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EC-Kartendiebstahl: Bankkunden brauchen Hartnäckigkeit

PlayEin Mann zieht eine EC-Karte aus einem Portemonaie.
EC-Kartendiebstahl: Bankkunden brauchen Hartnäckigkeit | Video verfügbar bis 05.05.2022 | Bild: picture alliance / Torsten Becker

  • Diebe können EC-Kartenlesegeräte manipulieren und so an die Geheimzahl gelangen. Experten warnen vor Sicherheitslücken.
  • Banken schieben bei PIN-Diebstahl die Schuld oft auf die Kunden und werfen diesen Fahrlässigkeit vor.
  • Opfer sollten sich sogenannte Transaktionsprotokolle der Bank ausstellen lassen. Anwälte können darin Unstimmigkeiten erkennen.

Das EC- und Girokarten-System sei absolut sicher, ein Auslesen der PIN von einer gestohlenen Karte sei nicht möglich, so die Argumentationslinie der Banken. Die angeblich einzige Möglichkeit, wie die Karten-Diebe an die Geheimzahl gekommen sein könnten, sei ein fahrlässiger Umgang des Diebstahl-Opfers mit der PIN. Der erste Anschein spreche dafür, dass der beklaute Kunde die Karte zusammen mit seiner Geheimnummer aufbewahrt oder sogar die Nummer auf der Karte notiert hat.

Sicherheitslücken bei Girokarten aufgedeckt

In den vergangenen Jahren haben IT-Sicherheitsexperten und Hacker schon mehrfach bewiesen, dass das angeblich so sichere Girokartensystem nicht so sicher ist, wie die deutschen Banken behaupten. 2012 gelang es IT-Experten das damals im deutschen Einzelhandel am weitesten verbreitete Kartenbezahlterminal so zu manipulieren, dass sie Kartendaten und die PIN ausspionieren konnten – ohne dass Händler, Kunden oder Banken eine Chance hatten, die Manipulation und das Ausspähen zu bemerken.

Banken unterstellen bei PIN-Diebstahl Fahrlässigkeit

Bislang beharren die Banken im Missbrauchsfall auf ihrer einfachen Argumentation der Fahrlässigkeit. Viele Kunden schrecken vermutlich dann vor einer juristischen Auseinandersetzung mit ihrer Bank zurück. Dem Bundeskriminalamt wurden für das Jahr 2020 rund 22.000 Betrugsfälle mit Girokarten, bei denen die Kriminellen die korrekte Geheimnummer eingesetzt haben, gemeldet. Statistisch gesehen entspricht das etwa 60 Fällen pro Tag. Zahlen darüber, wie oft Bankkunden auf ihrem Schaden sitzengeblieben sind, liegen nicht vor.

Noch ist der Druck auf die Banken, das Girokarten-System sicherer zu machen, nicht groß genug. Betroffene Kunden sollten sich jedoch nicht zu schnell abwimmeln lassen, denn schon jetzt sind bestohlenen Kartenbesitzer nicht völlig machtlos, um sich gegen die Unterstellung der Fahrlässigkeit zu wehren.

Anscheinsbeweis durch Nutzungsdaten erschüttern

Eine Möglichkeit: Wenn die Diebstahl-Opfer nachweisen können, dass sie kurz vor dem Kartenklau ihre Karte beim Bezahlen oder am Bankautomaten benutzt haben. Denn dann besteht die Möglichkeit, dass die Diebe die Geheimnummer ausgespäht und danach gezielt die Karte beim Verlassen etwa des Geschäfts gestohlen haben.

Transaktionsprotokolle können Unstimmigkeiten aufdecken

Bestohlene Bankkunden haben einen gesetzlichen Auskunftsanspruch, von der Bank die genaue Dokumentation über die missbräuchliche Abhebung zu erhalten. So müssen die Geldinstitute nachweisen, dass eine Authentifizierung erfolgt und der Zahlungsvorgang ordnungsgemäß aufgezeichnet, richtig verbucht sowie nicht durch eine Störung beeinträchtigt worden ist.

Betroffene Kunden sollten also darauf bestehen, dass die Bank vollständige Transaktionsprotokolle vorlegt. Erfahrene Anwälte können auf Basis dieser Protokolle zum Teil Unstimmigkeiten feststellen.

Bericht: Thomas Eckert
Kamera: Hans-Jürgen Büsch, Sven Zühlke
Schnitt: Hauke Kleinschmidt

Stand: 05.05.2021 22:54 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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