerb die Preise in die Höhe.

Flixbus: Fenrbus-Preise auf der Strecke Frankfurt-Berlin
Flixbus: Fernbus-Preise auf der Strecke Frankfurt-Berlin | Bild: Das Erste

Auf der Strecke von Frankfurt nach Berlin gab es im Januar 2015 noch drei Wettbewerber: Flixbus, Postbus und MeinFernbus. Das Ticket kostete im Durchschnitt 20 Euro. Seitdem die Mitbewerber nicht mehr am Markt sind, ist der Preis ist auf 30 Euro gestiegen.

Über alle Strecken in Deutschland hinweg ist der Fahrpreis bei Flixbus innerhalb von vier Jahren von 14,11 Euro auf 18,63 Euro - auf rund ein Drittel mehr - geklettert. "Wenn man bei Flixbus zu teuer wird und deutlich länger braucht als die Bahn oder das Flugzeug, dann ist es für den Kunden nicht mehr attraktiv", vermutet Gunnar Berning vom Reiseportal "fromAtoB". Überzogene Preise kann sich Flixbus also nicht erlauben. Zudem jetzt im Frühjahr auch noch der Konkurrent Blablabus aus Frankreich nach Deutschland drängt.

Flixtrain will Deutscher Bahn auf einigen Strecken Konkurrenz machen

Auch auf der Schiene gibt es einen Monopolisten. Der Marktanteil der Deutschen Bahn beträgt auf der Fernstrecke 99 Prozent. Doch nun greift der eine Monopolist den anderen an. Der Flixtrain will der Deutsche Bahn Konkurrenz machen. Tickets gibt es für die grünen Züge schon ab 9,99 Euro. Auf drei Strecken fährt der Flixtrain schon und weitere sind geplant. “ Wir merken allerdings, dass die Deutsche Bahn bei den Trassen ein bisschen mehr bevorteilt wird. Gerne würden wir noch mehr zum Angebot beitragen und mehr Strecken mit Flixtrain bedienen." Die Deutsche Bahn hält an ihrer Preisstrategie fest, auch wenn die Konkurrenz die gleiche Strecke bedient.

Konkurrenz für die Bahn: Flixtrain-Angebot auf der Strecke Stuttgart-Berlin
Konkurrenz für die Bahn: Flixtrain-Angebot auf der Strecke Stuttgart-Berlin | Bild: Das Erste

Auf der Monopol-Strecke München-Hannover fährt nur die Deutsche Bahn. Das Ticket für eine Strecke in der Osterreisezeit kostet im Durchschnitt 62 Euro. Auf der etwa gleichlangen Strecke Stuttgart-Berlin zahlt man für ein Ticket der Deutschen Bahn 65 Euro. Das obwohl hier auch noch der Flixtrain fährt - für nur 29 Euro im Durchschnitt.

Markteintritt für Mitbewerber mit hohem Kapitaleinsatz verbunden

Marktbeherrscher auf der Schiene gibt es aber nicht nur in Deutschland. "Im Fernverkehr der Bahn war es schon immer so, und selbst in vielen anderen Ländern ist der Markteintritt für Mitbewerber mit sehr viel Kapitalerfordernissen verbunden, was es sehr schwierig macht“, erklärt Experte Professor Justus Haucap von der Universität Düsseldorf. Im europäischen Vergleich steht Deutschland mit den Monopolisten auf gleich allen drei Reisemärkten trotzdem ziemlich alleine da. Wettbewerbsökonomen wie Justus Haucap fordern, den Verkehrssektor genau zu durchleuchten. Das Bundeskartellamt müsse prüfen, ähnlich wie vorher beim Strom- und Tankstellenmarkt. "Das könnte das Kartellamt gerade im Reiseverkehrsmarkt einmal prüfen. Gerade im Luftverkehr ist es offensichtlich, dass der Wettbewerb in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat.“ 

Das "Plusminus-Fazit": Quasi-Monopole gibt es bei allen Verkehrsmitteln. Trotzdem sprechen Flixbus, Lufthansa und die Deutsche Bahn von einem regen Wettbewerb in Deutschland. Beim Blick auf die Preise kommt der eine oder andere Kunde da sicherlich zu einem ganz anderen Schluss.

Beitrag: Naima Kunze und Daniel Hoh
Bearbeitung: Jan Arnold

Stand: 06.03.2019 23:50 Uhr

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