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Glyphosat: Pflanzengift im Essen nachgewiesen

PlayEin Traktor bringt auf einem Feld Glyphosat aus.
Glyphosat: Pflanzengift im Essen nachgewiesen | Video verfügbar bis 22.08.2019 | Bild: picture alliance / dpa / Steven Lüdtke

Inhalt in Kürze:
– Bei einer Stichprobe wies ein Labor Glyphosat in zahlreichen Getreideprodukten nach.
– Glyphosat ist das weltweit meistverwendete Pflanzenschutzmittel.
– Während die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO das Pflanzengift als "wahrscheinlich krebserregend" einstufte, kamen das Bundesinstitut für Risikobewertung, die EU und weitere Experten zu einem anderen Ergebnis.
– Ein spektakuläres Urteil aus den USA hat die Diskussion über die Schädlichkeit des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat wieder angefacht.

In einer Stichprobe mit Produkten aus Getreide wurde das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat nachgewiesen. Die Redaktion hat Müsli, Haferflocken und Brot aus konventioneller Herstellung und Bio-Produkte eingekauft und von einem Labor auf Glyphosat untersuchen lassen. In 7 von 29 Produkten wurde das Labor fündig. Keines der überprüften Bio-Produkte ist belastet.

Stichprobe: In diesen Produkten steckt Glyphosat

In folgenden Produkten wurde in der Stichprobe Glyphosat gefunden:

  • Burger Landknäcke Urtyp (0,026 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm)
  • Dr. Oetker Vitalis Früchte-Müsli (0,1 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm)
  • ja! Kernige Haferflocken (0,13 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm)
  • Kölln Haferflocken (0,013 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm)
  • Kölln Müsli Früchte Vollkorn (0,18 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm)
  • Kölln Mühlenklassiker Haferflocken aus Müsli Mix (0,023 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm)
  • Lieken Urkorn Kraft (0,035 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm)

Die gemessenen Werte liegen unter dem gesetzlichen Grenzwert von zehn Milligramm pro Kilogramm. Und darauf weisen die Hersteller der belasteten Produkte auch hin. Rewe äußert sich nicht. Der Chemiker Dr. Günter Lach sieht jedoch keinen Grund zur Entwarnung. Generell sei der Einsatz von Glyphosat nicht nur in Deutschland, sondern in Europa und weltweit inzwischen zu hoch: "Egal ob das Lebensmittel sind, ob das Wasser ist, Böden, Luft – aus meiner Sicht ist das Maß überschritten."

Was ist Glyphosat?
Der Wirkstoff Glyphosat ist Bestandteil von Unkrautvernichtungsmitteln. Er hemmt ein für das Pflanzenwachstum wichtiges Enzym. Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen werden durch Glyphosat nicht geschädigt. In Deutschland kommt das Mittel Schätzungen zufolge auf 30 bis 40 Prozent der Ackerflächen zur Anwendung.

Wirkung auf die Gesundheit ist umstritten

Die Verpackung eines Unkrautvernichtungsmittels, das den Wirkstoff Glyphosat enthält.
Glyphosat ist das weltweit meistverwendete Pflanzenschutzmittel. | Bild: picture alliance / dpa / Patrick Pleul

Bei Glyphosat handelt es sich um ein Umweltgift, ein sogenanntes Total-Herbizid. Es ist das weltweit meistverwendete Pflanzenschutzmittel. Die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO stuft Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung, die EU und weitere Experten kommen zu einem anderen Ergebnis. Kürzlich hat ein amerikanisches Gericht entschieden, dass der Hersteller Monsanto, der zum Bayer-Konzern gehört, einem Krebskranken 285 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen muss. Die Richter sehen es als erwiesen an, dass der Lymphdrüsenkrebs, unter dem der Kläger leidet, auf das Monsanto-Produkt Roundup zurückzuführen ist. Das Urteil des US-Gerichts bringt allerdings keine neuen Erkenntnisse im Wissenschaftsstreit. Es ist lediglich Bewertung eines Schwurgerichts, welches durch Laienrichter gefällt worden ist.

Fördert Glyphosat Resistenzen gegen Antibiotika?

Monsanto hat Glyphosat in der 1970er-Jahren patentieren lassen, unter anderem als Antibiotikum. Die Biologin Dr. Brigitta Kurenbach von der Universität Canterbury in Neuseeland hat herausgefunden, dass Bakterien durch Glyphosat Resistenzen gegenüber Antibiotika bilden können. Dass multiresistente Keime auf dem Vormarsch sind, könnte auch an Pestiziden wie Glyphosat liegen. In allen Bereichen, in denen Glyphosat eingesetzt wird, könnte es problematisch werden – zum Beispiel, wenn Tiere auf Weiden grasen, die mit Glyphosat saniert worden sind oder durch Abdrift belastet sind, und mit Antibiotika behandelt werden müssen. Oder wenn der Landwirt, der den Stoff auf die Felder ausbringt, mit einem Antibiotikum behandelt werden muss.

Unter Abdrift versteht man den Vorgang, der während der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vorkommen kann, wenn die Pestizide nicht nur innerhalb des behandelten Felds landen, sondern zum Beispiel durch Verwehungen in Arealen, die eigentlich nicht behandelt werden sollten.

Glyphosat-Einsatz auf Grünflächen und Äckern

Allein in Deutschland spritzen Bauern rund 5000 Tonnen Glyphosat pro Jahr. Glyphosat kommt in vielen verschiedenen Bereichen zur Anwendung. Es wird in privaten Gärten eingesetzt, manche Kommunen halten mit dem Wirkstoff Grünflächen unkrautfrei, die Bahn setzt es auf ihren Gleisen ein und Landwirte sprühen es auf ihre Felder. In der EU ist der Stoff weiterhin bis 2022 zugelassen.

Getreide-Produkte ohne Glyphosat

Kein Glyphosat nachweisbar war in der Stichprobe in diesen Produkten:

  • Aldi: Ideal Haferflocken, Sonnenbratzen, Weizenmilde
  • Alnatura: Keimling BD
  • Backhus: Hamburger Kante, Rhein Vollkornbrot
  • Bell's: Haferflocken
  • Bio Company: Dinkelkasten, Korn an Korn
  • Gut und Günstig: Haferflocken
  • Harry: Das Volle Korn Katen mit Keim und Randschicht, Vollkorn Toast
  • Junge: Kerngesund, Urbrot
  • Lidl: Kornachter
  • Nur hier: Vollkorn Sonne
  • Penny: Bauernbrot, Volle Korn Kate
  • Rewe: Bio Dinkel Vollkornmehl, Vollkorn Sonnenbatz
  • von Allwörden: angeschoben, Bio Dinkel

Bericht: Melanie Stinn
Kamera: R. Jäger, P. Janssen, H. Büsch
Schnitt: Alexandra Karaoulis

Stand: 23.08.2018 10:15 Uhr

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