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Viel Milch, viel Tierleid: Deutschlands kranke Kühe

Play"Plusminus" deckt das Geschäft mit großem Tierleid auf.
Viel Milch, viel Tierleid: Deutschlands kranke Kühe | Video verfügbar bis 08.05.2020 | Bild: BR

  • Hinter den Kulissen idyllischer Bauernhöfe stoßen "Plusminus"-Reporter auf ein Geschäft mit großem Tierleid.
  • Kühe müssen in Deutschland immer mehr Milch geben. Seit den 70er Jahren wurde die Milchleistung verdoppelt. Die Folge: viele kranke Tiere. Experten sprechen sogar von Qualzucht.
  • Nach aktuellsten Zahlen sind 1,7 Millionen Kühe im Jahr aus den Ställen aussortiert worden, also geschlachtet oder entsorgt. Die meisten wegen Verletzungen, Krankheiten oder weil sie nicht mehr genügend Milch geben. 

Kühe müssen immer mehr Milch geben. Das macht viele Tiere krank. Nach BR-Recherchen werden bundesweit im Jahr mehr als eineinhalb Millionen Milchkühe "aussortiert". Tiermediziner und Wissenschaftler sprechen von Qualzucht.

Der Agrarwissenschaftler Matthias Gauly von der Universität Bozen
Der Agrarwissenschaftler Matthias Gauly von der Universität Bozen | Bild: BR

Im Durchschnitt muss eine Kuh heute etwa doppelt so viel Milch geben wie in den Siebzigerjahren. Das bedeutet einen Anstieg von 4000 Kilo auf 8000 Kilo pro Tier. Die hohe Leistung hat ihren Preis, sagt der Agrarwissenschaftler Matthias Gauly von der Universität Bozen: "Wir haben Probleme mit der Tiergesundheit und entsprechend auch mit dem Tierwohl, und das ist etwas, was wir dringend ändern müssen."

Mehr Leistung, mehr Erkrankungen

Laut des Agrarwissenschafters Gauly gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Leistung und Erkrankungen. Vor allem seien die Euter stark belastet, was häufig zu Entzündungen führe. Zudem komme es beispielsweise auch zu schweren Stoffwechselkrankheiten. Besorgniserregend ist für den Wissenschaftler die geringe Lebenserwartung der Tiere: Anstatt 15 bis 20 Jahre werden Milchkühe im Durchschnitt heute nur fünf bis sechs Jahre alt. "Es gibt eindeutige Statistiken, die zeigen: Je höher die Leistung der Tiere ist, desto früher gehen Tiere ab."

Wie viele Milchkühe jährlich aus deutschen Ställen aussortiert werden, wird nicht zentral erfasst.

Die Milchleistung stieg seit den Siebzigerjahren an.
Die Milchleistung stieg seit den Siebzigerjahren an. | Bild: BR

Tiere werden aussortiert

Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks sind nach aktuellsten Zahlen rund 1,7 Millionen Milchkühe im Jahr aussortiert, also geschlachtet oder in der Tierkörperverwertung entsorgt worden. Die meisten wegen Verletzungen, Krankheiten oder zu geringer Milchleistung. Das ergab eine Abfrage bei Verbänden der Milchwirtschaft in allen 16 Bundesländern.

Qualzucht bei Milchkühen?

Die Politik müsse den Mut haben, für mehr Tierwohl zu sorgen, so der Wissenschaftler Matthias Gauly. Diese Ansicht teilt auch die Berliner Landestierschutzbeauftrage Diana Plange. Das größte Problem der Milchviehwirtschaft sei die Zucht auf Leistung. Die Leistungsgrenze der Tiere sei längt überschritten, in vielen Fällen würden die Kühe regelrecht "kaputt gemolken". Sie spricht von Qualzucht, die ist gesetzlich verboten.

Ministerium sieht keinen Handlungsbedarf

Die Landestierschutzbeauftragte Diana Plange fordert Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner auf, einzugreifen und Leistungsgrenzen für Milchkühe zu definieren. Auf BR-Anfrage schiebt das Ministerium die Verantwortung auf die Bundesländer, sie seien für die Umsetzung des Qualzuchtverbots zuständig. Für die Einführung von Leistungsgrenzen sieht das Ministerium keinen Handlungsbedarf, fordert aber von den Ländern mehr Kontrollen in den Ställen.

Bericht: Jan Zimmermann und Eva Achinger

Stand: 09.05.2019 10:24 Uhr

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