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Ferienunterkünfte: Hapimag auf Kundensuche

PlayEine Hand hält einen Schlüsselbund vor einem Bauernhaus.
Ferienunterkünfte: Hapimag auf Kundensuche | Video verfügbar bis 02.05.2019 | Bild: NDR

Die Hotel- und Apartmenthaus Immobilien AG, kurz Hapimag, ist ein Schweizer Tourismusunternehmen, das 1963 in der Schweiz gegründet wurde. Sie ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft Schweizer Rechts, die sich auf Ferienwohnrechte bzw. Timesharing spezialisiert hat. Die Hapimag verfügt über 58 Ressorts in 16 Ländern.

Wie funktioniert das System?

Eine Hand hält einen Schlüsselbund vor einem Bauernhaus.
Ferienwohnungen: Große Online-Portale dominieren den Markt. | Bild: NDR

Ein Kunde, der an Urlauben in Hapimag-Ressorts interessiert ist, kauft eine sogenannte Namensaktie und wird damit Anteilseigner an einer Vielzahl von Ferienwohnungen. Eine Aktie kostet momentan ca. 2.900 Euro. Damit erwirbt der Kunde ein lebenslanges Recht, in einer der Hapimag Ressorts Urlaub zu machen. Der Inhaber einer Aktie muss pro Aktie auch eine sich immer wieder verändernde Jahresgebühr in einer Größenordnung von einigen hundert Euro bezahlen.

Außerdem kommen noch unterschiedlich hohe Gebühren für die Unterbringung in den jeweiligen Ressorts dazu. Die Gewinne der Hapimag werden nicht ausgeschüttet, sondern verbleiben in der Gesellschaft. Das Konstrukt der Hapimag ist vergleichbar mit einer Genossenschaft, deren Aktionäre die Genossen sind.

Was bekommen die Aktionäre für ihr Geld?

Die Hapimag-Ressorts verfügen alle über einen gehobenen Standard und sind in ihrer Ausstattung vergleichbar. Besonderen Wert legt die Hapimag auf die gute Lage ihrer Ferienanlagen. In den Ferienanlagen gibt es einen ähnlichen Service wie in einem Hotel. Eine 24-Stunden-Rezeption, Wellnessbereiche und Kinderbetreuung sind in fast allen Ressorts Standard. Der Aktionär weiß also schon vor Reiseantritt, was er erwarten kann.

Was kritisieren die Aktionäre?

Seit Jahren steigen die Kosten für die Aktionäre. Sei es durch steigende Jahresbeiträge oder durch die Wochenpreissteigerungen in den Ressorts. Auch wenn es in den vergangenen zwei Jahren zu einer Stagnation des Anstieges kam, sind die Aktionäre unzufrieden, weil sie die Vorzüge des Genossenschaftsmodells nicht mehr erkennen können. Ein weiterer Kritikpunkt ist der deutliche Rückgang des Eigenkapitals, das ja auch den Aktionären gehört.

Weil die Hapimag in den vergangenen Jahren in wirtschaftliche turbulentes Fahrwasser geraten war, wurden Ressorts mit unbefriedigender Auslastung verkauft. Allerdings zu extrem niedrigen Preisen und unter teils dubiosen Umständen, sodass die Interessenvertretung Hapimag Ferienclub für Aktionäre, kurz HFA, bei der Generalversammlung in der vergangenen Woche im schweizerischen Baar, eine Sonderprüfung durchboxte.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Wertverlust der Aktie, die seit Jahren deutlich eingebüßt hat. Dies führt auch dazu, dass man seine Aktie nicht wieder verkaufen kann und die Jahresgebühren trotz der Nichtnutzung weiter bezahlen muss.

Informationen für Aktionäre
Aktionäre, die unzufrieden sind, können sich an die Interessenvertretung der Hapimag- Aktionäre wenden. Hier der link zur Homepage: https://www.hapimag-ferienclub.info/

Woher kommen die Probleme?

Touristen in London
Lieber in eine airbnb-Unterkunft: Junge Leute halten wenig vom Hapimag-Modell. | Bild: dpa

Die Hapimag hat ein deutliches Vergreisungsproblem. Die überwiegende Mehrheit der Aktionäre ist weit jenseits der 60. Junge Leute stören sich an der langfristigen Bindung mit der Verpflichtung, jährlich Gebühren zahlen zu müssen. Zudem ist das Angebot überschaubar. Portale wie airbnb und zahlreiche andere Tourismusbörsen bieten dagegen zigtausende Ferienwohnungen in jeder Lage, Güte und für jeden Geldbeutel. Das starre Konzept der Hapimag kann da nur noch schwer mithalten.

Um die Hapimag weiterhin wirtschaftlich betreiben zu können, müssen mindestens 130.000 Aktionäre gehalten werden. Das bedeutet einen Kraftakt, weil durch Alter und Tod ausscheidende Aktionäre durch junge Anteilseigner ersetzt werden müssen. Deswegen will sich die Hapimag mit einem neuen Internetauftritt und zusätzlichen Serviceleistungen in den Ressorts attraktiver machen für nachrückende Generationen.

Autor: Daniel Krull

Stand: 03.05.2018 08:47 Uhr

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