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Ernährung: Gefährlicher Kalorienmangel im Krankenbett

PlayKrankenhauspatient beim Essen
Ernährung: Gefährlicher Kalorienmangel im Krankenbett | Video verfügbar bis 23.01.2020 | Bild: picture alliance / empics / Lynne Cameron

– Vielen Krankenhauspatienten fehlt die richtige Ernährung.
– Mangelernährung kann Komplikationen verursachen.
– Individuelle Ernährungstherapien sind die Ausnahme.

Wer krank ist, hat keinen Appetit, isst wenig und nimmt folglich auch ab. Was viele nicht wissen: Wer ungewollt in drei Monaten fünf Prozent seines Körpergewichts verliert, zeigt bereits ein Symptom der Mangelernährung.

Mehr Komplikationen durch Mangelernährung

Gerade in Krankenhäusern wird Mangelernährung schnell gefährlich. Denn dem ohnehin geschwächten Körper fehlen wichtige Nährstoffe, die er für die Genesung dringend braucht. "Die Hauptfolge ist, dass der Patient mehr Komplikationen hat", fasst Professor Arno Dormann vom Klinikum in Köln-Holweide zusammen.

In Holweide gibt es Diätassistenten, die sich um die Ernährungssituation der Patienten kümmern. Eine von ihnen ist Annette Stute, die für etwa 400 Patienten zuständig ist. Teilweise würden Patienten eingeliefert, die in kurzer Zeit wegen ihrer Erkrankung bis zu 30 Kilo verloren hätten. In solchen Fällen wird ein spezielles Ernährungsprogramm aufgesetzt. Fruchtdrinks oder mit Proteinen angereicherte Shakes sollen dafür sorgen, dass der Patient genügend Kalorien bekommt.

Obligatorisches Screening in den Niederlanden

In den Niederlanden ist das obligatorisch. Wer im Nachbarland ins Krankenhaus kommt, wird nicht nur wegen seiner eigentlichen Krankheit untersucht. In einem speziellen Ernährungsscreening wird er auch gefragt, ob er in den vergangenen Monaten ungewollte Gewicht verloren hat oder über verminderten Appetit klagt. Das ist Teil eines ernährungsmedizinischen Screenings.

75 Euro Investition sparen einen Krankenhaustag

"Wenn Du den Patienten erklärst, dass das Risiko von Muskelschwund besteht, dann sind sie auch motiviert zu essen", so Kelly Silverio Alonso-Duin: "Sie haben keinen Einfluss darauf, was der Doktor macht, aber ihre Nahrungsaufnahme können sie beeinflussen."

"Wenn man das richtig macht, liegt der Patient kürzere Zeit im Krankenhaus", erklärt Marian de van der Schueren. Die Wissenschaftlerin hat die niederländische Regierung davon überzeugt, dass die Ernährung ein wichtiger Baustein im Heilungsprozess ist.

Und nicht nur das: Investiere man pro Patient 75 Euro in die ernährungswissenschaftliche Betreuung eines Patienten, spare man einen ganzen Tag Aufenthalt im Krankenhaus, so de van der Schueren.

Kostendruck bei den Kliniken

Solche Ernährungsteams wie in den Niederlanden gibt es auch in Deutschland. Sie sind aber nicht verpflichtend. Dabei könnte das die Situation der Patienten verbessern, argumentiert der Bremer Gastroenterologe und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin, Professor Johann Ockenga. Doch das Gesundheitsministerium verweist auf die Eigenverantwortung der Kliniken. Die stehen ihrerseits aber unter enormen Kostendruck. Was sich auch in der Versorgung der Patienten niederschlägt. Laut einer Studie gaben die Krankenhäuser in den vergangenen Jahren durchschnittlich 14 Prozent weniger pro Patient und Tag aus.

Autorin: Edith Dietrich
Bearbeitet: Peter Schneider

Stand: 18.05.2019 15:38 Uhr

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