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Weber: Ist der Kultgrill wirklich gut?

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Weber: Ist der Kultgrill wirklich gut? | Video verfügbar bis 17.07.2020 | Bild: imago / Hermann J. Knippertz

Weber-Grills haben einen ausgezeichneten Ruf. Der Name ist in Deutschland zum Synonym fürs Grillen geworden – fast jeder Grill-Fan möchte einen haben. Marken-Soziologe Arnd Ziesche hat dafür eine Erklärung: "Wenn ich mir den Porsche auf der Einfahrt schon nicht leisten kann, dann habe ich ihn wenigstens auf der Terrasse und das ist dann mein Weber-Grill."

Konkurrenz zwischen 229 und 699 Euro

Aber wie gut ist Weber wirklich? In einer Stichprobe schauen wir uns ein Modell von Weber und vergleichbaren Gasgrills an. Von Weber einer der Klassiker: der Spirit E-310 Original. Kostet bei Weber 799 Euro.

Beim Fachhändler Santos suchen wir einen Konkurrenten aus einer ähnlichen Preisklasse - nehmen den Napoleon Rogue 425 für 699 Euro. Dazu gehen zwei deutlich billigere Grills: Die Gas-Grillküche von Toom für 249 Euro. Und von Aldi der Premium Gasgrill Boston 4 für 229 Euro. Alle vier Gasgrills haben eine vergleichbare Ausstattung.

Unzufriedenheit beim Grill-Weltmeister

Mit Camillo Tomanek nimmt ein echter Experte die Grills unter die Lupe: Er ist ehemaliger Grill-Weltmeister. Sein Urteil zum Aldi-Grill: "Wenn ich hier ein paar Sachen zum Warmhalten drauf habe und den Deckel aufmache, würde mir der ganze Fleischsaft rauslaufen. Und auf der Terrasse oder sonst wo landen."

Zudem könnten die sehr dünnen Roste Hitze nicht lange speichern. Aldi-Süd schreibt dazu: "Unsere Tests hinsichtlich des Grillverhaltens und der sogenannten Grillperformance waren sehr positiv. Sie decken sich mit den zahlreichen positiven Rückmeldungen zufriedener Benutzer." 

Manko: Außenliegende Gasschläuche

Der Toom-Grill hat die kleinste Grillfläche in der Stichprobe. Camillo Tomanek fällt auf: Die Bleche sind fast die gleichen wie beim Aldi-Grill und wiegen ebenfalls nur etwa 500 Gramm. Was noch auffällt: bei den beiden günstigen Grills verlaufen die Gasschläuche außen – sind damit Wind und Wetter ausgesetzt.

Toom verweist auf Stiftung Warentest. Deren Tester attestierten dem Grill eine "gute Temperaturverteilung bei offener Haube. Viel Fläche zum Anbraten. Temperatur gut regelbar", auch sei der Grill aufgrund der emaillierten Roste gut zu reinigen.

Teure Konkurrenz weiß zu gefallen

Weiter geht's mit dem Napoleon-Grill. Mit einem Magneten überprüft der Grillexperte, ob das Material aus Edelstahl, Aluminium oder Blech ist. Edelstahl und Alu sind nicht magnetisch - und teurer. Sein Urteil: "Alles wertig. Bei der Dicke und dem Gewicht, hält ewig."

Gute Werte beim Materialcheck

Doch wie sieht es mit dem Weber-Grill aus? Zunächst überzeugt die massive Wanne den Experten. Die schweren Gussroste auch. Jeder Rost wiegt etwa drei Kilogramm – deutlich mehr als bei Aldi und Toom. "Was ich nicht so gut finde sind die Seitenablagen, die kann man nicht einklappen." Die seien nur pulverbeschichtet und könnten anfangen zu rosten.

Sein Fazit: Die teuren Grills entscheiden den Materialcheck für sich – der Grill von Napoleon ist sein Gewinner.

Härtetest im Labor

Da Grills viel aushalten müssen, wollen wir wissen, welcher ist der Robusteste? In Bochum bereiten Ingenieure für uns ein ungewöhnliches Experiment vor. Die Grills kommen in eine Klimakammer. Temperaturwechsel von eiskalt bis heiß, unterschiedliche Luftfeuchtigkeit, künstliche Sonnenbestrahlung. Um die Belastung nochmal zu erhöhen, werden die Grills mit aggressiver Salzlösung besprüht.

Fünf Tage unter starker Belastung

Eine Belastung, die deutlich höher ist, als in der Praxis. Das sagt auch Britta Roter, vom Akuvib Labor für Umweltsimulation: "Das entspricht jetzt auch keiner Norm. Es ist natürlich eine deutlich härtere Belastung als das, was sie tatsächlich im Garten oder auf dem Balkon erfahren würden."

Fünf Tage bleiben die Grills in der Kammer – dann wird das Ergebnis begutachtet. Der von Aldi hat außen an einigen Schrauben Rost angesetzt. Aldi-Süd sagt uns, der käme wohl von einem Schraubendreher. Und auch im Inneren an den Brennern und Befestigungen – Korrosion. Das würde bei richtiger Pflege angeblich nicht passieren, so Aldi-Süd.

Rost bei zwei Modellen

Der Toom-Grill sieht äußerlich noch blitzblank aus, hier sind es die Halterungen und Schrauben für die Gasbrenner im Inneren, die rosten. Die Sicherheit oder Funktion der Grills schränke das aber noch lange nicht ein.

Gute Noten für Weber und Napoleon

Und wie sieht es bei den beiden teuren Modellen von Napoleon und Weber aus? Trotz genauer Kontrolle findet die Ingenieurin keine Schwäche im Material. Roter: "Wenn wir die Rostentwicklung als Schulnote heranziehen, dann haben die beide natürlich eine Eins."

Fazit: In der Stichprobe war Weber den billigeren Modellen von Aldi und Toom überlegen. Der Grill von Napoleon für 699 Euro konnte beim Materialcheck überzeugen – und kann es auf jeden Fall mit dem teuren Weber aufnehmen.

Autor: Thorsten Risch

Stand: 19.07.2019 11:33 Uhr

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