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Hausbau: Fertighäuser sind nicht unbedingt die erste Wahl

PlayEin aus zwei Geldscheinen gebasteltes Haus steht auf einem ausgedruckten Häusergrundriss.
Hausbau: Fertighäuser sind nicht unbedingt die erste Wahl | Video verfügbar bis 17.11.2022 | Bild: picture alliance / Zoonar / DesignIt

  • Niedriges Zinsniveau kurbelt Bauboom an
  • Planungsfreiheit bei Fertighäusern mit Anbieter absprechen
  • Verträge beim Hausbau unbedingt durch Fachanwalt prüfen lassen

Beflügelt von historisch günstigen Zinsen und der Angst vor einer Geldentwertung erlebt Deutschland einen gewaltigen Bauboom. Viele Bauherren setzten dabei auf Fertighäuser, weil sie Risiken und unkalkulierbare Kosten bei individuell geplanten Architektenhäusern fürchten. Doch auch Fertighäuser können gewaltigen Baustress erzeugen.

Fertighäuser – das Für und Wider

Fertighausanbieter bieten ihre Häuser in der Regel über Kataloge an. Das heißt, die Kunden haben schnell eine konkrete Vorstellung, wie das Haus später aussehen wird. Damit wird Bauherren ein Großteil der Planung und des damit verbundenen Stresses abgenommen. Außerdem ist die Kostenkalkulation einfacher. Die Bausumme steht in der Regel mit der Vertragsunterzeichnung fest und verändert sich nicht mehr. Der Nachteil besteht aber bei manchen Anbietern darin, dass individuelle Gestaltungswünsche kaum möglich sind.

Andere Hersteller hingegen bieten auch im Fertighaussegment eine große Gestaltungsfreiheit an. So teilt uns der Branchenverband BDF mit, dass es sich "bei knapp 90 Prozent der 12.661von den Mitgliedsunternehmen (…) im vergangenen Jahr gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern" um individuell nach den Wünschen der Bauherren geplante Objekte gehandelt habe. Wie weit die Planungsfreiheit gehen kann, und welche Auswirkungen das auf den Preis hat, muss mit dem jeweiligen Anbieter abgesprochen werden. Ebenso unterschiedlich, wie die Gestaltungsmöglichkeiten, ist auch der Wandaufbau der unterschiedlichen Hersteller. Grundsätzlich werden die in vier Arten gefertigt:

  • Holzständerbauweise mit Sandwichfüllung aus Dämmung, Folie und Leichtbauwand, Holz oder OSB.
  • Holztafelbauweise, bei der ganze Holztafeln und Holzbalken zu einer tragenden Wand montiert werden.
  • Massivfertigbauweise, deren fertig produzierte Wände aus Ziegeln, Beton oder Betonstein bestehen.
  • Holzblockbauweise, die aus einer Wandkonstruktion aus Balken und Stämmen besteht, die übereinander liegen, wie bei einer Blockhütte.

In einer Fabrik entstehen die Einzelteile

In einer Produktionshalle werden die Wände der Holzständer-, Massivfertig - und der Holztafelbauweise vorgefertigt und in nur ein bis vier Tagen auf dem Baugrundstück gestellt. Das heißt, die Wände werden auf die vorher gegossene Bodenplatten montiert und miteinander verbunden. Dieses Verfahren soll einen positiven Effekt auf die Bauzeit haben.

Der Bundesverband Deutscher Fertigbau E.V. teilt uns dazu mit: "dass bei einem Vergleich der Bauphasen von Fertighäusern und konventionellen Gebäuden beim Fertigbau eine wesentliche Zeitersparnis durch die industrielle Vorfertigung im Herstellerwerk erreicht wird. (…) In unserer Branche sind die Gebäude ab Beginn  der Baustellenmontage in der Regel binnen 14 Wochen bezugsfertig."

Einzelne Wände eines Fertighauses hängen in einer Fabrik.
Fertighäuser entstehen in Fabriken. | Bild: dpa / Daniel Maurer

Doch auch hier kann es durch die derzeit starke Auslastung zu Verzögerungen im Werk kommen, die das ganze Bauvorhaben in die Länge ziehen. Und auch im Innenausbau kann es derzeit massive Verzögerungen geben, weil zum Beispiel Subunternehmen aufgrund der Auftragslage keine Kapazitäten frei haben. Das allerdings trifft auch auf den Massivhausbau zu.

Beim Innenausbau hat der Bauherr meist die Wahl, welche Ausbaustufe er beauftragt, beziehungsweise welche Leistungen er selbst übernimmt. Dadurch lässt sich unter Umständen viel Geld sparen, weil die Fertighausanbieter oft teurer sind, als wenn man Gewerke, wie zum Beispiel Sanitärinstallationen, selbst vergibt.

Banken bewerten Fertighäuser oft schlechter als Massivhäuser

Apropos Preis: Fertighäuser sind oft nicht günstiger als massiv gebaute Häuser. Und sie haben einen weiteren Nachteil. Je nach Bauweise und Alter werden sie von Banken oft schlechter bewertet als massiv gebaute Häuser. Das hat etwas mit dem in Deutschland etwas schlechterem Image und der Haltbarkeit zu tun. Liegt laut wohnglück.de, heimwerker-news und anderer Hausbauberatungsseiten die durchschnittliche Lebensdauer eines Fertighauses bei 60 bis 90 Jahren, hält ein Massivhaus im Schnitt 100 bis 120 Jahre.

Gegen solche Pauschalisierungen wehrt sich allerdings der Branchenverband BDF und schreibt: "Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Lebensdauer und Werthaltigkeit von Häusern in moderner Holzfertigbauweise nicht anders als bei Häusern aus Stein zu bewerten ist. Im Ergebnis unterscheidet sich somit auch der Sachwert bis zu zehn Jahre alter Holzfertighäuser kaum von Mauerwerksbauten."

Massivhaus, Fertighaus, Kataloghaus: Allgemeine Tipps für Bauherren

Egal ob man fertig, freigeplant massiv oder aus dem Katalog baut, diese allgemeingültigen Ratschläge geben Baurechtsexperten:

  • Nie einen Bauvertrag ohne vorherige Prüfung durch einen Fachanwalt für Baurecht unterschreiben.
  • Immer einen unabhängigen Sachverständigen bauphasenbegleitend beauftragen.
  • Nie einen Bauvertrag unterschreiben, wenn man noch kein Baugrundstück besitzt.

Um sich vor bösen Überraschungen zu schützen, hilft eigentlich nur der Blick ins Internet. In zahlreichen Foren und Bautagebüchern schildern Bauherren ihre Erfahrungen oder bewerten die Leistungen ihres Bauunternehmens.

Bericht: Daniel Krull
Kamera: Dieter Stypman, Lisa Richter, Henning Papstein
Schnitt: Ulrike Dumeier

Stand: 24.11.2021 11:43 Uhr

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Norddeutscher Rundfunk
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