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Corona: Warten auf die Antigen-Schnelltests

PlaySchnelltests liegen auf einem Tisch.
Corona: Warten auf die Antigen-Schnelltests | Video verfügbar bis 24.02.2022 | Bild: Picture alliance / dpa / Sebastian Gollnow

 

Inhalt in Kürze:
– Die ersten Antigen-Schnelltests für Laien sind zugelassen.
– Antigen-Schnelltests liefern nach 15 bis 30 Minuten ein Ergebnis, sind aber nicht so verlässlich wie ein PCR-Test.
– Studien konnten zeigen, dass sich Laien genauso zuverlässig abstreichen wie medizinisches Fachpersonal.

Seit dem 24. Februar sind drei Antigen-Schnelltests für Laien vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen: zwei von chinesischen Herstellern, einer aus den USA. Sie alle verfügen bereits über eine CE-Kennzeichnung für professionelle Anwender und sind vom Paul-Ehrlich-Institut positiv evaluiert worden, was technische Standards und Benutzerfreundlichkeit angeht. In den kommenden Tagen und Wochen rechnet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit weiteren Zulassungen – eine Liste wird auf der Internetseite des BfArM laufend aktualisiert.

Parallel zu diesen Sonderzulassungen durch das BfArM, die zeitlich befristet sind und nur für den deutschen Markt gelten, läuft die ordentliche Zulassung über sogenannte Benannte Stellen, wie es im Behördendeutsch heißt. Für Diagnostika wie Antigen-Schnelltests sind dies der TÜV Süd, der TÜV Rheinland und die mdc medical devices certification GmbH aus Stuttgart. Wie viele Hersteller und welche dort gerade im Zertifizierungsverfahren sind, gilt als Betriebsgeheimnis.

Schnelltests sollen zügig in den Handel kommen

Die neuen Laien-Schnelltests sollen zügig in den Einzelhandel kommen, in Apotheken, Supermärkte und Drogerien. Über den Preis gibt es noch keine konkreten Angaben. Schnelltests für den medizinischen Fachhandel kosten – je nach abgenommener Stückzahl – zwischen 5 und 10 Euro pro Test.

Zunächst gestoppt ist das Vorhaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, unabhängig von den Laientests jedem Bürger und jeder Bürgerin ab dem 1. März einen kostenlosen Antigenschnelltest, durchgeführt von medizinisch geschultem Personal, anzubieten, etwa in Apotheken oder Impfzentren. Darüber soll mit den Länderchefs gesprochen werden. Der Städte- und Gemeindebund begrüßt die Verschiebung dieser kostenlosen Tests – die seien eine Mammutaufgabe, vergleichbar mit der Impfung, und müssten mit Landkreisen und Städten koordiniert werden. Marc Elxnat vom Deutschen Städte- und Gemeindebund rechnet nicht vor Mitte März mit dem Start.

Laien-Tests genauso zuverlässig wie Tests durch Fachpersonal

Grundsätzliche Kritik an professionell durchgeführten Antigen-Schnelltests kommt von der unabhängigen Initiative "rapidtests". In diesem ThinkTank haben sich Wissenschaftler und Ärzte zusammengeschlossen. Sie fordern schon seit Monaten eine schnelle Zulassung von Laientests, um Infektionsketten frühzeitig durchbrechen zu können, halten professionelle Antigen-Schnelltests allerdings für eine Verschwendung von medizinischen Ressourcen.

Denn Studien der Berliner Charité und des Heidelberger Universitätsklinikums konnten zeigen, dass sich Laien genauso zuverlässig abstreichen wie medizinisches Fachpersonal – obwohl sie den Abstrich oft nicht so weit hinten im Rachen machen, wie es sein sollte. Offenbar führen qualitativ hochwertige Tests auch bei Probenentnahme im vorderen Mund- und Nasenbereich zu validen Ergebnissen.

Der Vorteil von regelmäßigen Antigen-Schnelltests für den Hausgebrauch: Menschen mit einer Infektion könnten sich durch regelmäßiges Testen schon früh erkennen und isolieren – vermutlich sogar schon im präsymptomatischen Stadium. Und das könnte Infektionsketten und Super-Spreading-Events unterbinden. Gerade jetzt, wo die Schulen wieder öffnen, ist das ein wichtiges Argument. Denn gleichzeitig drohen die ansteckenderen Virus-Mutationen die Infektionszahlen wieder in die Höhe zu treiben.

PCR-Test gilt weiterhin als Goldstandard

Grundsätzlich gilt der herkömmliche PCR-Test nach wie vor als Goldstandard. Der Test erkennt Teile des Erbmaterials, die für das Corona-Virus typisch sind. Mit dem Labortest können auch geringe Mengen des Virus nachgewiesen werden.

Schnelltests als Brücke raus aus dem Lockdown

Ein Antigentest funktioniert anders: Er erkennt spezielle Oberflächen-Proteine des Virus, die sogenannten Antigene. Der Antigen-Schnelltest liefert nach 15 bis 30 Minuten ein Ergebnis, ist aber nicht so verlässlich wie ein PCR-Test. So fand die Infektiologin Claudia Denkinger vom Universitätsklinikum Heidelberg heraus, dass Antigen-Tests in der Regel nur 80 Prozent der Infizierten entdecken. Nützlich seien sie trotzdem: Menschen mit hoher Viruslast werden auch von Antigen-Tests zuverlässig erkannt. Somit könnten diese eine Brücke in die Normalität schlagen – raus aus dem Lockdown.

Bericht: Birgit Augustin
Kamera: Manuela Rose
Schnitt: Sarah Steffen

Stand: 24.02.2021 22:21 Uhr

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