SENDETERMIN Mi., 25.08.21 | 22:00 Uhr | Das Erste

Probleme bei Feuer: Wie sicher sind Elektroautos?

PlayZwei Feuerwehrkräfte stehen mit einem Löschschlauch vor einen Elektroauto in Vollbrand
Probleme bei Feuer: Wie sicher sind Elektroautos? | Video verfügbar bis 25.08.2022 | Bild: Helmut Wenderoth

  • Brennende E-Autos sorgen für Probleme bei Feuerwehren
  • Löscharbeiten sind wegen der Akkus kompliziert und langwierig
  • Industrie arbeitet an neuen Batterien

Dass ein Auto in Deutschland brennt, ist nicht selten. In den vergangenen Jahren nehmen aber auch Feuer bei Elektro-Autos zu. Wenn diese allerdings in Brand geraten, stellt das die Feuerwehr vor einige Probleme. Der Grund: Die Akkus erschweren die Löscharbeiten erheblich. Ein auf den ersten Blick längst erloschenes Feuer im Auto-Akku kann immer wieder auflodern. Fachleute sprechen von sogenannten "Zombie-Batterien".

Die Folge: Während die Feuerwehr Autos mit Verbrennungsmotor meistens vor Ort vollständig löschen kann, müssen Elektrofahrzeuge in einem mit Wasser gefüllten Container oft für mehrere Tage abtauchen. Nur so kann verhindert werden, dass sich nach und nach weitere Batteriezellen entzünden. Die Löscharbeiten können so mehrere Tage dauern. Zudem fehlt es noch an Entsorgungs-Fachbetrieben, die der Feuerwehr das Fahrzeug nach dem Einsatz abnehmen könnten.

Verunreinigungen in den Batterien häufig die Ursache für Feuer

Fachleuten des Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen zufolge kann Walzenabrieb im Produktionsprozess der Batterie-Zellen die Ursache für die Brände sein. Hierbei gelangen kleinste Partikel ins Zellinnere und können dort einen Kurzschluss auslösen, der schlimmstenfalls zum Brand führt. In den Jahren 2020 und 2021 gab es deshalb mehrere Rückrufe, unter anderem bei Ford, BMW und Hyundai.

Batterien für Feuerwehr schwer zugänglich

Verschärft wird das Brand-Problem durch stark verkapselte Batterien, die so vor Unfällen geschützt werden sollen. Die Feuerwehr hat dann große Schwierigkeiten, an den Brandherd zu gelangen. Nur wenige Hersteller, wie Renault bauen Plastik-Löschklappen – wie zum Beispiel unter der Rückbank des Renault Zoe – ein, die bei Hitze schmelzen und den Weg für das Löschwasser freigeben.

Feststoffbatterie als Lösung? Glas und Keramik sollen Elektrolyt ersetzen

Die meisten Hersteller forschen bereits an feuerfesten Alternativen zur Lithium-Ionen-Batterie. Ihr brennbarer Elektrolyt könnte zum Beispiel durch ein Granulat aus Glas und Keramik ersetzt werden. Andere Lösungen könnten feuerfeste Ummantelungen der Batteriezellen sein, die ein Übergreifen auf die Nachbarzelle und die damit verbundene Kettenreaktion verhindern sollen. Zudem verbessern Labore und Hersteller fortlaufend die Batteriesoftware, um bereits kleinste Unregelmäßigkeiten etwa im Spannungsfluss erkennen zu können.

In Aachen an der holländischen Grenze eröffnet der TÜV Rheinland demnächst ein Batterie-Testcenter – nur eines von vielen anderen. Dort kann zum Beispiel das Leben einer Batterie im Zeitraffer simuliert werden. Zudem lassen sich Klimazonen der ganzen Welt simulieren. Experten rechnen damit, dass der Bedarf an solchen Testcentern noch steigen wird.

Feuer im E-Auto: Nicht selbst löschen

Ein ausgebranntes Auto steht in einem Container in den Resten von Löschschaum.
Ein E-Auto im Feuerwehr-Container – selber löschen ist fast unmöglich. | Bild: Helmut Wenderoth

Am größten ist das Risiko bei hohen Energieströmen – also etwa beim Laden oder schnellen Fahrten. Laut deutschen Sicherheitsvorschriften müssen Auto-Akkus so konstruiert sein, dass die Insassen bei Gefahr genügend Zeit zum Aussteigen haben. Nur selten kommt es zu Explosionen, wie im Februar im hessischen Felsberg. Oft hüllt sich das Fahrzeug dann in Dampf. Eigene Löschversuche sollten unbedingt unterbleiben. Gerät ein E-Auto in Brand, sollten die Insassen es sofort verlassen und sich vom Fahrzeug entfernen. Den Brand dann der Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 melden und darauf hinweisen, dass ein Elektro-Fahrzeug brennt.

13,5 Prozent aller in Deutschland neu zugelassenen Pkw haben mittlerweile einen elektrischen Antrieb. Dieser steckt entweder in reinen E-Autos oder ist mit einem Verbrennungsmotor kombiniert (Plug-in-Hybrid). Gegenüber 2020 liegt der Zuwachs bei reinen Batterie-elektrischen Fahrzeugen bei 206 Prozent. Die Feuerwehr rechnet deshalb damit, künftig häufiger zum Löschen der E-Autos ausrücken zu müssen.

Bericht: Claudius Maintz
Kamera: Helmut Brüker, Holger Rädler, Jörg Zschimmer
Schnitt: Stefanie Blasch-Freels

Stand: 25.08.2021 22:58 Uhr

9 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.

Sendetermin

Mi., 25.08.21 | 22:00 Uhr
Das Erste

Produktion

Norddeutscher Rundfunk
für
DasErste