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Pflege: Lohnende Leiharbeit

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Pflege: Lohnende Leiharbeit  | Video verfügbar bis 05.06.2020 | Bild: WDR

– Leiharbeit in der Pflege boomt: Die Zahl der Arbeitskräfte in dem Sektor hat sich zwischen 2005 und 2017 verachtfacht.
– Der Wechsel in die Leiharbeit kann sich für Pflegekräfte durchaus lohnen, zum Beispiel wenn sie Sozialleistungen wie Urlaubs- und Krankengeld bekommen.
– Das bedeutet aber eine Belastung für Festangestellte, denn die Zeitarbeiter können Schichten in unbeliebten Randzeiten ablehnen.

Die Zahl der Leiharbeitskräfte in den Pflegeberufen ist deutschlandweit zwischen 2005 und 2017 von etwa 3.000 auf 24.000 angestiegen. Lange Dienste, Nachtschichten, Wochenendarbeit – das ist der Arbeitsalltag für das Pflegepersonal in Krankenhäusern. Einen Weg, im Traumberuf zu arbeiten und gleichzeitig verlässliche Arbeitszeiten zu haben, versprechen Leiharbeitsfirmen und private Vermittlungsagenturen.

Keine Wochenenddienste mehr dank Leiharbeit

OP-Schwester Angelika ist diesen Weg gegangen. Der Grund: Der Schichtdienst ging an die Substanz, tagsüber konnte sie nicht schlafen: "Da habe ich einfach gesundheitliche Probleme bekommen." Sie wechselte zu einer Leiharbeitsfirma und ist zufrieden: "Dass ich keine Wochenenddienste habe und keine 24-Stunden-Dienste. Das ist am allerschönsten."

Durch die Festanstellung bei der Leiharbeitsfirma hat sie weiterhin eine gewisse Sicherheit, bekommt Sozialleistungen wie Urlaubs- und Krankengeld. Arbeitszeit und Gehalt sind Verhandlungssache.

Flexible Vermittlung über Online-Plattform

Auch für Krankenschwester Jennifer Schulte wäre eine normale Stelle im Krankenhaus nicht machbar. Die junge Mutter lässt sich über die Online Plattform GigWork an Krankenhäuser vermitteln. Je nach Wunsch geht das für mehrere Monate oder auch nur für zwei Wochen.

Die Anstellung läuft über das Krankenhaus und ohne Personaldienstleister und Provisionen. Für Jennifer Schulte lohnt sich das – dank übertariflicher Bezahlung und flexibler Zeiteinteilung.

Folgen für die festangestellten Pflegekräfte

In der Praxis bedeutet das: Mehr Dienste in den Randzeiten für die im Krankenhaus festangestellten Mitarbeiter. Denn die Zeitarbeiter können die unbeliebten Schichten ablehnen.

Jörg Möller ist für den Dienstplan auf der Intensivstation im Krankenhaus von Neumünster zuständig. Seine Erfahrung: "Die meisten Mitarbeiter der Agenturen möchten schon in der Regelarbeitszeit arbeiten. Oder auch am Samstag, das machen sie auch."

Der Markt für Pflegekräfte ist leer

Gleichzeitig ist die Hilfe der Zeitarbeiter dringend nötig, denn das Pflegepersonal ist knapp. Mehr eigenes Personal wäre besser, sagt Pflegedirektor Christian de la Chaux. Aber: Der Markt sei leer. Krankenhäuser seien auf Zeitarbeitsfirmen angewiesen.

Auf der einen Seite helfe die Leiharbeit, die Versorgung der Patienten aufrecht zu erhalten, sagt de la Chaux. Auf der anderen Seite sei die Leiharbeit aber auch ein wirtschaftlicher Faktor: "Aufs Gesamte gesehen ist Fremdarbeit in der Regel doppelt so teuer, wie eine Mitarbeiterin in der Gesundheits- und Krankenpflege."

Experte: Finanzierungsmodelle verursachen den Mangel

Finanziell belasten nun die Leiharbeiter das System. Den Grund sieht Pflegeexperte Michael Isfort in der Finanzierung der Krankenhäuser. Es habe damit angefangen, dass Krankenhäuser sich über Fallpauschalen finanzierten und so Prioritäten in der Behandlung setzten.

Bei der Politik ist das Problem angekommen. Seit Anfang des Jahres können Krankenhäuser ohne Obergrenze und auf Kosten der Krankenkassen Personal einstellen. Pflegeexperte Isfort ist skeptisch, ob das etwas ändert – denn es fehlt an Personal. Es müsse mehr ausgebildet werden und ein Weg gefunden werden, zum Beispiel Teilzeitkräfte flexibler einzubinden, ohne viel Geld an Zeitarbeitsfirmen zu zahlen.

Autor: Birgit Bonk und Edith Dietrich
Bearbeiter: Peter Schneider

Stand: 06.06.2019 03:02 Uhr

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