SENDETERMIN Mi., 12.02.20 | 21:45 Uhr | Das Erste

Coronavirus: Folgen für die deutsche Wirtschaft  

PlayArbeiterinnen zählen in einer Fabrik in Schanghai Atemschutzmasken.
Coronavirus: Folgen für die deutsche Wirtschaft   | Video verfügbar bis 12.02.2021 | Bild: Picture Alliance/Ding Ting/Xinhua/dpa / Ding Ting

Inhalt in Kürze:
– Die Abhängigkeit deutscher Firmen von China ist seit Jahren gewachsen. Wenn wegen des Coronavirus Fabriken in China ganz oder teilweise stillstehen, kann das schlimmstenfalls zu einem Produktionsstopp in Deutschland führen.
– In Chinas Millionenmetropolen bleiben die Shoppingmalls leer. Das bekommen besonders deutsche Sportartikelhersteller wie Adidas zu spüren.
– Auch die Reisebranche leidet unter Einbußen.

Die Firma MaiMed in Niedersachsen könnte derzeit Rekordumsätze machen. Sie vertreibt Atemschutzmasken. Die Nachfrage ist seit dem Ausbruch des Coronavirus enorm gestiegen: "Wir könnten das Vierfache der Jahresabsätze verkaufen", sagt Geschäftsführer Dirk Pfemfert. Doch: der Nachschub fehlt. Denn die Masken werden ausgerechnet in Wuhan produziert. Die Stadt in der chinesischen Region Hubei ist nicht nur ein weltweites Zentrum für Fleecestoffe, sondern sie ist auch Zentrum des Coronavirus-Ausbruches. Dort wurden die ersten Infektionen mit dem Coronavirus festgestellt, und seit Wochen ist die Stadt weitgehend lahmgelegt.

Lieferketten funktionieren nicht mehr

Auch der Maschinenbauer und Automobil-Zulieferer Ziehl-Abegg in Baden-Württemberg blickt mit Sorgen nach China. 15 Prozent des Umsatzes macht das Geschäft mit dem Reich der Mitte aus. Wenn in China nicht produziert wird und die Lieferketten nicht funktionieren, dann verhagelt es dem Unternehmen die Planung für 2020, sorgt sich Pressesprecher Rainer Grill.

Wann ist das Virus endlich eingedämmt?

Wie MaiMed und Ziehl-Abegg sind zahlreiche deutsche Unternehmen eng mit China verbunden. Die immer wieder gleichen Fragen in diesen Tagen lauten: Wann ist das Virus eingedämmt? Wann kehren die Arbeiter in die Fabriken zurück? Wann läuft die Produktion wieder nach Plan?

Lieferketten nicht ersetzbar

Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft
Gabriel Felbermayr befürchtet wirtschaftliche Folgen des Coronavirus auch in Deutschland. | Bild: Picture Alliance / Carsten Rehder

Gabriel Felbermayr vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel weiß, dass die Lieferketten auf die Schnelle nicht verändert werden können: "Wir haben ja sehr eng getaktete Produktionspläne, 'just in time', heißt das. Das bedeutet, Firmen haben keine großen Lagerhaltungen mehr in Deutschland. Die Lieferketten neu aufzustellen, das dauert."

DAX bislang kaum beeinträchtigt

Sportartikel-Hersteller wie Adidas fragen sich vor allem, wann sie ihre Läden in China wieder öffnen können. Zahlreiche Shops mussten auf Anordnung der chinesischen Behörden schließen. Für Adidas ist das geschäftsschädigend, denn der Sportartikelhersteller setzte zuletzt ein Fünftel seines Gesamtumsatzes in China um. Auch die Aktie leidet. Neben Adidas verlieren vor allem die deutschen Autobauer an der Börse: Daimler, Volkswagen, BMW. Seit Jahren machen sie ihr Hauptgeschäft in China. Der DAX, der Leitindex der deutschen Börse, ist bislang aber nicht besonders vom Coronavirus betroffen.  

Reisegruppen aus China bleiben aus

Die Reisebranche bekam die Coronavirus-Krise als Erstes zu spüren. Lufthansa und British Airways stellten alle Passagierflüge bis Ende Februar ein. Bei der Reiseagentur Caissa in Hamburg sind dadurch 30 Reisegruppen weggebrochen – von einem Tag auf den anderen. Bis Mitte März hat die Agentur alle Reisen abgesagt. "Wir mussten Kurzarbeit anmelden, weil meine Kollegen keine Arbeit mehr hatten", berichtet Birte Anders von Caissa. Mit einer Entlassung müsse aber niemand rechnen.

Felbermayr: Deutschland könnte in Rezession rutschen

Nach der SARS-Pandemie vor 17 Jahren hatte die chinesische Wirtschaft ein Prozent Wachstum eingebüßt. In Deutschland waren damals kaum Folgen zu spüren. Allerdings hat sich seitdem viel verändert: Daten des Internationalen Währungsfonds zufolge betrug der Anteil Chinas an der Weltwirtschaft beim SARS-Ausbruch 2003 gerade einmal rund vier Prozent. Heute sind es rund 17 Prozent. Gabriel Felbermayr rechnet damit, dass ein vergleichbarer Einbruch des chinesischen Wachstums diesmal zu einem Einbruch in Deutschland um 0,2 Prozentpunkte führen könnte. "Das klingt zunächst mal nicht wahnsinnig viel", erläutert Felbermayr. "Wenn man sich aber daran erinnert, dass wir vergangenes Jahr immer wieder am Rand der Rezession standen, könnte das genau den Ausschlag geben, dass wir doch mal in die roten Zahlen rutschen."

Bericht: Barbara Jung
Schnitt: Habiba Laout

Stand: 12.02.2020 23:13 Uhr

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